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KC-Blätter · 1913-10-01 · Heft 1 (1.10.1913) · p. Seite 17

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 1 (1.10.1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 bei soll die Gesamtnote in Verbindung mit den Zeugnissen über den Vorbereitungsdienst den Vorrang geben. 0r. Ernst Hecht (Lieariae), Metz. Französische Universitätsstatistik. Die Zahl der Studenten, die gegenwärtig an den 14 Universitäten Frankreichs studieren, beträgt insgesamt 41109. Vor zwei Jahren, 1911, zählte man 41190 Studenten, so datz man also sagen kann, datz die Zahl der Studenten wie die der ganzen Bevölkerung stationär bleibt. Männliche Studierende gibt es gegenwärtig 37053die weiblichen Studierenden machen etwa V» der Gesamtzahl, 4506, aus, während die Zahl der Ausländer 5560 beträgt. In den einzelnen Fakultäten stehen immer die Juristen mit der grötzten Zahl der Hörer an der Spitze, 16763dann folgen die Mediziner mrt 9744die naturwissenschaftlichen Fakultäten zeigen einen merklichen Aufstieg, 6639 Studierende, 543 mehr als vor zwei Jahren, während die schönwiffenschastlichen Fakultäten fast ebensoviel Hörer verloren und heute 6398 zählen. Die Ausländer bevorzugen die naturwisienschaftlichen Fakultäten, die ausländischen Studentinnen die schönwisienschaftlichen. Von den französischen Studentinnen gilt dasselbeautzer der schönwisienschaftlichen Fakultät hat nur noch die medizinische eine grötzere Zahl von weiblichen Hörern. B. I. C. und Zentraloerein. Auf der letzten Hauptversammlung hatte der Zentralverein eine Resolution gefaßt, in der es heitzt: „Soweit der deutsche Zionist danach strebt, den entrechteten Juden des Ostens eine gesicherte Heimstätte zu schaffen oder den Stolz des Inden auf seine Geschichte und seine Religion zu heben, ist er uns als Mitglied willkommen. Von dem Zionisten aber, der ein deutsches Nativnalgefühl leugnet, sich als Gast im fremden Wirtsvolk und national nur als ude fühlt, von dem müsien wir uns trennen." lese Resolutton veranlatzte den B I. C, auf seinem letzten Verbandstag folgenden Beschlutz zu fasien: „Die Zugehörigkeit zum B. I. C. schlietzt die Zugehörigkeit zum Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens aus." Dieser Beschlutz wird weiteren Kreisen zur Aufklärung über die Bestrebungen des B.J.C. dienen. _ □öD Bücher- und Blstterschau. I. L. Perez, Volkstümliche Erzählungen. Berlin «Jüdischer Verlag). In der Nacht erwache ich. Rauschendes Brausen des Wildbachs dringt durch die Öffnung des Fensters und trifft mein Ohr. Auch im Glanz des Lichts haben diese Töne gelebt. Aber da wollten sie sich scheu verbergen, und das wirre Treiben des Tages lietz sie schier verklingen. Jetzt höre ich sie deutlich in all ihrer geheimnisvoll-tiefen Kraft. Jetzt, da das Licht in seine Schlupfwinkel sich verkrochen hat, da das sehende Auge, der Lenker und Führer des Menschen am Tage, nichts zu scheiden vermag. Rauschendes Brausen des Wildbachs im Dunkel der Nacht. Jst's nicht ein Bild und ein Gleichnis dem Seelenleben des Juden? Im lichten Leben des Tages suchte auch er mit aller Kraft spürenden Verstandes seinen Weg, die Bahn des Lebens. Wie scharf hat er mit durchdringendem Blick gespäht, um den Pfad zu finden, den schmalen Steg, den die anderen ihm lietzen! Der Jude darum Mensch des reinen Verstandes, Intellektualist. So wenigstens heißen sie ihn. Aber wenn es geschah, datz sie den Juden ganz vom Lichte des Lebens und der