KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 1 (1.10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 leiten und die Pläne der Regierenden durchzusetzen, wenn eben dieser Leitung die größten der Bewegung zur Verfügung stehenden Machtmittel, die Banönstitute mit ihren Geldern, entzogen sind. Es war aus dem Kongreß beantragt worden, der Leitung das volle Vertrauen auszusprechen und ihr gleichzeitig größeren Einfluß auf die Finanzinstitute einzuräumen. Diese Kombination hätte viele der Politischen gezwungen, um der Bank willen auch das Vertrauen der Leitung zu versagen. Es gelangte darum ein Antrag zur Annahme, der die Schwierigkeit vermied und die beiden Dinge von einander trennte. Das Vertrauensvotum konnte danach einstimmig zugebilligt werden. Ueber die Bankfrage wurde wohl diskutiert, aber keiner der sämtlichen Anträge, auch nicht der des Aktionskomitees, gelangte zur Annahme. Trotz der Stimmung auf dem Wiener Konresse wäre es falsch, was selbst einzelne unter en Zionisten getan haben, zu sagen, es sei der Zionismus jetzt eine reine Kolonisationsangelegenheit geworden. DasWortSyrkins, die zionistische Bewegung sei zu einer Kollektensammlung herabgedrückt worden, oder dasjenige Weizmanns, der ohne selbst diese Meinung zu teilen, davon spricht, es habe der Eindruck aufkommen können, der Zionismus sei aus eine Bankfrage zusammengeschrumpft, ist falsch. Gerade für die westeuropäischen Zionisten wäre ein derartiges Aufgeben ideologischer und nationaler Ziele um derentwillen sie der Fahne des Zionismus so begeistert gefolgt sind, vielfach gleichbedeutend mit der Aufgabe des Zionismus überhaupt. Für uns wäre die Verständigung mit einem Zionismus, der sich auf das kolonisatorische beschränkt, um vieles leichter als mit dem Gegenwärtigen, der schon um der Agitation willen das Nationaljüdische nicht wird entbehren können. Aber in der nationalen Frage beginnt sich doch allmählich eine Aenderung anzubahnen, und viel mehr als vom Nätionaljüdischen hat man auf diesem Kongreß vom Kulturellen gehört. Hier trat das Kulturelle, hebräische Element, ganz außerordentlich in den Vordergrund. DieFrage der hebräischen Kultur wurde mit einer Vehemenz behandelt, die auf keinem der früheren Kongreße annähernd erreicht worden ist und die „Welt" hat in ihrer Betrachtung über den Kongreß vollkommen recht, wenn sie sagt: „Noch nie halten wir einen Kongreß, der so palästinensisch und so hebräisch war, wie dieser." Das kam schon rein äußerlich zum Ausdruck in dem starken Vordringen der hebräischen Sprache auf dem Kongreß. Auf der hebräischen Weltkonserenz, die dem Kongreß voranging, konnte Motzkin den Antrag stellen, daß neu in das engere Aktionskomitee eintretende Mitglieder die hebräische Sprache beherrschen müßten. Daß in einem so gestimmten Milieu der Gedanke der Gründung einer Universität in Jerusalem begeistert ausgenommen wurde und auch zu einem positiven Beschluß führte, kann nicht wunder nehmen. Die Frage der jüdischen Universität in Palästina ist aber, das geben auch Zionisten unumwunden zu, so außerordentlich kompliziert und kann mit wenigen Worten nicht von den verschiedenen Seiten beleuchtet werden, daß im Rahmen dieses Artikels der Versuch nicht gemacht werden soll, Stellung zu dem Problem der jüdischen Universität überhaupt zu nehmen. Nur um es zu streifen, weil es die auf diesem zionistischen Kongreß stark in den Hintergrund getretene, religöse jüdische Frage angeht, sei erwähnt, daß der frommste Teil des Zionismus, der Misrachi, ausdrücklich sich jedenfalls gegen eine philosophische Fakultät erklärt hat. Miedert man so den zionistischen Kongreß ein in die nun 17 Jahre währende Entwickelungsreihe des Zionismus überhaupt, so sieht man leicht, daß die dritte Epoche des Zionismus zwar noch nicht einmütige Anerkennung gefunden hat, daß sie aber eine stark befestigte Position innerhalb des Zionismus sich schuf. Im Anfang war der Charter, die zweite Periode wurde von den Gedanken politischer Eroberungen und Durchdringung beherrscht. Itunmehr ist'seit dem vorigen Kongreß die Leitung in die Hände, der Praktischen übergegangen, und dieser Kongreß hat die Stellung der Leitung nur gestärkt. Versagt bleiben der jetzigen Leitung nach wie vor die materiellen und finanziellen Hülsskräste der zionistischen Bewegung, die sich in den Händen ihrer alten Herren und Meister befinden. Praktische Kolonisationsarbeit und kulturelle Wiedergeburt des Hebräischen sind in den Vordergrund getreten, das Religiöse scheidet aus der Debatte fast ganz aus, die Politischen sind zur Ohnmacht verdammt, ob für immer, bleibt dahingestellt Von dem heiligen Satz des ersten Paragraphen des Baseler Programms: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina" hat sich der Kongreß in der 'großen Wienerstadt weiter entfernt als irgend einer vor ihm. Abwehr antisemitischer veleidigungen. (Eine juristische Betrachtung.! vr. iur. et rer. pol. Fritz Rahmer (Spreviaej, Berlin. Es kann hier natürlich nicht meine Ausgabe sein, Mittel und Wege zu zeigen, die dem jüdischen Studenten, insbesondere dem K.C.er, die Möglichkeit erfolgreicher Abwehr gegenüber antisemitischen Uebergriffen während seiner Studentenzeit gewähren. All dies wird ja in unserem