KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 2 (1.11.1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 42 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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42 QP OB Bücherunö VlStterschau. OQ Die Vorschriften über die Ausbildung der Juristen in Preußen usw. Durch die allgemeinen Verfügungen des Justizministers vom 3. Juli 1912 und die Prüfungsordnung vom 17. Juni 1913 sind zwar die Grundlagen für die Ausbildung der Juristen in Preußen im großen und ganzen geblieben; jedoch sind eine Reihe wichtiger Veränderungen und Ergänzungen eingetreten. Es sei nur an die Einführung der Klausurarbeiten für das Assessorexamen erinnert. Daher ist es mit Freuden zu begrüßen, daß der Verlag von Franz Bahlen unter Benutzung amtlicher Quellen zu einer neuen, der fünften, Auflage der „Vorschriften über die Ausbildung der Juristen rn Preußen" geschritten ist. Eine Reihe von Anmerkungen, namentlich zu der neuen Prüfungsordnung, erhöhen die Brauchbarkeit des Werkes. Den vor der Prüfung stehenden Rechtskandidaten und Referendaren ist die Anschaffung des Buches dringend zu empfehlen. Amtsrichter Dr. Wolff (Ghib.), Cöln. Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege 1913. (Statistisches Jahrbuch.) Herausgegeben vom Büro des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Berlin W. 35, Steglitzerstr. 85. — Preis Mk. 2.-. Das alljährlich erscheinende Jahrbuch des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes gibt eine vorzügliche Uebersicht sowohl über die Verhältnisse und Organisationen der einzelnen Gemeinden als auch über die Gesamtorganisationen für das Deutsche Reich. Außerdem enthält es außerordentlich wertvolle statistische Angaben, die für jeden, der in größeren Organisationen tätig ist, unentbehrlich sind. Daß bei der unendlichen Fülle von Material, das in dem Handbuch enthalten ist, größere Lücken unvermeidlich sind, liegt auf der Hand. Seltsamerweise ist auch der K. C. in dem Jahrbuch nicht aufgesührt. Auch ist von den K.C.-Verbindungen nur die Friburgiä- Königsberg genannt. Diese Lücke ist um so auffallender, als die übrigen jüdischen studentischen Verbände sämtlich erwähnt sind. Hoffentlich wird dieser Mangel in der nächsten Auflage behoben. Die Anschaffung des Werkes für die Berbindungsbibliotheken ist sehr zu empfehlen. Karl Löwenstein.; Richard Moritz Meyer, von Ernst Kämpfer. Dieses Schriftchen ist im Verlag von Scheffer, Berlin- Steglitz erschienen, demselben Verlag, der die Flugschriften des Deutschvölkischen Schriftsteller-Verbandes vertreibt. Nebenbei bemerkt preist die Rückseite des Einbands Schriften von Adolf Bartels an. Man weiß also schon, was man zu erwarten hat, ehe man das Büchlein auffchlägt. Das Buch befaßt sich mit dem Buch des Profeffors an der Berliner Universität Richard M. Meyer über „Die Deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts". Ich habe Meyers Buch nicht gelesen, kann also im Einzelnen die Kritik Kämpfers nicht nachprüfen. Aber dennoch) Man kann diese Kritik auch so hinreichend würdigen. Denn die ganze Art, wie sie angelegt ist, läßt so sehr die Absicht der Kritik erkennen, sein Objekt unter allen Umständen schlecht zu machen, ja eS fällt dem Kritiker in seiner Naivität oft so schwer, sich das Schlechte, das er uns daran Nachweisen will, erst herauszusuchen, daß diese Kritik nicht nur für sich selber spricht, nein, noch mehr, daß der unbefangene, d. h. von der »Deutschvölkischen" Tendenz unbefangene Leser unbedingt merken muß, daß Meyers Buch sehr viel