KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 1 (1.10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 einige Jahre in einem Maße zuströmt, daß ein weiteres Steigen kaum errvünscht sein dürfte. Die medizinischen Fakultäten zählen heute 14750 Studierende, gegen 13409 im Vorjahre und erst 8282 vor fünf Jahren. Die nächstgrößte absolute Zunahme weisen die Kameralisten und Landwirte auf, die gegenüber dem Vorjahre ihre Zahl von 2907 auf 3405 erhöhten) die Mathematiker und Naturwissenschaftler stiegen von 8209 auf 8346, die katholischen Theologen von 1867 auf 1965, die Veterinärmediziner (nur in Gießen) von 172 auf 213 und die Forstwirte (nur in München, Tübingen und Gießen) von 181 auf 190. Zurückgegangen, wie schon in den letzten Semestern, sind (infolge der Erhöhung der Anforderungen an Vorbildung und Studienzeit durch die neue Prüfungsordnung) die Zahnärzte, nämlich von 789 auf 655, ferner die Juristen von 11087 auf 10 396 und endlich, zufolge der Ueberfüllung nach jahrelangem Aufschwung, die Studierenden des höheren Lehramtes philologischer Richtung von 16644 auf 15471. Wie die einzelne Universität besucht ist und in rvelchem Maße die Jahreszunahme den einzelnen Anstalten zugeflossen ist, zeigt nachstehendeZusammenstellung: An der Spitze steht die Hochschule der Reichshauptstadt mit 8383 Studierenden (gegenüber 8200 im Vorjahre), München zählt 6655 (6855), Leipzig 5171 (5038), Bonn 4460 (4426>, Freiburg 3163 (3301), Göttingen 2853 (2724), Breslau 2790 (2690), Halle 2765 (2879), Heidelberg 2617 (2624), Münster 2209 (2149), Marburg 2406 (2302), Tübingen 2234 (2048V Kiel 2266 (2314), Straßburg 2037 (2074), Jena 2060 (1943>, Königsberg 1646 <1608,, Würzburg 1456 (1447), Greifswald 1443 (1400), Gießen 1436 (1350), Erlangen 1291 (1213» und Rostock 1065 (975). Im Vergleich mit dem Vorjahre haben abgenommen Halle,, Kiel, München, Straßburg und die beiden badrschen Universitäten. Die stärkste Zunahme haben Tübingen, Berlin, Leipzig, Göttingen und Breslau. Eine Sonderausstellung „Der Student" soll in Verbindung mit der großen Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik 1914 in Leipzig stattfinden. Zur Vorbereitung dieser Ausstellung, die zum ersten Male ein umfassendes Kulturbild des studentischen Lebens aller Völker und Zeiten bieten wird, hat sich unter dem Vorsitz des Leipziger Universitätsprofessors Brandenburg ein geschäftsführender Arbeitsausschuß mit dem Sitz in Leipzig gebildet. Weitere Arbeitsausschüße unter der Leitung bekannter und studentisch interessierter Akademiker sind an sämtlichen Universitäten errichtet. Die Ausstellung wird über die Grenzen der Entwicklung des deutschen Studentenlebens, das im Mittelpunkt der Veranstaltung steht, binausgreifend sowohl die ältere Geschichte des außerdeutschen, abendländischen akademischen Lebens bis auf die Jetztzeit verfolgen, als auch das moderne Studentenleben, wie es sich z. B. in den Vereinigten Staaten von Amerika, in Japan usw. entfaltet hat, zur Darstellung bringen. Diese Sonderausstellung, der auf der Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik ein besonderes akademisches Viertel eingeräumt wird, wird in eine geschichtliche Abteilung, für die vor allem auf die verständnisvolle Unterstützung aller akademischen Kreise, der Universitäten und ihrer Lehrkörper, der Museum- und Bibliothekverwaltungen gerechnet wird, und eine Jndustrieabteilung zerfallen. Als Ergänzung zu dem historischen Kern der Ausstellung sollen einige in der unmittelbaren Nähe der Ausstellungshalle gelegene, durch geschloffene Parkanlagen mit ihr verbundene weitere Gebäude dienen, von denen eins ein modernes Studentenhaus, das andere ein Dorfwirtshaus (Exkneipe) darstellt. Das vollkommen