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KC-Blätter · 1913-12-01 · Heft 3 (1.12.1913) · p. Seite 60

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 3 (1.12.1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 60 (sequence 16)
Language
German
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60 an dem 1863 zu Frankfurt a. M. stattfindenden Katholikentage zu beteiligen. Der junge stuä. phil. Freiherr von Hertling, der jetzige bayerische Ministerpräsident, ward als Redner dazu ansersehener verstand es, den Delegierten die Ziele der katholischen Studentenbewegung so einleuchtend vor Augen zu führen, daß er allgemeine Zustimmung, besonders beim Präsidenten, dem Bischof von Ketteler, erntete. Die Folge dieser Protektion war ein gewaltiger Aufschwung des Kartells, unzählige neue Verbindungen entstanden, teils mit, teils ohne Farben. Einige hielten es sogar für angebracht, zu einem Prozentsatz Protestanten aufzünehmen, doch wurde das durch Kartelltagsbeschluß schon 1864 untersagt. Nunmehr wurde auch die außenstehende Studentenschaft auf die Sonderbestrebungen der Katholiken, die man anfangs nicht ernst genommen hatte, aufmerksam. Es bildete sich alsbald ein Gegensatz heraus, der oft gehässige Formen anna§m. Es kam häufig zu Schlägereien, ohne daß jedoch dadurch der Sache der Katholiken Abbruch getan wurde. Gefährlicher sollte damals ein innerer Zwist werden, der auf dem Kartelllag zu Trier 1865 entstand. Die kouleurtragenden Verbindungen stellten den Antrag, die Wiedergegründete Bonner Bavaria aufzunehmen, was das Mißfallen der schwarzen Vereine erregte. Kleinere Differenzen kamen hinzu und es trat eine Trennung der Verbindungen und Vereine ein. Jene schlossen sich 1867 zum Kartellverband der katholischen deutschen Studenten-Verbindungen (C.V.) diese 1866 zum Verb and der katholischen Studentenvereine Deutschlands (K. V.) zusamnen. Beide Verbände unterscheiden sich lediglich durch das Farbentragen. Ihre Prinzipien sind die völlig gleichen: Religion, Freundschaft, Wissenschaft, so daß einem durchaus freundschaftlichen Verhältnis zwischen beiden bisher nie etwas im Wege gestanden hat. So gelang es immerhin, die Zersplitterung noch zu einem guten Ende zu führen. Es wäre daher verkehrt, wollte man die Schicksale der katholischen Studentenschaft seit 1865 nach Verbänden getrennt betrachten, da eben hier nicht grundlegende innere Unterschiede wie zwischen Wingolf und Schwarzburgbund bestehen. Die äußere Geschichte bildet eine Kette von Kämpfen zwischen der antikatholischen Studentenschaft und der katholischen. Den Auftakt bildeten die Kulturkampsjahre, in denen auch gegen das katholische Studententum teils wissenschaftlich, teils durch Schlägereien Front gemacht wurdeder Erfolg war eine ungeahnte Blüte der katholischen Verbindungen, entsprechend dem Aufschwung des kacholischen Machtgefühls im Reiche. Dann kam die Kyffhäuserbewegung, in der die deutsche Studentenschaft statt der Katholiken einen neuen Prügelknaben in den Juden fand. Mit dem Abflauen dieser Strömung jedoch wandte sich die Kampfeslust der Studenten wieder dem alten Gegner zu, zumal dieser begann, eine einflußreiche Rolle in der Studentenschaft spielen zu wollen. Allerorten schmiedete man Vernichtungspläne. In Jena wurde die katholische Verbindung Sugambria vom dortigen S.C. durch eine Maskerade auf offener Straße verhöhnt, in Hannover beantragte man, den C. V.-Korporationen das Tragen von Farben zu untersagenan anderen Orten verflieg man sich soweit, um ihre gänzliche Beseitigung beim Senat einzukommen. Aus den allgemeinen Ausschlüssen schloß man sie aus oder bildete solche, die katholikenrein waren. Alle Proteste waren ziemlich erfolglos; trotz alledem setzten die Katholiken sich durch und haben sich bis heute eine gewisse beachtenswerte Proteststellung geschaffen, ohne sich aber besonderer Beliebtheit bei den nichtkonfessionellen Verbindungen zu erfreuen. Im Innern hat sich kaum eine Wandlung vollzogen. Das Duellverbot wurde im Jahre 1890 durch eine päpstliche Enzyklika bestätigt. Keuschheitsprinzip besteht nichtdoch wird, da Religionspflege eines ihrer Prinzipien ist, ein sittlicher Lebenswandel gefordert. Ebensowenig besteht ein sonntäglicher Kirchzwang. Es soll überhaupt eine Ueberwachung des einzelnen in derarttgen Dingen vermieden werden. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren gewalttg gestiegen - der C.B. umfaßt heute (1913) 80, der K.V. 51 Verbindungen. Außer diesen beiden Verbänden entstand noch der U. V. (Verband der Unitas-Vereine), der.sich von den anderen durch besonders eingehende Pflege der Wissenschaft unterscheidet. 20 Vereine gehören ihm an (1913). Er trägt keine Farben wie der Verband süddeutscher Studenten-Verbindungen, der nur an 6 Hochschulen vertreten ist. Gänzlich unbedeutend sind der Akademische Pius- und der Bonifazius- Berein. Seit einigen Jahren besteht auch ein jüdischkonfessioneller Verband, der 1906 gegründete Bund jüdischer Akademiker (B.J. A), der 6 Vereine jüdischer Akademiker umfaßt. Er trägt keine Farben und hat kaum korporattven Charakter. Sein Ziel ist Pflege der jüdischen Religion auf orthodoxer Basisdaher hat er Keuschheilsprinzip und verwirft das Duell. Er tritt gar nicht in die Oeffentlichkeit und spielt auch im jüdisch-akademischen Leben eine sehr geringe Rolle. Aus alledem geht hervor, daß die konfessionellen Studentenverbände trotz großer Anstrengungen

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