KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1913-1914
- Issue
- Heft 1 (1.10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 auf der Erde leben, nur 130000, also 1% als Schekelzahler der zionistischen Organisation an. Aber diese, im Verhältnis ja geringe Zahl darf nicht absolut, losgelöst von dem Maß von organisatorischer Arbeit, von glühendem Idealismus und auch von fanatischer Gegnerschaft gegen alles Nichtzionistische gewertet werdenauch der Nichtzionist wird die glänzende Organisation des Kongresses anerkennen, wird den hohen Gedankenflug, den manche Rede offenbarte, bewundern und wird, was an jüdischem Selbstbewußtsein in diesen Versammlungen zu Wort kommt, nur mit Freude und Genugtuung begrüßen können. Seinen Auftakt fand der Kongreß in einer Reihe von Auseinandersetzungen, die sich in zionistischen Zeitschriften, insbesondere dem offiziellen Organ „die Welt" über programmatische und taktische Fragen entspannenweiterhin in den bekannten Pariser Vorgängen, bei denen der „Altmeister" Nord au und sein Kampfgenosse Dr. Marmorek in scharfen Worten gegen die derzeitige Leitung des Zionismus Stellung nahmen. Nordau und Marmorek sind denn auch'dem Konreß fern geblieben, und bei dem Antrag Noraus Begrüßungstelegramm zu beantworten, hat sich die erste lebhafte Debatte erhoben, die im Grunde nicht so sehr der mehr äußerlichen Frage der Danksagung, als dem inneren Gegensatz, der auf diesem zionistischen Kongreß schärfer als einem anderen in die Erscheinung getreten ist, gegolten hat. Um diesen inneren Gegensatz zu verstehen, ist es nötig, mit einigen Worten die Entwickelung des Zionismus aufzuzeigen: Herzls Buch über den Judenstaat wird heute von der zionistischen Bewegung im allgemeinen als vorzionistisch bezeichnet. Dieses Buch enthielt noch nicht den Vorschlag der Erlösung des jüdischen Volkes in einem bestimmten Lande. Durch das Buch geht der Gedanke an ein großes Traumland, in dem das jüdische Volk zusammenaefaßt durch die nationale jüdische Idee, eine Renaissance wiedererleben und die Zeit der großen Helden, Väter und Propheten noch einmal erstehen könnte. Erst später hat Herz! selbst Palästina als das Land bezeichnet, in dem seine Pläne verwirklicht werden müßten. Ausgegangen war Herz! von dem großen nationalen Gedanken des jüdischen Volkes. Für ihn war darum der Zionismus eine politische Bewegung, die die Zusammenfassung aller jüdischen Volkskräfte in der Richtung auf ein bestimmtes politisches Ziel, das die Wiedereroberung des heiligen Landes darstellen sollte, erstrebt. Das Mittel, durch das dem Judentum sein altes Land wiedergewonnen werden sollte, war der Charter. Ein von der Türkei dem jüdischen Volk zu gewährendes Instrument, das neben der Unterschrift der Türkei auch als Garantie die einiger Großmächte tragen und das den staats- und völkerrechtlichen Vertrag darstellen sollte, durch den dem jüdischen Volk in noch zu bestimmendem Umfange die staatsrechtliche Oberhoheit in Palästina einzuräumen war. An den Charter haben sich in den ersten Jahren des Zionismus alle Wünsche, alle Hoffnungen und alle Sehnsucht geklammert. Die kolonisatorische Arbeit galt damals nichts. Herzl lehnte sie zunächst ab. Sie galt nicht als Fördernis, eher als Hinderungsgrund, bestimmt, die Erreichung des politischen Zieles hinauszuschieben oder wenigstens geeignet, durch Zersplitterung der verfügbaren Kräfte die Stoßkraft für die Verwirklichung des politischen Gedanken zu schwächen. Dieser politischen Richtung des Zionismus trat schon zu Herzl's Lebzeiten, später immer stärker, ein praktischer Zionismus entgegen. Der nationaljüdische Gedanke wurde nicht aufgegeben. Er beherrschte dauernd die Debatte und er beherrscht heute, wenn auch weniger die Diskussion der zionistischen Kongreße, so doch die Propaganda und Agitation für den Zionismus in ungeschwächtem Maße. Aber der Zionismus ging, wie Professor Marburg in seiner Eröffnungsrede aufdem Kongreß in Wien gesagt hat, „von der Herrschaft allgemeiner Begriffe, in welcher man die Notwendigkeit des Zieles und den Willen des Volkes zur ersten Orientierung zusammenfaßte zu den einzelnen Handlungen über, die zu diesem Ziele führen". An praktischer Arbeit hat denn auch der Zionismus in Palästina nicht zu unterschätzendes geleistet. 10 Jahre ist diese Arbeit alt. Der Beginn der kolonisatorischen Tätigkeit fällt ins Jahr 1903, seitdem Dr. Ruppin systematisch in Palästina vorging. An den Millionen gemessen, die nach zionistischer Auffassung der Erlösung harren, ist die Zahl der Juden, die in dieser Zeit der Zionismus in Palästina hat ansiedeln können, gering. Aber das Maß an Arbeit und an Organisation, das zu diesem verhältnismäßig kleinen Erfolge führte, muß trotzdem anerkannt werden. Den Gedanken einer Synthese, also einer Versöhnung des praktischen und politischen Zionismus hat man in den Bordebatten mehrfach unterstrichen, so insbesondere in den Auseinandersetzungen, die in der „Welt" zwischen dem Antwerpener Deligierten Jean Fischer und der Redaktion stattgefunden haben. Und auch auf dem Kongreß hat der eine oder der andere, wie Professor Weizmann den Gedanken dieser Synthese noch wach gehalten, wenn er die Bereinigung des praktischen und politischen Zionismus darin gefunden hat, daß „die Stärkung der jüdischen Position in Palästina als Basis jeder politischen Aktion zu betrachten sei, die die