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KC-Blätter · 1913-11-01 · Heft 2 (1.11.1913) · p. Seite 23

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 2 (1.11.1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
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23 leit dem 19. Jahrhundert aus ganz Rußland und Rumänien, also von Norden kamen; drittens eine Gruppe, die von Osten kam und kommt, nämlich die Juden aus Bochara (bem russischen Schutzstaat östlich vom Kaspischen Meer), die säst alle aus Frömmigkeit ihr Land verließen und ins heilige Land zurückwanderten, um ihr Leben im Lande der Väter zu beschließen, und dann durch ihre mitgesührten Familien eine neue jüdische Kolonie in Jerusalem gründeten, die im Westen der Stadt sich befindet und großen Wohlstand zeigt. Das Gegenstück zu ihnen bildet, die vierte Gruppe, die aus Süden kam — die jemenitischen Juden, aus Jemen in Arabien, die gewissermaßen das jüdische Proletariat in Jerusalem darstellen, als Lastträger, Straßenarbeiter und ähnlich ihr Brot durch körperliche Arbeit verdienen. (2.) Die Syrer, d. h. alle Nachkommen der vorislamitischen Bevölkerung, die aus den verschiedenen Elementen der nicht-jüdischen Völkergruppen sich zusammensetzt, die vor der Eroberung des byzantinischen Syriens durch die Araber in der Mitte des 7. Jahrhunderts im Lande lebten, und im Norden Palästinas stärker vertreten ist, als im Süden. (3.) Die Araber, welche die starke Majorität, etwa Zweidrittel der Bevölkerung, also etwa eine halbe Million, zählen dürften. Sie zerfallen in zwei Gruppen, eine größere der sogenannten seßhaften Leute („hadari") und in Beduinen („bedawi"). Die seßhaften Araber in den Dörfern haben sich vielfach mit der älteren syrischen Bevölkerung vermischt, so daß hier eine scharfe Scheidung der Nationalitäten nicht mehr möglich ist. Die Beduinen besitzen große Herden von Schafen und Kameelen und führen ein echtes Nomadenleben in Zelten. Sie zerfallen in zwei Lager, von denen das eine aus Stänunen besteht, die in Palästina bleiben, besonders in Moab, im ostjordanischen Lande, östlich vom Toten Meer, also sozusagen ihren Wanderbczirk auf Palästina begrenzt haben, während das andere Lager, die sogenannten „Aeneze", die in vier Stämmen etwa 3Ö000 Köpfe zählen, im Winter nach Jnnerarabien zurückwandern und im Sommer (wie die Zugvögel bei uns) zurückkehren. (4.) Die Türken, die bekanntlich nicht zur semitischen Völkersamilie, überhaupt nicht zur kaukasischen Rasse, sondern (ebenso wie die Magyaren in Ungarn) zur mongolischen gehören und im Mittelalter nach Westen kamen, sind nur in geringer Zahl vertreten. Zum türkischen Stamm, der sich als das Herrenvolk, als das Eroberervolk fühlt (ähnlich wie bis zum Herbst 1911 die Mandschu in China, und die Römer zur Zeit der römischen Weltherrschaft in den römischen Provinzen), gehören vor allem die Beamten, Offiziere und Soldaten in den Städten. Außerdem noch einige kleine nomadisierende turkmenische Stämme, die ähnlich wie die eben geschilderten arabischen Beduinenstämme in den Gebirgen leben. (5.) Die fünfte Bevölkerungsgruppe sind die sogenannten Franken, unter welchem Namen alle nicht-jüdischen Europäer zusammengefaßt werden. Sie sind nicht zahlreich (nur etwa 10000 im ganzen), aber sehr einflußreich als Träger europäischer Kultur- und Machtmittel. Von besonderer Bedeutung sind die überaus interessanten Kolonien der aus Schwaben stammenden deutschen Templer, auf die ich noch später zurückkommen werde. 2. Die soziale Gliederung der Bevölkerung, die sich mangels einer Gliederung in Kasten und Stände, wie sie in China und Indien besteht, im wesentlichen beschränkt auf den Gegensatz von Stadt- und Landbevölkerung, auf die Unterscheidung zwischen Städten und Dörfern bezw. dorfähnlichcn Ansiedelungen und ihren Bewohnern. (1.) Die Städte. Mehr als die Hälfte der ganzen Bevölkerung von 700000 wohnt in Orten von über 5000 Einwohnern, muß also (nach palästinensischem statistischem Maßstabe gemesien) als „städtisch" bezeichnet werden. — Vor allen ist hier zu nennen Jerusalem, die heilige Stadt beider biblischer Religionenauch von den Mohammedanern fälschlich als die heilige Stadt beansprucht und daher auch benannt — el kudsch, die Heilige. (Kudsch — das hebräische kodausch — heilig.) Ich kann hier keine detaillierte Beschreibung des heutigen Jerusalem« gebendas würde einen besonderen Aussatz erfordern.Jch muß mich leider hier streng systematisch aus einige bevölkerungsstatistische Angaben beschränken. Die Bevölkerung beträgt etwa 90000 Köpfe, darunter 60000 Juden, von denen etwa 45000 auf die im letzten halben Jahrhundert eingewanderten Aschkenasim (30000) und Sephardim (15000) bezw. deren Nachkommen entfallen, und nur etwa 15000 eingeborene Juden sind, das heißt der seit dem 16. Jahrhundert eingesessenen Bevölkerung entstammenca. 16000 Mohammedaner und etwa 15000 Christen der verschiedenen Konfessionen, auf die ich im dritten Teil noch zurückkomme. Nahezu die Hälfte der Einwohner lebt jetzt in den Vorstädten (man könnte auch sagen Jerusalem-Neustadt"), welche sich außerhalb der alten, 4 km langen Ringmauer in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben und von denen die Jaffa-Borstadt im Westen (also „Jerusalem W.") die kultivierteste und meist europäisierte ist, da sich die Konsulate und die meisten Kirchen, Klöster, Hospize, Wohltätigkeitsanftalten u. ä. hier befinden. Erwähnt sei noch, daß Jerusalem fast 800 Meter über dem Meeresspiegel liegt, also etwa so hoch wie Lauterbrunnen im Berner Oberland oder Oberhof in

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