KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 3 (1.12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 57 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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57 Wilhelm IV. von Preußen durch die Stiftung des Evangelischen Bistums in Jerusalem 1841, bei der sich englischer und deutscher Protestantismus zu einer Art kirchenrechtlichen Kondominats einigten- 1852 entstand die rein deutsche evangelische Gemeinde, die schließlich die Union mit dem Anglikanismus aufhob, so daß das Bistum heute rein anglikanisch istaußer in Jerusalem gibt es noch oeutsche evangelische Gemeinden in Bethlehem, Jaffa, Haifa. Außerdem gibt es noch eine ausgedehnte, besonders von England aus mit großem Eifer betriebene „Judenmission". Die Juden in Palästina, im ganzen etwa 60000, haben sich im letzten Menschenalter fast verdreifacht! In Jerusalem sind sie von 14000 im Jahre 1881 auf das Vierfache, auf fast 60000 angewachsen, was selbstredend weniger durch Geburtenüberschüsse zu erklären ist, als durch eine Zuwanderung aus allen vier Enden der Erde, wie sie relativ in solcher Stärke noch niemals seit den Tagen Esras stattgefunden hat. In Jerusalem haben die Juden bereits über 70 Synagogen, ohne daß aber diese große Zahl ihrer Bethäuser als durchaus sicherer Maßstab ihrer Frömmigkeit dienen könnte. Tief und aufrichtig ist ihre Klage, die sie Freitags abends an der Klagemauer anstimmen um die verlorene Herrlichkeit Jerusalems! Ein starker Aufschwung geht seit der Jahrhundertwende durch das uralte Land! Und alle Freunde des Kulturfortschritts müssen nnd werden sich dieses Aufschwunges freuen! Allen Kulturfreunden muß dieser Kreislauf der Kultur, die an ihre uralte Stätte zurückkehrt, eine ähnliche seelische Freude bereiten wie der Kreislauf der Natur, der im Frühling wieder neues Leben nach langer Winternacht erwachen läßt! Und alle Palästinafreunde im besonderen dürfen ohne jegliche Schwärmerei dem Lande ihrer Liebe eine ähnliche Entwicklung Voraussagen, wie sie in Schillers Tell der alte Attinghausen in seiner Sterbestunde seinem Schweizer Lande weissagte: „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit! Ilnd neues Leben blüht aus den Ruinen!" Die konsesfionellen ZtlldentenverbSnde. Bon enoä. inr. Alfred Wolfs ^Bavariae), Lissa. Seit Bestehen des K. C. ist für uns das Thema „Konfessionelle Studentenverbindungen", verbunden mit der Frage nach dem Wesen dieser Korporationen, ein ganz besonders delikates geworden. Denn auch die K. C.-Verbindungen setzten sich stets nur aus Angehörigen einer Konfession zusammen und erscheinen daher auf den ersten Blick als konfessionelle. Tatsächlich aber haben wir uns immer dagegen gesträubt, als konfessioneller Verband zu gelten, und gleichzeitig sogar die konfessionelle Absonderung aufs entschiedenste bekämpft. Ohne Frage hat die öffentliche Meinung unsere diesbezügliche Stellung anerkanntda sich aber doch hin und wieder Stimmen vernehmen laffen, die uns als konfessionellen Verband betrachten, so scheint es notwendig zu sein, noch einmal in aller Küitze auf diese Unterschiede einzugehen. Das Kriterium der konfessionellen Verbindungen ist eben nicht nur die Ausnahme von Mitgliedern nur einer Konfessiondas Entscheidende ist vielmehr die innerhalb der Verbindung sorgsam gepflegte Beobachtung aller religiösen Vorschriften dieser Konfession und damit die unbedingte Verwerfung aller derjenigen studentischen und bürgerlichen Sitten, die mit der Religion nicht in Einklang zu bringen sind. Auch muß der konfessionelle Ab- und Zusammenschluß eben zu diesem Zwecke erfolgt seinwohl finden fich manchmal andere Ursachendoch diese sind, wie die Geschichte lehrt, stets nur nebensächlicher Natur gewesen. Alles das trifft aus den K. C. nicht zu. Gegründet ohne jede Rücksicht auf die Vorschriften btx jüdischen Religion, entstand und wirkte er als Bollwerk und Zufluchtsstätte gegen den Antisemitismus. Und wenn man die Exklusivität benutzen will, um den K. C. zu einem konfessionellen Verbände zu stempeln, so sei erwidert: Unsere Exklusivität pflegen wir aus Gründen der Abwehrsie ist nur Mittel zum Zweck und durch die Verhältnisse dem K. C. aufg2rängt worden. Nie aber waren die Ursachen dieser Exklusivität religiöser Art, und der K. C. hat es bewußt vermieden, seine Mitglieder auf ein bestimmtes religiöses Programm festzulegen. Er verlangt vielmehr zunächst nur das Bekenntnis zur jüdischen Gemeinschaft, das heißt, man muß in irgend einer Beziehung sich zum Judentum zugehörig fühlen und sich demgemäß als Jude bekennen und — das ist das Zweite und Wichtigste — auch betätigen. Es bleibt aber eben durchaus dem einzelnen überlassen, welche Beziehung er zum Judentum hat, nur darf diese nicht in Widerspruch mit dem deutschvaterländischen Gedanken stehen. Ich möchte noch hinzusügen, daß es mir nicht darum zu tun ist, hier einen Abriß der K.C.- Tendenz zu gebendenn dann hätte ich von den so überaus wichtigen positiven Zielen unseres Verbandes sprechen müssen, die aber mit der Konfessionalität als solcher nichts zu tun haben. Jedenfalls dürfte feststehen, daß der K.C. zwar ein gewollt jüdischer, aber kein jüdischkonfessioneller Verband istdaher können wir