Wertvolles in sich birgt. Der Berfaffer muß selbst zugeben, daß Meyer „ein ganz hervorragendes Wissen besitzt. Aber Meyer ist Jude. Wenn er also von seinem Wissen in seinem Buch Zeugnis ablegt, so nennt Kämpfer das „Gelehrsanikeitsprotzerei". Lobt Meyer einen jüdischen Schriftsteller oder tadelt er einen anderen, der einmal etwas Abfälliges über Juden und Judentum schrieb, so heißt es bei Kämpfer: „Natürlich!" Aber es ist damit nicht genug. Es paßt Herrn Kämpfer erklärlicherweise nicht in seinem Kram, wenn Meyer selbst' einen Juden herunternracht. Aber auch dann weiß er sich zu helfen. Dann hat nämlich der von Meyer Geschmähte wirklich Talent! Oder wenn Meyer — ich glaube, da wird ihm kaum jemand Unrecht heben — z. B. „von des jüdischen Philosophen Otto Weminger „kranken Paradoxien"" spricht, dann ist auch dies für Herrn Kämpfer eine einfache Sache: „Nun ja, er (Weiniger) hat recht scharfe Worte über das Judentum gesprochen!" In dieser Tonart geht es lustig weiter und schließlich kommt Herr Kämpfer „natürlich" zu dem Resultat, daß „Meyers Buch nicht in ein deutsches Haus gehört". „Der hohe Mond, er leuchtet fort und läßt die Hunde bellen". Wie würden die Hunde sich aber erst ärgern, wenn sie einsehen lernten, daß durch ihr Gebell manche Leute erst aus den Mondschein aufmerksam werden! - An Meyers Buch mutz was dran sein. Df. Robert Rosenthal (Sic.), Wiesbaden. Schwarz—Weiß—Hellgrün, Roman von Carl Bulcke. Wenn ein Roman einen derarttgen 'Titel führt, denkt «tan sofort an Sttlgebauer und Bloem und tut konsequenterweise die literarische Brille von den Augen und liest das Buch ohne diese Brille, d. h. wenn es einem insofern von Interesse scheint, als es von studentischen Dingen handelt. Aber man hat diesmal unrecht. Literarisch ist dieser Roman namuch noch viel wertloser als man erwartet hat: „Werner Graumann ist bildschön, schwerreich, sehr klug, arbeitet jeden Tag sechs Stunden, die Damen, Mädels und Weiber, sind verrückt in ihn. Was mutz aus dem einmal werden!" Denkt man. Aber die Hauptsache: Werner Graumann ist auch Holsate und die Holsatia ist das feudalste Korps in Freiburg. — Donnerwetter! Graumann! Wenn aber jetzt nichts aus Dir wird! — Graumann wird Minister, näntlich Finanzminister. Siehe Seite 317. Schade, daß es mit Seite 328 Schluß ist. Aber Graumann ist erst 42 Jahre alt. Herr Bulcke wird uns im nächsten Band (Ja, warum denn nicht? Stilgebauer hat ja auch drei Bände geschrieben!» zeigen, wie Graumann geadelt und dann Reichskanzler wird. Und die „Handlung?" — Schwarz—weiß—hellgrün. Das sind die Farben des Bandes, an denen Graumann bis zum Ministerposten heraufklettert. Dazwischen kommen die üblichen Weibergeschichten, in Kiel hat hat er zwölf Mädels auf einmal. Aber er hat auch das obligate „feste Verhältnis". Im übrigen ist alles äußerlich und sehr vieles unmotiviert. — Pardon! Ich will dem Mann nicht unrecht tun. Die Handlung hat auch einen „historischen Hintergrund". Siehe Seite 45: „Als sie an diesem Tage, es war Mitte Juni, über die Straße gingen, klebten schwarzumrandete Anschläge an den Straßenecken. Kaiser Friedrich war gestorben. Und der dritte Kaiser, ein junger lebensstarkerMann, zeigte an, daß er den Thron seiner Väter bestiegen habe". Ich habe zuweilen ernstlich den Gedanken gehabt, das Buch sei eine geistvolle Persiflage der Streberei und Protektionswirtschast. — Aber nein, die Sache ist ernst gemeint. Es heißt übrigens auch ausdrücklich an einer Stelle, daß diese Protektton ihre Berechtigung habe? die Holsatia „züchte nur Leute erster Qualität