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KC-Blätter · 1913-12-01 · Heft 3 (1.12.1913) · p. Seite 47

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 3 (1.12.1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 47 (sequence 3)
Language
German
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47 bei der sämtliche Klangwirkungen restlos zur Geltung bringenden Akustik unserer riesenhasten Jahrhunderthalle. Danach glaube ich, über die Frage des „jüdischen Charakters" des Werkes einiges Vorbringen zu können. Und so schreibe ich diese Seiten, — wie schon gesagt, gleichzeitig mit der höheren Absicht, zur Klärung des Themas „Rasse, Bolk und Kultur der deutschen Juden" etwas beizutragen. 1. Zunächst will ich 'die wesentlichsten Behauptungen und Beweismittel, die man unmittelbar gegen Mahler und seine „jüdische" Musik anzog, zu entkräften suchen und dabei ein Bild geben, wie man heute spezifischen musikkritisch en Antisemitismus betreibt. Ich spreche ausdrücklich von Anttsemitismus, trotzdem die Hauptgegner des „Juden" Mahler, Dr. Rudolf Louis-München und Paul Ehlers-München fich gegen den Borwurf des Antisemitismus verwahren. Wenn Herr vr. Louis behauptet, Mahlers Musik wirke auf ihn „gräßlich abstoßend" dadurch, daß Mahler deutsch spreche mit Akzent, Tonfall und Geste „des östlichen, des allzu östlichen Juden" — selbstverständlich fehlt jede Begründung dieser Meinung —, so ist das die typische Aeußerung eines aufrichtigen Anti-Semiten. Worum handelt es sich denn im ganzen hier? Doch nicht um Lobeshymnen, sondern Angriffe- Angriffe, die „gegen die Semiten" gerichtet sind- und deren Urheber man mit einem Fremdwort „Antisemiten" nennt. Aber es ist besser, wenn der Kritiker seine prinzipielle Unbefangenheit versichert, und man glaubt ihm mehr.' Man sieht ihm nicht so sehr auf die Finger bei der Führung des Beweises. Und das ist notwendigdenn es ist da viel zu vertuschen. Es sei mir erlaubt, die Ausführungen hier zu beleuchten, die Herr Ehlers in einer Reihe von Aussätzen in der „Allgemeinen Musikzeitung"gemacht hat. Auch er versichert, nicht Antisemit zu sein: „Man begreift es, warum man bei seiner Musik bis ins innerste Herz hinein kiihl und unberührt bleiben kann — nicht aus einem politischen, äußerlichen Antisemitismus, sondern aus innerem Rassengegensatze heraus". Dieser Satz kennzeichnet bereits die ganze Art von Herrn Ehlers. Derselbe Gedanke wird innerhalb eines Satzes bejaht und verneintnur der Ausdruck ist etwas modifiziert. Weitere Beispiele: Ehlers meint, daß „man bel) In seinem Buche: „Die deutsche Musik der Gegenwart" (1909), S. 180 ff.; vergl. zu dieser Stelle auch Prof Holtzmann, „Mahlers VIH. Sinfonie und me Kritik" in der „Neuen Musikzeitung" (Stuttgart, Jahrgang 1910/11, Heft 8, Seite 172). Sf * *43 ("3um greift, warum man kühl bleibt", wiewohl er kurz vorher seststellte, daß „am Schlüsse die ungeheure Menge in ekstatischen Jubel ausbrach". Die überwiegende Majorität war also nicht „kühl geblieben". Folglich: das Urteil dieser „Menge" ist gar nicht maßgebend-schließlich gebe doch jeder einzelneHörer mit seinem Beifall nur ein „Selbstbekenntnis" ab. Damit hat Ehlers ganz recht, nur verschweigt er dabei, daß es auf diese einzelnen „Selbstbekenntnisse" gar nicht ankommt, sondern nur auf ihre mehr oder minder große Einmütigkeitdiese aber kann sehr wohl objektive Bedeutung haben. Herr Ehlers zieht vorsichtshalber auch selbst noch einen anderen Grund an für die Ableugnung der Bedeutung des Publikumsurteils: es seien „ausfällig viel Juden" da gewesen. Also Befangenheit! Nun, erstens einmal können von den fast 7 000 Zuhörern der beiden Konzerte noch nicht der zehnte Teil Juden gewesen sein, und zweitens: hätten Sie die „auffällig vielen Juden" auch in dieser Weise bemerkt, Herr Ehlers, wenn sie nach einer Bruckner- Sinfonie gejubelt hätten? Und doch ist es immer dasselbe Publikum, das die Konzerte besucht, handle es sich nun um Kompositionen von Juden oder Christen. Nur, daß es sich hier einmal gut macht, auf den stets verhältnismäßig starken Prozentsatz jüdischer Konzertbesucher hinzuweisen. Ebenso kann es nur einen guten Eindruck Hervorrufen, wenn man, um Mahler zu erniedrigen, Goethes erhöht. Zwei Stellen des zweiten Teils der Sinfonie zitiert Ehlerserstens die Worte: „Freudig empfangen wir diesen im Puppenstand". Man wird zugeben, daß Goethe hier ein schönes, immerhin aber recht gewagtes Bild bringt, welches letztere man von der einfach-frischen Mahlerschen Melodie darauf nicht sagen kann. Ehlers spricht aber recht ostentativ nur begeistert von der „drängenden, schwebenden Musik der Goetheschen Worte, die Mahlers unerträglicher Klopft^thmus der schimmernden Schwingen beraubt". Das ist alles, was Herr Ehlers von der gesamten Musik der Sinfonie zu berichten weiß, — diese leere Phrase! Zu der anderen zitterten Stelle: „Neige, neige, du Ohnegleiche, du Strahlenreiche" sagt er gar nichts, nur kommt dann folgende zusammenfaffende Bemerkung : „Die Behandlung dieser Stellen mutet wie eine Übersetzung aus fremder Sprache an..." Und da wird gleich eingehakt: „Eine fremde Sprache! Wie, wenn sich da des Geheimnisses dunkler Grund enthüllte? Wenn sich der rythmische Geist der deutschen Sprache dem musizierenden Semiten verborgen hätte?" Es gibt nichts, das so gefährlich ist wie solche „Entdeckungen". Der unbefangene Leser glaubt, l) Bekanntlich ist der erste Teil der Sinfonie mrf einen mittelalterlichen lateinischen Hymnus, der zweite auf die Worte der Schlußszene des „Faust" komponiert.

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