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KC-Blätter · 1913-11-01 · Heft 2 (1.11.1913) · p. Seite 24

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 2 (1.11.1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 24 (sequence 4)
Language
German
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24 Thüringen, aber naturgemäß mit einer viel stärker markierten Gebirgslage, da es nur 87 Km vom Meere entfernt ist. — Außer Jerusalem seien noch drei Seestädte und drei Binnenstädte kurz charakterisiert. Jaffa, das alteJoppe, die stark aufblühende Hafenstadt Jerusalems, überhaupt die größte Hafenstadt des Landes, mit Jerusalem verbunden durch eine 87 Km lange, leider recht langsame Eisenbahn (man braucht für diese 87 Km in beiden Richtungen, von Jaffa nach Jerusalem bergauf wie von Jerusalem nach Jaffa, bergab, fast 4 Stunden). Die Entwicklung Jaffas seit der Jahrhundertwende, die hier nicht geschildert werden kann, zeigt wie in einem Brennpunkt den Aufschwung, den ganz Palästina im letzten halben Menschenalter genommen hat, vor allem auch in der Bevölkerüngszunahme. Denn diese Stadt, die heute 50000, nach anderen Schätzungen schon 60000Einwohner zählt (darunter etwa 30000 Mohammedaner und je 10—15000 Juden und Christen) hatte vor etwa 15 Jahren nicht mehr als 20000! Im Süden von Jaffa Gaza (heute arabisch: Razze), die uralte Philisterstadt, mit deren Stadttor bekanntlich Simson die prächtige Turnübung des Aushebens und Forttragens vornahm (von der uns das Buch der Richter 16,3 erzählt), etwa 40000 Einwohner zählend, in der Nähe des Meeres gelegen (etwa so wie Brügge oder Rostock), aber infolge der Versandung der Küste kein eigentlicher Hafenplatz im handäspolitischen Sinne mehr, wohl dagegen Hauptmarktplatz für die oben erwähnten BÜminenstämrne Süd-Palästinas, die hier.gewissermaßen ihr Prooiantmagazin haben. Im Norden Haifa, am alten Eliasberge, dem Berge Karmel gelegen, die stark aufblühende zweitgrößte Hafenstadt des Landes, vor 20 Jahren' nur etwa 6000 Einwohner zählend, heute mehr als 20000, davon 10000 Mohammedaner, 10000 Juden und eine europäische Kolonie von etwa 900 Köpfen, wovon zwei Drittel, etwa 600 Deutsche sind, und von diesen die Hälfte, 300, zu der bereits erwähnten, aus Schwaben eingewanderten chiliastischen „Tempel"genoffenschast gehörig. Bon den Binnenstädten seien genannt das uralte Hebron im Süden von Jerusalem (heute: el Chalil), eine der ältesten historischen Residenzstädte der Erde, als erste Residenzstadt König Davids vorseiner Uebersiedelung nach Jerusalem, ferner als Residenzstadt Abrahams, des „Fürsten Gottes", wie ihn die Bibel nennt, der hier in der Nähe im Hain Mamreh sein Zelt- Palais hatte, und drittens nach altjüdischer Sage die „Residenzstadt" Adams, der in dieser Gegend erschaffen sein, gelebt haben und begraben worden sein soll - eine Sage, deren theologischer Kern die an sich durchaus ernst zu nehmende Hypothese ist, daß das Paradies in Palästina lag. Heute hat Hebron etwa 20000 Einwohner, davon etwa 2000 Juden. Etwa gerade so weit nördlich von Jerusalem wie Hebron südlich liegt Nabulus, das alte biblische Sichern, ebenfalls eine alte, allerdings im Vergleich zu Hebron weniger ehrwürdige Residenzstadt, indem es nach der Teilung des Reiches nach Salomos Tode unter Jerobeam und seinem Nachfolger etwa ein halbes Jahrhundert Hauptstadt des Nordreichs, des Zchnstämmereichs war. Heute hatNabulus-Sichem etwa30000 Einwohner, darunter gar keine Juden. Dann noch im Norden, fast genau östlich von Haifa, in der Mitte zwischen dieser Stadt und dem See Tiberias-Genezareth liegend — Nazareth (arabisch: „en Nasira"), heute ebenfalls eine rasch aufblühende Stadt, von etwa 6000 Einwohnern vor 20Jahren auf 16000 gewachsen, darunter ein Drittel Mohammedaner, ein Drittel griechisch-orthodoxe Christen, ein Drittel Christen anderer Konfessionen und gar keine Juden. — Genannt seien noch von den Städten: Bethlehem mit etwa 12000 und im Norden am See Genezareth Liberias mit etwa 8000 Einwohnern, darunter 7000 Juden, also die relativ jüdischste Stadt Palästinas. (2.) Nach der Schilderung der wichtigsten Städte auf die einzelnen palästinensischenDörfer zu gehen, würde selbstredend hier zu weit führen, übrigens auch nicht sehr interessant sein. Die Dorfbewohner, Fellachen, stehen aus einer sehr niedrigen Kulturstufe, körperlich und geistig. Eine Ausnahme machen nur zwei Gruppen von Dörfern, die kurz erwähnt werden müssen: die deutschen Dorf-Kolonien und die jüdischen Dorf-Kolonien. u) Die deutschen Dorf-Kolonien des „Tempels" oder der „Jerusalemfreunde". Im Jahre 1860 wurde in Württemberg von Christian Hoffmann eine Religionsbewegung eingeleitet, die von dem Gedanken ausging, daß die herrschenden Kirchen ein wahrhaft christliches Leben nicht zuließen, dieses vielmehr nach den Weissagungen der alttestamentlichen Profetie zu gestalten und demnach das „Reich Gottes", wie es Jesus gepredigt, zunächst im heiligen Lande selbst aufzubauen sei, um dann von dort aus rückwirkend die Kirchen und die Gesellschaft Europas zu regenerieren. Diese überaus sympathischen Schwärmer, die man etwas paradox als „kirchliche Zionisten" charakterisieren könnte, organisierten sich als freie Religionsgenoffenschaft des „Tempels" oder der „Jerusalernfreunde". Und sie suchten auch ihr Ideal bald in die Tat umzusetzen. Sie begannen zunächst im Jahre 1868 auf Anregung eines ihrer Führer, Hardegg, der allmählich der Leiter der ganzen Kolonisationsbewegung wurde, mit Gründung je einer städtischen Kolonie in Jaffa und Haifa, denen dann bald einige Dorf-Kolonien folgten, die ebenso

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