Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1913-12-01 · Heft 3 (1.12.1913) · p. Seite 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 3 (1.12.1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 62 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2268830-2268874-2268878--1032-3522734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

62 komitees gewesen ist, und der in einer Weise christianisierende Tendenzen zum Ausdruck bringt, daß er selbst bei den Zionisten die heftigste Empörung hervorrief. Gleich einem christlichen Missionar stellt er das Christentum als einen Fortschritt gegenüber dem Judentum hin: „Was kann dieses «das alte Judentum) dem modernen Juden geben? Er hat sich weit von ihm entfernt, wie weit, das zeigt beispielsweise sein Verhalten zum Christentum. Die traditionelle jüdische Scheu vor dessen Stifter und seinen Lehren kann er nicht mitmachen, er sieht es vielmehr klar, den Fortschritt, den es bedeutete, als das Christentum den Quell der religiösen Sittlichkeit ins Innere der Menschenbrust verlegte." Man glaubt eher einen radikalen Antisemiten als einen zionistischen Führer zu hören, wenn Böhm gar die unglaubliche Behauptung aufstellt, das Gefühl für persönliche Würde sei nie im Judentum vorhanden gewesen. Und wunderbar, in demselben Buche finden wir ganz zum Schlüße in prachtvollen Worten eine schlagende Widerlegung des Nationaljudentums, die der Verfaffer, Gustav Landauer, mit Recht in dem Buche als „Ketzergedanken" empsindet und bezeichnet. Trefflich verspottet er den Hebraismus: i ,Iein rechter Mensch vermag es, sich als Brücke für kommende Geschlechter, als Vorbereitung, als Same und Dung zu wissen; er will selber etwas sein und leisten. Mag sein, daß die Muttersprache irgendwelcher aus meinen Lenden entsprossenen Nachkommen hebräisch sein wird; es rührt mich nicht; meine und meiner Kinder Sprache ist Deutsch." Er mißbilligt es, wenn man um des Jüdischen willen das Deutsche in uns auszulöschen strebt: „Noch wieder andere sind jetzt dabei, unsereins beibringen zu wollen, wir seien eine Halbheit und ein Mischlingsprodukt und müßten uns in Demut vor den östlichen Juden, den wahren Juden, beugen. Wer so geschwächt ist, daß er sich selber die Existenzberechtigung abzusprechen meint, soll nicht aufgehalten werden." „Da ich aber jetzt lebe und wirke, also auch als Jude jetzt bin und tue, was zu tun mir obliegt, kann ich mich innerlich nicht auf eine Sache bereiten »vollen, kann den Willen zu einer neuen Vorkehrung nicht in »nir finden, die einen Teil meines Wesens auslöschen oder hemmen würde." „Weitaus mehr — sofern es da ein Mehr gibt — als Chamisso, der Franzose, ein deutscher Dichter war, bin ich, der ich ein Jude bin, ein Deutscher. .Mein Deutschtum und Judentum tun einander nichts zu leid und vieles zulieb. Wie zwei Brüder, ein Erstgeborener und ein Benjamin, von einer Mutter nicht in gleicher Art, aber im gleichen Maße geliebt werden, und wie diese beiden Brüder einträchtig miteinander leben, wo sie sich berühren, und auch, wo jeder für sich seinen Weg geht, so erlebe ich dieses seltsame und vertraute Nebeneinander als ein Köstliches und kenne in diesem Verhältnis nichts Piümäres oder Sekundäres. Ich habe nie das Bedürfnis gehabt, mich zu simplifizieren oder durch Verleugnung meiner selbst zu unifizieren; ich atzeptiere den Komplex, der ich bin, und hoffe noch vielfältiger eins zu sein als ich weiß." Das sind Worte, die in prachtvoller Weise die Ideen wiedergeben, die der K. C. seit Jahrzehnten verfochten hat. Wir können daher Landauers Ausführungen rückhaltlos zustimmen. gp Verbands-Nachrichten. Licaria. Die definitiven Chargenwahlen ergaben: Strauß X, F. W. n. a. 1. C. W. 1. S. W., Aronthal X X, K.W., Gutrnann x X X, F. W. n. i. 2. C. W., A. H. Salomon F. M. f. T., Blank F. M. f. C., Cohn Z. W., Süffel S. W., E.-R. E.-R: Strauß, Cohn, Aronthal, Süffel, Blank> Pick. Außer den früher angegebenen kraffen Füchsen »vurden neu ausgenommen: Sidney Mendel aus Mühlheim lRuhr), stuä. iur., Ernst Grunewald aus Düsseldorf, „ „ Ernst Seelmann „ Aachen, „ „ Felix Cahn „ Bonn, „ „ Herbert Picard „ Konstanz, „ meä., Curt Lindner „ Breslau, „ „ Ueberwiesen wurde aus Heidelberg der Brander Hertz aus Nürnberg. Die Zahl der Aktiven beträgt 40. Der verflossene Monat war reich an Festlichkeiten. Unsere Antrittskneipe war so stark besucht, daß die Räume kaum die Zahl der Gäste fassen konnten. Wir konnten zu unserer Freude viele Herren a»rs der Münchner Philisterschaft, ebenso die Vertreter unseres Paukverhältniffes begrüßen. Die Tendenzrede hielt i. a. B. Oppenheim. Zur Feier der Königskrönung wurde ein feierlicher Landesvater gestochen, eingeleitet durch eine begeisterte Königsrede unseres A. H. Salomon. Das zweite in der Reche der Feste war der Fackelzug der Münchner Studentenschaft zu Ehren des neugekrönten Bayernkönigs, an dem wir in corpore teilnahmen. Am 15. feierten wir, nachdem es einige Semester unterblieben war, unser 18. Stiftungsfest mit einem Festessen im Bauerngirgl und einer fidelen Bowlenkneipe im Grünwald. Ein Frühschoppen am Sonntag im Bürgerbräu beschloß das Fest. — Wir machen an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß unser Tanzkränzchen am 4-. Dezember stattfindet, wozu wir alle Kb. Kb. und Bbd.Bbd. heimlichst einladen. Rheno-Silesia. Das Semester, das so gemütlich begonnen hat, scheint weiter so zu verlaufen. Unsere Aktivitas besteht jetzt aus sechsBurschen und vier Füchsen, nachdem uns der Brander Walter Cohen von einer l. K.-V. Thuringia überwiesen wurde; eine für den Bonner Winter verhältnismäßig große Corona. — Solange es das Wetter eben ermöglicht, nutzen wir die schöne Lage Bonns auS, um Ausflüge in die herbslliche Natur der Rheinberge und der Eifel zu machen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.