KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 3 (1.12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 59 (sequence 15)
- Language
- German
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59 änderte sich erst, als 1854 infolge eines Streites mit dem Heidelberger S. C. öer Heidelberger Wingolf suspendiert und überall öflentlich vor ihm gewarnt wurde. Seit dieser Zeit fanden Reibereien mit der übrigen Studentenschaft nicht mehr statt, zumal der Verband nicht missionierend wirkte, sondern nur darauf bedacht war, die ihm bereits nahestehenden Kreise heranzuziehen. Eine maßgebende Stellung im akademischen Leben zu erringen, ist dem Wingolf nicht gelungen. Auch im Innern herrschte Ruhe und Frieden. 1850 wurde die Duellverwerfung beschlossen, Farbentragen hatte man schon früher zum Prinzip erhoben. Die einzelnen Verbindungen schlossen l sich zunächst zum Gesamtwingolf, später in etwas j anderer Zusammensetzung zum Wingolfsbund zusammen. Doch eine innere Fehde blieb dem | Verband nicht erspart. Zu Beginn der siebziger! Jahre entstand ein theologischer Streit um das j Bundesprinzip. Die Frage wurde endlich j nach langem Hin und Her vom Gießener Wingolf dahin gelöst, daß man als Tendenz den „Wingolfsgeist, der eine historische Tatsache! sei und Gemeinschaft stifte," ansehen solle. Die j Fehde tat dem Verband großen Abbruch und j lähmte seine Kraft, so daß er sich heute haupt- | sächlich aus Söhnen alter Herren rekrutiert. Er! besteht an 22 Universitäten (1913). Ähnlich gestaltete sich die Entwicklung der! „Christlichen Burschenschaft". Auch hier können jj wir fast nur eine innere Tätigkeit wahrnehmen. II Nach 1850 ergriff die Verbindungen eine große sittliche Schlaffheit, bald aber rissen auch hier strenge Prinzipien ein und Keuschheit wurde neben Duellverwerfung zum Bundesprinzip erhoben. Irgendwelche innere Kämpfe können wir hier nicht entdecken. Ueber die Geschichte ist wenig zu bemerken. Die neben der Uttenruthia entstandenen Vereine zerfielen rasch, doch bildeten sich alsbald neue, die meist den Namen Germania führten. Sie schlossen 1855 den Schwarzburger Verein. Kurz darauf aber vereinigte sich die Uttenruthia mit den Kartellkorporationen, der Bund zerfiel - erst 1867 gelang es den Erlangern, ein enges Bündnis mit der Hallenser ^uiskonia herzustellen. Das war die Wiege des Schwarzburgbundes, der sich nach Hinzutreten neuer Kartellverbindungen 1887 bildete. Einfluß in der Studentenschaft hat er nie gehabt, in noch geringerem Maße als der Wingolf. Auch er rekruttert sich zumeist aus Söhnen Alter Herren - der Schwarzburqbund umfaßt heute 17 Verbindungen (1913). ' Außer diesen beiden sollen der Vollständigkeit halber die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammenden evangelisch-lutherischen VereineP h iladelphia zu Erlangen und Leipzig sowie die akademischen Ortsgruppen des evangelischen Bundes nicht unerwähnt bleiben. Sie sind nie besonders hervorgetreten. Wie wir oben gesehen haben, waren weder Wingolf noch die Vorläufer des Schrvarzburgbundes anfangs ausgesprochen evangelisch. So kam es, daß sich ihnen viele Katholiken anschlossen. Bald aber konnte diesen die Betätigung in den beiden Bünden doch keine Befriedigung gewähren. Denn es bestand dort eben nicht die Absicht, missionierend zu wirkendaraus konnte die katholische Kirche aber nicht vernichten, sie wünschte eine Teilnahme am akademischen Leben. Sie wollte werbend wirken und als Kampforganisation auf den Platz treten. Zu alledem entwickelte sich der Wingolf immer mehr einseitig protestantisch, so daß um 1845 der Zuzug der Katholiken gänzlich aufhörte. Man wünschte das christlich-germanische Prinzip in kacholischer Färbung in exklusiv katholischen Vereinen zu betätigen. Dazu kam, daß die katholische Bevölkerung, die infolge der Säkularisation der geistlichen Gebiete (1803) stark gelitten hatte, allmählich wieder auf festeren Füßen zu stehen begann. Mißhelligkeiten im akademischen Leben stellten sich sehr bald ein. Es erfolgte ein Boykott aller nicht strengkatholischen Universitäten- und als der Generalvikar von Münster, von Droste- Vischering, den Münsterer Studenten verbot, die Universität Bonn zu beziehen, da kam es zum offenen Streit mit der preußischen Regierung. Zwar trug die Obrigkeit den Sieg davon, aber die einmal entstanden Gährung vertiefte sich immer mehr und erreichte ihren Höhepunkt, als der zum Erzbischof von Cöln gewählte Droste- Vischering plötzlich gefangen gesetzt wurde (1837): Die Protestbewegung begann sich zu organisieren. Unter diesen Umständen erstand 1844 die erste katholische Studentenverbindung, die Bonner Bavariaihr folgten bis 1848 noch fünf weitere Verbindungen. Sie legten sämtlich Farben an. Eine wirkliche Blüte konnten jedoch die katholischen Verbindungen erst zu Beginn der fünfziger Jahre erreichen. Es gelang, überall Lesevereine zu schaffen, die sich alsbald zu Verbindungen entwickelten. So entstand 1856 die Breslauer Winfridia, der Kartellgründungen in München und Berlin folgten. Da jedoch die alten 6 Korporationen, darunter sogar die Bonner Bavaria, 1857 wegen Leutemangels eingingen und das Interesse der katholischen Bevölkerung für die Verbindungen sehr gering war, verlor die Bewegung schnell wieder ihre Stoßkraft. Da trat ein großer Umschwung ein: Das 1863 gegründete Kartell der Berliner, Breslauer und Münchener Verbindung beschloß, sich zum erstenmal offiziell I