künstlerisch eingerichtete Studentenhaus mit Kneipsaal, Wohn- und Versammlungsräumen wird den größten Teil der Jndustrieabteilung aufnehmen. Ein Sportplatz wird Gelegenheit zur Darstellung turnerischer und sportlicher Bestrebungen, die in den letzten Jahren in unserer Studentenschaft erfreulicherweise immer mehr Jntereffe gewinnen, bieten. Auf diese Weise soll ein fesselndes Kulturbild unseres gesamten Studentenlebens gegeben werden. Das Studium auf ftanzösischen Hochschulen. Eine Versammlung der Direktoren der höheren Lehranstalten der Provinz Sachsen in Halle beschloß, wie uns gedrahtet tvird, auf Anregung der städtischen Oberrealschule Halle einstimmig, die Schüler vor dem Besuch französischer Universitäten, insbesondere von Grenoble und Besan^on, zu warnen infolge der den allgemeinen Begriffen von Gastfreundschaft zuwiderlaufenden Behandlung der Deutschen in Frankreich, insbesondere der fortgesetzten groben Belästigungen der in Grenoble studierenden Deutschen durch Einwohner, Soldaten und die lokale Presse. Darmstadt. Die Studentenschaft der Technischen Hochschule Darmstadt hat einmütig beschloffen, zur Erinnerung an die Befreiungskriege einen akademischen Sportplatz zu schaffen, da, wie es in dem Beschluß heißt, „die Studenten nicht besser ihrer vaterländischen Gesinnung Ausdruck verleihen können, als wenn sie, statt sich bei geräuschvollen Festen zu vergnügen, ihren Körper durch sportliche Betätigung zum Dienst für das Vaterland stählen". Ein Grundstock für die Schaffung eines akademischen Sportplatzes ist bereits gezeichnet worden. Eine amtliche akademische Auskunftsstelle in Leipzig. Mit Beginn dieses Semesters ist die vom Senat der Universität Leipzig neubegründete „Amtliche akademische Auskunftsstelle" in ihren Räumen, Schillerstraße 7, Erdgeschoß rechts, eröffnet worden. Diese amtliche Stelle bietet in erster Linie allen denen, die die Universität Leipzig besuchen wollen, ferner auch deren Ettern und Angehörigen Gelegenheit, sich unentgelllich schriftlich oder mündlich Auskünfte erteilen zu lassen. Die Auskünfte können sich auf Zulassungswie Prüfungsbestimmungen aller Zweige des akademischen Studiums sowie auf dre allgemeinen Studienverhättnisse und sonstigen akademischen Einrichtungen erstrecken. Ferner werden Anfragen, die sich auf andere deutsche Hochschulen und ausländische Universitäten beziehen,entweder direkt beantwortet oder an die zuständige Stelle weitergeleitet. Alle Auskünfte werden grundsätzlich nur auf Grund amtlicher Materialien erteilt. Das dazu benötigte Material sowie eine Bibliothek von einschlägigen Hochschulschristen stehen den Besuchern der Auskunftsstelle im Lesezimmer ständig zur. freien Benutzung zur Verfügung. Schriftliche Anfragen, denen Rül^orto oder — aus dem Auslande—ein AntwoAschein beizufügen ist, müssen kurz und präzise gefaßt sein und alle Voraussetzungen, so zum Beispiel die Vorbildung bei Fragen nach Austiahmebedingungen, bestimmt angeben, damit sich Rückfragen erübrigen. Der studentische Verruf vor Gericht. Wiederholt sind in den letzten Jahren studentische Korporationen von den akademischen Behörden aufgelöst worden, weil sie einen Studenten oder, wie das kürzlich geschah, sogar einen Privatdozenten „in Verruf gesteckt" hatten, d. h. allen studentischen Verkehr mit dem Betreffenden abbrachen, weil dieser sich in Ehrenangelegenheiten inkorrekt verhielt oder sich dem Ehrengericht der Korporation nicht unterwerfen wollte. Eine Verrufserklärung hat natürlich für den davon Betroffenen mancherlei Unannehmlichkeiten, und die akademischen Behörden haben sich stets bemüht, den Verrufserklärungen ein Ende zu bereiten, da sie in diesen die Anmaßung einer unbefugten Gerichtsbarkeit erblicken.