KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 3 (1.12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 53 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 3× ep/1047930
- Hebron 1× ep/1047559
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53 und Obstbau sehr geeignet sei! Und die Etikette ist richtig! Wahrhaft fruchtbar im engeren Sinne, d. h. für den Ackerbau, war das heilige Land nie und kann es infolge feiner Kalksteinj formation nie werden! Und gewisse zionistische I Ideologen von heute, die da in dem Wahne leben, I Palästina könne eine große, arme, aus Osteuropa j zugewanderte jüdische Bauernbevölkerung von j einigen Millionen ernähren, werden bittere und! schwere Enttäuschungen erleben. Ein starker wirt- 1 sch östlicher Aufschwung von Palästina ist nur von | einer wohlhabenden Stadtbevölkerung zu er- I warten. Die Volkswirtschaft von Palästina j dürfte sich, wenn ich auf europäische Verhältnisse parallelisieren darf, etwa ähnlich entwickeln wie die der Schweiz! Auch in der Schweiz fließt viel Milch, sehr viel Milch, die man sogar auf den sehr wenig fruchtbaren Höhen der Berge „an der Quelle" trinken kann und auch recht viel „Honig", d. h. süße Frucht- und Obstsäfte. Auch in der Schweiz aber ist im allgemeinen die Landwirtschaft im engeren Sinne, o.h. der Ackerbau, so wenig ergiebig, daß das Land bekanntlich nicht einmal genug Getreide für den eigenen Bedarf erzeugt. . Und auch in der Schweiz beruht der Volkswohlstand erstens auf einer starken Industrie und zweitens einem regen, durch die in Europa beispiellos glückliche Zentrallage begünstigten Zwischenhandel (wie ihn ähnlich eben für Palästina die zentrale Lage zwischen drei Erdteilen begünstigt). Und drittens dürfte auch in der Richtung sich allmählich eine Aehnlichkeit der palästinensischen Volkswirtschaft mit der der Schweiz Herausstellen, als sich eine durchaus gesunde und berechtigte Fremden-Jndustrie in diesem unerschöpflich interessanten, uralten Lande entwickeln, sehr viel Geld Heineinbringen und so den wirtschaft- Ucf)cn Aufschwung stark fördern wird. G etreide wird in größerem Maßstabe nur im nördlichen Palästina gebaut, und zwar in drei aufeinanderfolgenden Ackerbaugebieten: der Hauran- Ebene „en Nukra" (genau östlich vom See Genezareth), jetzt von der Mekkabahn durchzogen, im mittleren Ghor, dem mittleren Teil des Jordantals, besonders bei Besan (jetzt von der neuen Querbahn durchzogen, welche Haifa mit der Mekkabahn verbindet), und in der uralten Ebene Jesreöl, die sich von dort nach Haifa am Karmel vorbei j hinzieht. Das sind die drei einzigen wirklichen j „Kornkammern" des ganzen Landes, d. h. in zuj sammenhängenden großen Flächen bebaute Ge-! treidebezirke) sie bringen hervor: vor allem guten Weizen, zum Brotbacken geeignet, schlechte Gerste,! die meistens als Viehfutter benutzt wird, wenig -loggen, Mais und geringe Mengen Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen und auch Linsen)) Hafer wächst überhaupt nur wild und ist ungenießbar. Das ist der eigentliche Ackerbau. — Sehr ergiebig ist die Oelbaumkultur, die sehr zunimmt und einen regen Ausfuhrhandel verspricht, der in den letzten Jahren schon 2 Millionen Frs. betrug, also etwa (wenn der Vergleich mit der Schweiz durchgeführt werden soll) volkswirtschaftlich allmählich eine ähnliche Funktion erfüllen kann wie der Schweizer Käse. — Die Obstkultur ist ebenfalls sehr mannigfaltig — Orangen, Blutapfelsinen, Zitronen, Feigen, Datteln und Mandeln gedeihen gut und eignen sich ebenfalls sehr für den Ausfuhrhandel. — Und vorzüglich gedeiht der Weinstock (der „Honig"baum der Bibel) vor allen. Im Altertum hoch entwickelt (Palästina war das Weinland des Orients etwa wie heute unsere Rheinprovinz für Nordeuropa), ging der Weinbau unter der türkischen Mißwirtschaft der letzten Jahrhunderte bis auf kleine Reste zugrunde und nimmt erst seit einigen Jahrzehnten wieder einen starken Aufschwung. 2. Handel und Verkehr. a. Der Handel. Der alte Karawanenhandel hat nur noch geringe Bedeutung) ganz regelmäßiger Karawanenverrehr geht noch von Gaza die Küste entlang nach Aegypten. Gaza ist außerdem, wie schon erwähnt, Hauptmarktplatz für die Beduinen des Südens) außerdem sind noch große Lokalmärkte: Bethlehem, Hebron, Nabulus-Sichem. Der Großhandel konzentriert sich fast ganz in den drei Küstenstädten Gaza, Jaffa, Haifa. In Gaza ist hauptsächlicher Exportartikel Gerste, in Jaffa Orangen und ähnliche Südfrüchte, Olivenöl und vor allem Wein) in Haifa Weizen, Mais, Olivenöl und ebenfalls Wein. Importiert werden an Nahrungsmitteln: Kaffee, Zucker, Reis, Bier, Tabak und fast alle feineren Gegenstände des täglichen Gebrauches, wie Kleiderstoffe, Hüte, Glas- und Porzellanwaren, Meffer,. Musikinstrumente usw. Banken gibt es eine ganzeReihe: vor allem der Credit Lyonnais mit Filialen in Jerusalem und Jaffa, die große, in Berlin domizilierte Deutsche Palästinabank in Jerusalem, Jaffa und Haifa und die noch recht unbedeutende zionistische Bank Anglo-Palestine-Company mit Filialen in Jerusalem, Hebron und Haifa. — Münzeinheit ist der Piaster (ä 40 Para), dessen Kurs nach den verschiedenen Orten zwischen 15 und 18 Pfennig schwankt, also rund eine Sechstelmark wert ist. b. Nach dem Handel der Verkehr, der Verkehr im engeren Sinne, Verkehrsmittel und Transportgewerbe. Schiffahrt gibt es fast nur als Küstenschifffahrt, und auch für sie ist die ungegliederte, fast buchten- und hafenlose Flachküste Palästinas wenig günstig. Die einzige echte Bucht ist die von Haifa am Eliasberg, wo auch jetzt größere