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KC-Blätter · 1913-12-01 · Heft 3 (1.12.1913) · p. Seite 61

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 3 (1.12.1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 61 (sequence 17)
Language
German
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61 manchmal eins nicht erreicht haben: eine einflußreiche Stelle auf den Hochschulen einzunehmen und eine Beeinflussung der übrigen Korporationen in ihrem Sinne zu erreichen.' Innere Erfolge haben nur die katholischen Verbindungen zu verzeichnen gehabt, die numerisch fast überall an der Spitze marschieren, während die anderen stark zurückgingen und selten über einen befriedigenden Nachwuchs verfügten. Zum Schluß erscheint es noch angebracht, die Stellung des K.C. zu den konfessionellen Verbänden zu beleuchten. Wie schon eingangs erwähnt, trennen uns prinzipielle Gegensätze. Wir können es mit der akademischen Freiheit nicht für vereinbar halten, Studenten durch Zugehörigkeit zu einer Korporation auf ein bestimmtes religiöses Programm sestzuleaen) wir halten jede ohne Not erfolgte konfessionelle Absonderung für einen schweren Schaden des akademischen wie des bürgerlichen Lebens, die nicht nachdrücklich genug bekämpft werden kannendlich sind uns nicht wenige Fälle bekannt, in denen Angehörige von evangelisch- und katholisch-konfessionellen Verbindungen sich eines radauantisemitischen Tones befleißigt haben. Trotz alledem wird der K. C. nie zu einer gewaltsamen Unterdrückung oder Benachteiligung dieser Korporationen seine Hand reichen. Schließlich hat ja auch der K.C. mit seinen ausgesprochen antisemitischen Gegnern genug zu tun und muß trotz aller gelegentlichen Uebergriffe von seiten einzelner Konfessioneller zugeben, daß ihr Abschluß nicht aus antisemitischen Gründen erfolgt ist.; Wir dürften am besten tun, eine neutrale, aber aufmerksame Stellung den konfessionellen Verbänden gegenüber einzunehmen. Ein Nachwort jur Frage -er Wesenserhaltung. Bon 8tuä. iur. Hans Rosenthal, München. Mit großem Wortschwall verkündet die nationaljüdische Literatur die Bedeutung der Erhaltung unserer Eigenart und schmäht auf die „Entäußerung" unseres ureigensten Wesens, welche angeblich die anderen Richtungen erstreben. Im Oktoberheft wies ich demgegenüber darauf hin, baß gerade die Nationaljuden am wenigsten ein Recht hätten, gegen andere Richtungen einen derartigen Vorwurf zu erheben, da doch ihre Bestrebungen auf eine völlige Ummodelung unseres Empfindens und unserer Art hinstreben. In charakteristischer Weise treten diese Tendenzen in einem vom Verein jüdischer Hochschüler in Prag „Bar Kochba" herausgegebenen Sammelbuch „Vom Judentum" hervor. Viele darin enthaltene Sätze bestätigen meir»e Ausführungen in so prägnanter Weise, daß ich mir nicht versagen kann, einige dieser Ausführungen wiederzugeben. Stellt doch schon der Herausgeber den Bruch mit der bisherigen Tradition als das höchste Ideal hin: „Die Tat tut der, der mit allem bricht, was ihin hier bisher schön und gut war, der den Schein alles Unwesentlichen abtut und sich reiner Erde vermählt, Bauer wird in Palästina. — Dies und nur dies — ist wahrhaft ver sacrum, ist Gründung der neue,» Lebensgem eins ch aft." Ebenso bestätigt Calvary: „Wenn wir heute wieder ein rein völkisches Judentum predigen, so befinden wir uns im bewußten Gegensatz zu einer jahrhunderte-, ja jahrtausendelangen Tendenz, einem Gegensatz, den wir zu verkleistern keinen Grund haben." So will man alles das, was bisher unser Wesen ausmachte, aus unserem Leben auslöschen. Man will uns loslüsen von der Kultur, die uns umgibt. Man will uns ein verweltlichtes Judentum predigen, das mit dem Judentum, das wir bisher gekannt haben, nichts zu tun hat. So schreibt wieder der Herausgeber: „Wenn die Juden Europa, das sie voll in sich ausgenommen haben, überwinden, kann das Heil noch einmal von den Juden ausgehen." Wohin die jüdischnationalen Tendenzen abzielen, das zeigen klar die folgenden Worte eines jungen B.J.St.ers: „Freie Juden können wir nicht sein, solange wir in einem fremden Kulturkreis stehen. Und unsere Entfremdung von dem uns umgebenden Volk, unsere kulturelle Geschlossenheit als Juden müffen wir schon hier mit allen Mitteln förd ern." Kann man sich da noch wundern, wenn die Antisemiten die Zionisten als ihre besten Bundesgenossen begrüßen. Wie weit sich das Nationaljudentum von dem wahrhaft Jüdischen entfernt, wie man geradezu ein neues nationales Judentum an die Stelle des religiösen setzen will, das zeigen die Ausführungen des durch die Kunstwartdebalie bekannt gewordenen Schriftstellers Moritz Goldstein: „Wenn alle Well unreligiös .... werden will, warum sollen wir Juden, wir ehrgeizigen Europäer, beim lieben Gott und seiner Moral verharren'? Aber freilich, diese Konsequenz darf der Staatsbürger jüdischen Glaubens nicht ziehen, solange er noch ein Judentum erhalten will; denn eines außerhalb des Glaubens kennt er ja nicht. Wir dagegen erklären das Judentum, für das unsere Väter lebten, litten und starben, für tot. Wir dürfen es; denn ist gleich das Judentum tot: Die Juden leben." .... „Die einigende Wirkung, die während zweitausend Jahren »das Buch« ausgeübt hat, soll künftig »das Land« ausüben." Noch weiter geht Adolf Böhm, der bis vor kurzem Mitglied des großen zionistischen Aktions-

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