Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1913-11-01 · Heft 2 (1.11.1913) · p. Seite 43

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 2 (1.11.1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 43 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2268830-2268874-2268877--1006-3522707
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

43 heran. Und z. B. folgender Dialog zwischen Minister Graumann und Frau Gemahlin: ,Mnd, Kind, Kind. . . Ich will Dir die Wahrheit sagen. . . Wenn ich da nicht zufällig die Farben getragen hätte, ich wäre jetzt wahrscheinlich ein Amtsgerichtsrat oder etwas Aehnliches. Das quält rnich gelegentlich". „Welcher Unsinn Herbert. Was Du nur redest. Papa war doch auch in diesem Bunde. Und Papa ist doch auch ein großer Mann geworden. . ." Die Sprache Bulckes verfügte über starke Ausdrucksmittel. Zum Beispiel: als Herbert seine zukünftige Frau auf einem Ball an sich vorübergehen sieht, da „jauchzte es in ihm: Dich, Dich, Dich will ich haben. Denn sie war noch jung, jung, jung". Wer sich einige vergnügte Stunden bereiten rvill, dem empfehle ich dieses Buch Dr. Robert Rosenthal (Sic.), Wiesbaden. Theilhaber, Das sterile Berlin. (Berlin 1913, Eugen Marquardt.) Der Verfasser des „Untergangs der deutschen Juden" mutzte dazu kommen, von dem Teilprvblem der sinkenden Geburtenziffern bei den deutschen Juden auf die sinkende Geburtenziffer der deutschen Allgemeinheit seine Blicke zu richten. Mit Schrecken erkennt er aus den statistischen Unterlagen, daß Berlin ohne Zuzug von auswärts, auf sich allein angewiesen, aussterben müßte; mit Schrecken sieht er aber auch, wie die Quelle des Daseins der Stadt Berlin, die deutsche Bevölkerung in Stadt und Land, eine ständig sinkende Geburtenziffer aufweist. Das Problem des Fortbestandes der deutschen Juden wird Theilhaber schlietzlich zum Problem der gesamten abendländischen Welt, der weitzen Menschheit, in ihrer kapitalistischen Entwicklung. Voll trüber Erkenntnis blickt er in die Zukunft; er entwirft ein großes Programm staatssozialistischer Abhilfe der in Zukunft drohenden Entvölkerungsgesahr, ohne große Hoffnung, daß dies Programm rechtzeitig durchgesührt werde. — Niemand wird sich nach dem Studium dieses Buches dem Eindruck entziehen können, datz die Welt des Okzidents langsam ihrer schwersten inneren Krise entgegengeht und vor der Gefahr steht, wie die abendländische Welt der Antike, das vollentwickelte Römerreich, an mangelndem Nachwuchs zugrunde zu gehen. Und mit ihr die Juden der abendländischen Welt; wie, nach Theilhaber, die altdeutschen jüdischen Familien, welche den am schnellsten aussterbenden wohlhabenderen Schichten angehören, seit langem auch ohne Taufe und Mischehe auf dem Aussterbeetat stehen. Erich Marx. Melamed, Psychologie des jüdischen Geistes. (Berlin 1913, C. A. Schwerschke und Sohn.) Melamed sieht wie Svmbart als Grundkraft der jüdischen Vergangenheit die überragende Geistigkeit der Juden an. Nur sieht er diese Geistigkeit von einer ganz anderen Seite wie Sombart. Während Sombart nur die Beziehungen von Intellektualismus und Wirtschaftsleben, und zivar in entseitiger, schiefer Auffaffung sieht, richtet Melamed seilt Augenmerk vor allem auf die Entstehung des jüdischen Jdealistnus aus der Geistigkeit, des Idealismus in Gesetzgebung (Moses), Ethik (die Propheten), Theologie (der Talmud) und Philosophie (Spinoza). In packender Schilderung zeigt er den Kampf . des aufstrebenden Intellektualismus, der am Leben nicht orientierten Geistigkeit gegen die starken Lebensimpulse eines kräftigen Volkes. In diesenr Kampfe wird unendlich Wertvolles geboren; auf den Höhepunkten entsteht die glutvoll-religiöse, humanistische Ethik der Propheten, entstehen die Psalmen und so manch wundervolle geistige Tat, welche der ganzen folgenden Menschheit ihren Stempel aufdrückt. Mit dem immer weiteren Vorschreiten des Intellektualismus setzt dann eine Versteinerung des jüdischen Volkslebens ein, welche bis in unsere Tage währte. Erst in unseren Tagen gab dann der voluntaristische Geist des modernen Europa auch den Jllden allmählich ein kräftigeres Triebleben wieder. Zum Schluß meint er: „Sollte es den Juden gelingen, einen Bruchteil des Volkes wieder in der alten Heirnat anzusiedeln und dort ein hebräisches Milieu zu gründen und ein gesundes jüdisches Leben zu schaffen, dann werden sich die Fesseln des Rabbinismus und des starren Legalismus von selbst lösen, und der jiidische Geist wird wieder autonom werden, wie er einst zur Zeit der Propheten war. Nur wird er nicht so spiritualistisch idealistisch sein, denn nicht umsonst werden die Juden 2000 Jahre in Europa gelebt haben." Erich Marx. Zchlutz -er Re-attion für Nr. 3. Für studentische Nachrichten . . .21. Nov. 1913. Für den Anzeigenteil.25. Nov. 1913. Aufsätze allgemeinen Inhalts werden jederzeit entgegengenommen und kommen möglichst in der nächsten Nummer zum Abdruck. Verleger und verantwortlicher Redakteur: Rechtsanwalt Karl Löwenstein II, Aachen, Augustastr. 2, Ecke Wilhelmstr. Druck: Aachener Verlags- und Druckerei-Ges. Kaffenverwaltung: Referendar O. F. Herrmanns, Cöln, Roonstr. 11. Postscheckkonto Cöln 16428. Unterfertigte gestatten sich, ihre l. Kb. Kb. und Bb. Bb. zu dem am 2. November a. e. in Berlin stattfindenden , K. C.-Tage ergebenst einzuladen. Programm. Sonnabend, den1.November: Begrüßungsabend mit Damen im Ebenholzsäal des „Rheinaold", Potsdamerstr. 3. Beginn 9 Uhr. Sonntag, den 2. November: Vorm. 9V, Uhr präzise, K. C.-Tag im Ebenholzsaal des „Rheingold". 1—2 Uhr: gemeinsame Mittagstafel ebenda. Abends 9 Uhr präzise: Herren- Essen im Kaisersaal des Hotel Adlon. (Eingang Wilhelmstr. 70a.) Montag, den 3. November: Mittags 12 Uhr, Katerfrühschoppen im Schultheiß, Unter den Linden 17/18) im Anschluß daran Ezcbummel nach Hundekehle und Paulsborn. Die Verbindung im Der A.H.-B. K.C. Sprevia, Sprevia, i.A. i. A. Max Cohn. Dr. E. Werner.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.