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KC-Blätter · 1913-10-01 · Heft 1 (1.10.1913) · p. Seite 4

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Journal
KC-Blätter
Volume
1913-1914
Issue
Heft 1 (1.10.1913)
Date
1913-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 an der die jungen Studenten einen Halt finden. Aufrecht kann jeder in und außerhalb der Organisation fein Haupt tragen. Niemand zweifelt mehr die Wehrfähigkeit des jüdischen Studenten an. In einer Praxis von über einem Vierteljahrhundert hat sich der jüdische Student in der Führung der Waffen nicht nur nicht unterwertig, sondern gleichwertig, ja vielfach überlegen gezeigt. Das Märchen von der jüdischen Feigheit — auf den deutschen Universitäten ist es verschwunden. Der K. C. darf mit Genugtuung verzeichnen, daß der Gedanke der Abwehr von ihm aus — und zwar deutlich von ihm aus — auf bürgerliche Kreise übergegangen ist und im Zentral-Verein umfassenden Ausdruck gefunden hat. Mit Freude darf er feststellen, daß das tätigste Mitglied dieses Vereins einer der unsrigen ist: Ludwig Holländer. Abwehr aber ist — wie es der Verfasser dieser feilen einmal ausgedrückt hat — sich selbst empsindende Macht — oder zum mindesten der Keim dazu. Im Schutze der Wehr, die jüdische Organisationen geschaffen haben, konnte sich das jüdische Gemeinschaftsleben in ungeahnter Weise entwickeln: die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur vertieften den jüdisch-historischen Sinn, die Logen konnten in stetigem Wachstum ihr großzügiges soziales Hilfswerk entfalten. Der Verband der deutschen Juden schuf ein jüdisches Parlament, wenn auch das Wahlrecht dazu nicht als vollendet betrachtet werden kann. Daß eine Organisation auf der ganzen Linie in dem bisherigen Umfange sich gebildet hat, ist an sich schon Geschehnis von Bedeutung. Und nun vergleiche man einmal die äußeren politischen Verhältnisse mit den früheren. Wir empfinden die jetzigen Uebelstände sicherlich sehr stark, gerade weil wir stolzer und darum feinfühliger geworden sino. Wir fiihlen unsere Zurücksetzung gerade darum vielleicht viel tiefer als unsere Urväter ihre unvergleichlich tristere Lage im Ghetto. Aber ist es denn doch nicht besser geworden? Der Radauantisemitismus ist geschwunden — und war doch eine recht üble Erscheinung! Das Parlament ist immerhin ein Gradmesser der politischen Zustände: im Abgeordnetenhause sitzen 10 jüdische Abgeordnete, im Reichstag gleichfalls eine Anzahl, darunter einer aus unserem eignen Kreise. Trotz der Haltung der Konservativen klingt es doch heute bei einer Rede wie der des Abgeordneten Werner-Gießen bis hinein in das Zentrum anders als in früheren Zeiten. Der Teufel hole den, dem es schnell genug geht, aber verzagen wollen wir noch lange nicht. Im Gegenteil: eine größere Kraftanstrengung tut not! Da läßt's noch viel zu wünschen übrig. Die Gewinnung neuer Mitglieder, das „Keilen", die Unterstützung des K. C.-Büros — all das könnte mit ganz anderer Kraft einsetzen, wenn es gut sein sollte. Und dann noch eins! Verzichten wir darauf, unser Programm mit Schlagworten unsrer Gegner zu füllen. Lasten wir das Schlagwort vom „Positiven" ruhig unseren Gegnern. Da5. Positive kann sich bei uns nur auf die Vertiefung und die Durchdringung mit jüdischer Geschichte beziehen. Das Jüdisch-Nationale überlaffen wir unseren Gegnern und die Festlegung der Mitglieder auf irgendein religiöses Parteiprogramm ist nicht Sache des K. C. — Wir wollen nicht in demagogischer Weise Dinge versprechen, welche die Aufgabe und auch die Kraft einer studentischen Korporation weit übersteigen. Unser Programm ist fest umrahmt, und wenn auch die Trugschlösser nicht darin sind, die uns andere vorgaukeln möchten, so ist und bleibt es doch ein großes Programm. Dieses Programm aber heißt: dem Judentum sein Recht in bodenständiger Treue, auf daß alle Möglichkeiten dieses jahrtausendalten, jahrtausendstarken Judentums in ungehinderten Blüten sich entfalten können, mag es für den einzelnen bedeuten, was es wolle: Religion oder Abstammung, Geschichte oder Familientradition, Geist oder Dogmenlosigkeit. — Wer einige Jahrzehnte im Leben gestanden hat, wer um sich herum fühlt, wie in Tausenden — ohne Unterschied der Konfession —, in den Seelen von Tausenden durch die Berührung mit dem Leben des Alltags Ideal auf Ideal fällt, der muß von Bewunderung erfüllt werden vor dem Judentum, das trotz Taufe und Mischehe den Verlockungen aller Zeiten in trübster Not standgehalten hat — ein einzig Beispiel in der Geschichte. Diesem Judentum sein Recht! Es ist ein großes — ein ausreichendes Programm. — * * * Nach dem elften zionistischen Nongreß. Von Di*. Bruno Weil (Licariae). In Wien, der Stadt, von der aus der Zionismus sich seine Bahn gesucht hat, hat in den Tagen vom 2. bis 9. September der elfte zionistische Kongreß getagt. Auch wer der zionistischen Bewegung gegenüber sich neutral verhält, mehr noch, wer ihr als Gegner gegenübersteht, hat die Verpflichtung, die Tagung dieser großen jüdischen Versammlung zu beachten und die Entwickelung innerhalb des Zionismus aufmerksam zu verfolgen. Als das jüdische Volksparlament in dem Sinne einer legitimen Vertretung der gesamten Judenheit kann auch die Wiener Tagung freilich nicht bezeichnet werden. Gehören doch von den 13 Millionen Juden, die nach den besten Schätzungen

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