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KC-Blätter · 1913-11-01 · Heft 2 (1.11.1913) · p. Seite 26

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 2 (1.11.1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 26 (sequence 6)
Language
German
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26 Dieser Regierungsbezirk Jerusalem umsaßt rund die Hälfte der Bevölkerung des ganzen Landes, etwa 350000 Einwohner, mit vier Kadas, Kreisen: Hebron, Gaza, Jaffa und Jerusalem. — Ich kann unmöglich in diesem engen Rahmen noch die Justiz- und Finanzverwaltung des Landes schildern. Kurz berühren möchte ich nur noch die Militär- und Konsulatsverhältnisse. Militärisch gehört Palästina zum Bezirk des fünften Armeekorps, welches in zwei Divisionen geteilt ist, von denen das Kommando der einen in Damaskus, das der anderen in Beirut liegt. Leider habe ich die Zahl der ottomanischen Soldaten in Palästina, die mich besonders interessierte, nicht ermitteln können. Die Garnisonen verteilen sich über das ganze Land. Zahlreiche kleine Garnisonen liegen besonders am Rande der Wüste im ostjordanischen Palästina, im Regierungsbezirk el Kerak, deffen gleichnamige Hauptstadt eine starke Festung ist, gewissermaßen die Grenzfestung zum Schutze gegen die Angriffe anarchistischer Beduinenstämme. In Jerusalem liegt ein Bataillon Infanterie, und zwar soll die Infanterie-Kaserne, die sich im Nordosten der Stadt, in der Nordwestecke des sogenannten Haram, des heiligen Moschee-Bezirks, befindet, auf derselben Stelle stehen, wo das Prätorium des Pontius Pilatus stand. Außerdem ist noch eine Kavallerie-Kaserne in Jerusalem, in der nur leider einiges fehlt, was nach unseren militärischen Anschauungen zu einerKavallerie-Kaserne gehört — nämlich sowohl die Pferde als auch die Soldaten. Die Konsulatsorganisation der europäischen Staaten ist eine sehr vielfältig verzweigte, entstirechend den relativ, d.h. im Verhältnis zur Kleinheit des Landes, zahlreichen und mannigfaltigen Jntereffenverbindungen des Landes mit Europa. So hat z. B. sogar Belgien ein Konsulat in Beirut und ein Bizekonsulat in Haifa; Deutschland hat je ein Vizekonsulat in den Häsen Jaffa und Haifa, ein Konsulat in Damaskus, also zugleich für das ostjordanische Palästina, und ein Konsulat in Jerusalem. Alle deutschen Vizekonsulate und Konsulate unterstehen dem Generalkonsulat in Beirut. Im Hause des Generalkonsulats zu Beirut stand die Wiege unseres edlen vaterländischen Dichters Wildenbruch, dessen Vater, der Sohn des Prinzen Louis Ferdinand, dort preußischer Generalkonsul war. Und vielleicht ließe sich bei einer literarhistorischen Analyse Nachweisen, daß die streng disziplinierte und edel gezügelte und doch andererseits so reiche und blühende Phantasie des Dichters zu erklären sei aus einer glücklichen Verbindung seiner preußischen Hohenzollernnatur und den seine Seele mächtig berührenden und seinen Geist stark befruchtenden Anregungen und Eindrücken, die er in seinen Kindheitsjahren am Eingangstore des heiligen Landes empfing! (Schluß folgt.) * * -i- Das waidhofener Prinzip und der v. V. $1. Bon Dr. iur. Ernst Hochschild (Frib.Ghib)., Colmar i. E. Das fanatische Prinzip, das am 7. März 1896 österreichische „wehrhafte Studentenvereine" von schönerianischer Färbung in dem sonst so freundlichen Städtchen Waid Hofen an der Ibbs beschlossen hatten und durch das sämtliche Juden der „Ehre völlig bar" und daher satisfaktionsunfähig bezeichnet wurden, hat in diesem Sommer 1913 wieder besondere Wirkungen ausgelöst. Am 17. und 19. Mai war die Wiener Universität der Schauplatz unendlich trauriger Vorgänge. Die „jüdisch-nationale" Studentenschaft, der von den „Waidhofener" Genugtuung mit der blanken Waffe verweigert war, hatte mit Fug und Recht von ihrem EhrennotwehrrechtGebrauch gemachtund sich von den Ehrabschneidern mit der Faust Genugtuung geholt. Darauf kam die Saatfrucht der antisemitischen Verhetzung rein zum Ausbruch, und der ,^>olzkomment" verschuf den Wiener Bürgern im Zentrum ihrer Stadt häßliche Gelegenheiten, die blutigen Prügeleien zwischen deutsch- und jüdischnationalen Musensöhnen zu beobachten. DerSkandal beherrschte noch wochenlang die aufgeregten Gemüter und zitterte so anhaltend nach, daß vom 21. bis 23. Juni sogar sämtliche Universitäts- Vorlesungen sistiert werden mußten, indes der akademische Senat, der eine laue Stellung einnahm und das „Waidhofener Prinzip" nur theoretisch, aber nicht praktisch verurteilte, von allen Parteien heftig angegriffen wurde. Wir sind darüber und über die Stimmung der übrigen Studentenschaft Wiens durch einen trefflichen Aufsatz von Karl Löwenstein schon in diesen Blättern*) unterrichtet worden. Innerhalb der „schwarz-weiß-roten" Grenzpsähle, wo selbst radauantisemittsche Kreise bisher noch nicht das „Waidhofener Prinzip" zum offiziellen Ausdruck ihrer Gesinnung erklärten und die „nattonalsten" Studentenveroände es bisher unsympattsch fanden, hat nunmehr das Prinzip vom „Kyffhäuserverband" eine merkwürdige Billigung erhalten, von der wir Nottz nehmen müssen. Die Billigung hat deshalb etwas besonders Auffallendesweil die österreichischen, bisher doch wilder gewesenen Gesinnunasbrüder des V. D. St. in diesem Sommer von dem Prinzip etwas abrücken wollten. Es wird nämlich berichtet „daß ein Versuch, das Waidhofener Prinzip mit neuem *) 3. Jahrgang, S. 317/218.

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