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KC-Blätter · 1913-11-01 · Heft 2 (1.11.1913) · p. Seite 22

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 2 (1.11.1913)
Date
1913-11-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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qerade in Palästina besonders interessante Punkte völlig ausschalten muß.. Palästina, als das historische Land der Juden, reichte, wenn wir die größte Ausdehnung, die es zur Zeit des Königs Salomo hatte, als Maß anlegen, in der Länge vorn Hermvn-Gebirge im Norden sin der Nähe von Damaskus) bis zum Südende des Toten Meeres, etwa 250 km; in der Breite inr Norden von der Küste bis zum Hermon, etwa 70 km; im Süden von der Küste bis zur Grenze auf der Ostseite des Toten Meeres im Lande der Moabiter etwa 140 km, also etwa doppelt so breit; es hatte einen Flächenraum von etwa 25—M0M Quadrat-Kilometer, war also, rund gerechnet, gerade so groß wie unsere heutige schöne Rheinprovinz mit ihren 27 OM Quadrat-Kilometern. Durchflossen wurde und wird es in seiner ganzen Länge vom Jordan, der am Hermon entspringt, zwei Seen durchläuft: den Merom-See und den See Genezareth, und dann in das Tote Meer einmündet. Das Tote Meer, das Salzmeer der Bibel, etwa 9M Quadrat- Kilometer groß, also etwa doppelt so groß wie unser Bodensee, liegt 4M Meter mit der Oberfläche unter dem Meeresspiegel, ist hiernach die tiefste Stelle der festen Erdkruste und ist auch sonst einer der interessantesten Binnenseen der Erde. Es kann aber hier, nicht genauer geschildert werden; ebenso kann der überaus interessante historischgeologische Zusammenhang des heutigen Seeaebietes mit dem einstmaligen Stadtgebiet der hier versunkenen Städte Sodom und Gemorrha nur kurz erwähnt werden. Bemerkt sei noch, daß in alter Zeit infolge des starken Gehaltes an Erdschwefel und Asphalt eine Reihe von zum Teil luxuriösen Heilbädern an den Ufern waren, die hoffentlich im 20. Jahrhundert Wiedererstehen werden, wie auch schon heute am Liberias- oder Genezareth-See Badeplätze ausblühen; ferner: daß das Salzwasser des Toten Meeres so schwer ist, daß die Boote auch von nur leichten Wellen wie von schwerflüssigen Metallmassen geschlagen werden; und daß der Mensch auf diesem schweren Salzwasser immer oben schwimmt wie Oel auf Wasser, man also seltsamerweise gerade im „toten" Meer nicht untergehen kann! Westlich vom Toten Meer liegt das Gebirge Juda, von ihm getrennt durch die kleine öde Wüste Juda; westlich vom Jordan und seinem tiefgelegenen Flußgebiet, dem sogenannten Ghor, zieht sich dann nach Norden das Gebirge Ephraim hin bis zum berühmten Berge Karmel, dem Eliasberge bei Haifa; östlich des Jordans liegt das Gebirge Gilead, welches an seinem Ostabhange sich allmählich verflacht und in die Wüste Nordarabiens übergeht. Damit ist sozusagen der Körper des Landes und sein Gerippe und Geäder in ganz groben Zügen gezeichnet, mit denen ich mich hier begnügen mutz. I. Die politisch-soziale Geographie. „The proper study of mankiud is mau“, sagt der Engländer Pope. Und Goethe wiederholt dieses Wort sin Ottiliens Tagebuch in den Wahlverwandtschaften): „Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch." Dies gilt in der Tat für alle Wissenschaften, direkt oder indirekt! Und so auch für die Spezialgeographie von Palästina! Die Menschen von Palästina sind in diesem ersten Teile in dreifacher Beziehung Gegenstand der Betrachtung: erstens ihre nationale Differenzierung, zweitens ihre soziale Gliederung, und drittens ihre politisch-administrative Organisation. 1. Die Nationalitäten Palästinas. Fünf Völkergruppen, richtiger: Völkerarten, lassen sich in der Bevölkerung von Palästina, die heute insgesamt etwa 700 M0 Köpfe zählen dürste, unterscheiden. Von ihnen gehören ethnographisch drei der semitischen Raffe an: Juden, .'Syrer und Araber. (1.) Die Juden in Palästina zählen heute etwa 80000 Köpfe. Es muß hier die vielleicht beispiellose Tatsache festgestellt werden, daß das alte Land eines Volkes längere Zeit hindurch gänzlich leer von diesem Volke, im übrigen aber gut bevölkert war! Jahrhunderte lang gab es im Mittelalter überhaupt keine Juden in Palästina! Denn nachdem das alte palästinensische Judentum schon in byzantinischer und arabischer Zeit stark zusammengeschmolzen war, verschwand es in der Zeit der Kreuzzüge völlig. Das christliche Königreich Jerusalem, rvelches im 12. Jahrhundert drei Menschenalter hindurch bestand (von Balduin I., dem Bruder Gottfrieds von Bouillon, 1100 bis zur Eroberung Jerusalems durch Saladin 1187) war schon bald nach seiner Gründung völlig „judenfrei" gemacht worden! Und erst' nach fast vier Jahrhunderten begann Palästina sich wieder mit Juden zu bevölkern, vor allem nach der spanischen Judenaustreibung 1492. Die heutigen Juden Palästinas sind ausnahmslos entwederNachkommen vonEinwanderern dieser späteren Zeit oder der allerneuesten Zeit. Sie scheiden sich in vier Gruppen, die aus den vier verschiedenen Himmelsrichtungen in den letzten Jahrhunderten wieder eingewandert sind: die Sephardim, die kleinste, aber älteste von den vier Gruppen, die seit dem 16. Jahrhundert aus Spanien und Portugal, also von Westen zugewandert ist; die Aschkenasim, die seit dem 17. Jahrhundert aus Osteuropa, vor allem dem damaligen Polen (dem heutigen westlichen und üdlichen Rußland), und dann in stärkeren Zügen

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