Tage verdrängt, wenn die Nacht der Abgeschiedenheit ihn umfing, dann verspürte er mit machtvoller Stärke ein Rauschen in seiner Seele. Geheimnisie tiefen Fühlens, sonst still verborgen, riffen sich los. Hatte der grübelnde Kopf Probleme der Gedankenwelt erfaßt und scharfsinnig zu lösen gesucht, dann wallte jetzt der Blutstrom des Herzens auf. War der Jude auch tief hingegeben grübelndem Forschen, da er sich hineinbohrte in die verschlungenen Pfade des Talmuds und seiner Gesetze, in der Nacht der Not drängten sich geheimnisvolle Legenden und glaubensstarke Sagen hervor, aus dem Urgrund der Dinge emporquellend, den Weg sich bahnend durch die Gefilde des Seins. Wer kennt den Juden? Wer ahnt da draußen, wie ein Born der Märchen und Fabeln durch das Leben des Juden fließt? Nein, nicht ein Born nur. Wer bei nns im Westen, auch unter uns Juden, weiß vom „großen Strom" der Haggadah, der auch das trockene Land des Talmud in hellglitzernden Flußbändern durchzieht, so schon seit alten Zeiten den Geist des Juden mit gemütsinnigen Geschichten erfüllend. Der Strom ist nie ganz versiegt. Aber bei den Juden des Ostens ist er wieder gewalttg erstarkt. Mächttg brauste es wiederum in den tiefen Gründen der Seele des Ostjuden auf, als die Finsternis des Elends ihn ganz umsponnen und dem Licht der Freiheit so ganz entrückt hatte. Der in der Nacht der Not einsam lauschende Smn der Chassidim hörte aus dem Abgrund der Wellgeheimnisse Wundergeschichten emporrauschen. Wir Juden des Westens wußten nichts von diesen seinen Dingen. Und die etwas vernahmen, fatzten sie kaum mit fühlendem Verstehen. Uns umfing, grell leuchtend, wirres und verwirrendes Getriebe einer neuen Zeit. Viele sind endlich auch in dieser Zeit des Hastens mrer eilenden Unruhe müde geworden. Sie suchen die Ruhe. Wir Juden des Westens sollten zu diesen „Müden" gehören, deren Seele in der Sttlle wacht. Wir sollten dankbar nach den köstlichen Büchern greifen, die diese Töne aus der Welt der Chassidim an das aufhorchende Ohr des deutschen Juden klingen laffen. Wieder ist ein grüßender Bote von dort gekommen. I. L. Perez, der Meister der „Jüdischen Sprache"hat Volkstümliche Erzählungen ausjenem Kreise gesammelt. Und Mathias Acher hat ihrer eine Zahl zu einem Bändchen vereint, sie in ein schönes, sinnfälliges Deuffch übertragen. Wer die feineren Regungen der Judenseele erkennen, wer den Geist des OsHuden erfasien, wer dem Herzschlag der Chassidim lauschen, wer dem zarten Weben, der reinen Keuschheit jüdischer Mystik sich hingeben will, greife zu diesem Büchlein, datz es ihn dann hinüberführe zur hegende des Baalschem" und zu den „Geschichten des Rabbi Nachman", den tiefgreifenden Chassidim-Büchern, die uns Martin Buber geschenkt hat. Dort tönt es wie rauschendes Brausen des Wildbachs im Dunkel der Nacht. Arnold Lazarus, Frankfurt a. M., z.Z. Wildbad. Rehabilitiert! Roman von Josef Buchhorn. Verlag Richard Taendler, Berlin W. 50. Preis geh. 3 ML Was das Buch für unsere Kreise beachtenswert macht, ist zweierlei. Nachahmenswert ist die Anhänglichkeit an das alte Studentennest Bonn und die Liebe zur Verbindung, die wie eine kleine Flamme unverlöschbar weiterlodert, die auch unter dem Schutt und der Asche nicht verglimmt ist, die neidende „Freunds und „Bundesbrüder" darauf geworfen haben. Die Probe auf die Kraft und Dauerhafttgkeit der Bundestreue, das ist das Zweite. Sie fällt aber nicht nachahmenswert aus.

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