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KC-Blätter · 1913-11-01 · Heft 2 (1.11.1913) · p. Seite 27

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 2 (1.11.1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 27 (sequence 7)
Language
German
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27 Leben zu erfüllen und es als besonders heilige Pflicht jedes österreichischen „Völkischen" von neuem zu proklamieren, gescheitert ist. Ein diesbezüglicher, von einem Herrn Schachermeyer eingebrachter scharfmacherischer Antrag wurde von einigen antisemitischen Vereinen zurückgewiesen und die Debatte hierüber vertagt. Während es also in Oesterreich selbst in diesen Köpfen zu tagen scheint, will unser stolzer, hochgebildeter, reichsdeutscher „V. D. St." ins Waidhofener Mittelalter hinabsteigen, vielleicht um wieder etwas Wind in seine immer philiströser werdende Politik zu bringen. Auf der 33. Perbandssitzung des „Kyffhäuserverbandes" in Nordhausen anfangs August d. I. beschloß man nach lebhafter Debatte eine Annäherung an den österreichischen Antisemitismus. In folgender Fassung berichten darüber die „Akademischen Blätter": Man beschloß, „die Hand, die uns der V. D. St. Graz entgegenstreckt, nicht um innerer Zwistigkeiten im österreichischen Studentum willen zurüctzustoßen, das freundschaftliche Verhältnis zum Waidhofener Verband aber weiter zu stärken..." „Auch die„Akad.Bl." sollen mehr wie bisher diese Frage erörtern." Letzteres geschah nun sofort in der folgenden Nummer vom 16. Sept. 1913, Bl. 188. Hier wird prinzipiell Stellung zum „Waidhofener Prinzip" genommen und als Tendenz für den V. d. St. proklamiert: „Unser Streben muß es nun sein, unfern erzieherischen Einfluß auf das akademische Leben unermüdlich dahin auszuüben, daß die gesamte deutsche Studentenschaft in allen Lebensfragen dieses Prinzip betätige." Also dieses Prinzip, das ein so gründlicher Kenner deutschen Studententums wie Herr von Salvisberg noch kürzlich in Heft Nr. 273 seiner „Hvchschulnachrichten kurz und bündig und mit äußerstem Flachdruck das „Prinzip frivoler Ehrabschneidung" nannte, wird von demKysfhäuserverband ausgegriffen, um es der übrigen Studentenschaft als patriotische Gesinnungs- und Handlungsweise aufzuoktroyieren. Der Antisemitismus ist zwar der Erzeuger und bisher einflußreichste Nährvater des V. D. St. in geistiger Hinsicht gewesen, aber wir hätten doch nicht gedacht, daß dieser seine Spezialität so weit treiben würde. Möglich, daß man sich heute schon in besonnenen Kreisen des V. D. St. dieses Aufsatzes schämtdie entsetzlich lederne Art, mit. der auch dort die Propagierung des Waidhofener Prinzips begründet ist, beweist schon, wie sehr dem V. D. St. in dieser Hinsicht ein natürlicher, allgemeiner Enthusiasmus fehlt und wie gekünstelt die neue Heldenpose seiner Radikalen ist. Hier irgend ein Wort über das Waidhofener Prinzip -zu verlieren, bei dem man nicht weiß, ob seine Ruchlosigkeit oder seine Albernheit größer ist, erübrigt sich. Um es genügend zu charakterisieren, genügt es, seinen nackten Wortlaut zu wiederholen: „In vollster Würdigung der Tatsache, daß zwischen Ariern und Juden ein tiefer moralischer und physischer Unterschied besteht und daß durch jüdisches Unwesen unsere Eigenart schon viel gelitten hat, und in Anbetracht der vielen Beweise, die auch der jüdische Student von seiner Ehrlosigkeit und seiner Charakterlosigkeit gegeben, faßt die heutige Versammlung deutscher, wehrhafter Studentenverbindungen den Beschluß, dem Juden auf keine Waffe mehr Genugtuung zu geben, da er nach unfern deutschen Begriffen deren unwürdig und der Ehre völlig bar ist. Diese Monströsität wird nun in folgender Weise vondem betreffenden Schreiber in den„Akad. Blättern" befürwortet. Seine „gewichtigen völkischen Gründe" sind geradezu ein Schulbeispiel der schrecklichen Phraseologie, in der sich unsere Unentwegten bewegen. Zunächst spricht er davon, daß „der unüberbrückbare rassentümliche Abstand" zwischen Deutschen und Juden aus Gründen der Selbstbehauptung die gesellschaftliche Aechtung der Juden erfordere. Ich will hier nicht auf die undeutsche Angst, die hier ein Vertreter einer Majorität von 99% gegen einen einprozentigen Bestandteil der übrigen Bevölkerung äußert, Hinweisen. Der Versolgungswahnsinn deutscher Antisemiten mit seiner Illustrierung des gerade von ihnen gern für sich in Anspruch genommenen Bismarckischen Wortes: „Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt", ist ja in seiner grotesken Komik bekannt genug. Aber wie viel Weltfremdheit gehört hazu, von der „Unüberbrückbarst" deutschen und jüdischen Wesens zu sprechen, wo eine vieltausendfache tägliche Erfahrung von herzlicher Freundschaft und innigstem Verstehen zwischen Juden und Christen spricht, wo berufliche Kollegialität, Parallelität von Weltanschauungen und Sympathien jeder Art zwischen beiden „Unüberbrückbaren" tatsächlich vorhanden sind, indes es andererseits ein Unding ist, von einer einheitlichen, nichtjüdischen Weltauffaffung zu reden, und es tausendfache, abgrundtiefe verschiedene Varietäten innerhalb christlicher, oder wenn man will, arischer Charakterbildungen gibt. Es ist nichts weiter als eine billige Phrase, dieses Reden von der Zweiteilung in jüdisches und germanisches Wesen, als vb wirklich gerade diese nur künstlich erdachten Gegensätze Deutschland zerteilten und die Tren-

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