KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 9 (1.6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 177 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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177 alle# lehren#, das eigene SQHtbcnfen beim Vortrage des Stoffes, verloren ginge. ".Uebrigens soll der Lehrinhalt nicht unveränderlich bleiben; aber llicht der Einzelne soll zur prinzipiellen Aeitdernng besagt sein, sondern diese müssen dem K. E.-Tage oder den: G. A. überlassen werden, der sie dann wieder für alle Verbindungen biubcnb werden läßt. Nun zur zweiten der erwähnten Schwierigkeiteil. Der Leitfaden als solcher macht noch keine Lehrer, keine F. M. für die wissenschaftliche Behandlung nuferer Tendenz mld der damit verwandteil (Gebiete. Wir iilüsseil die höchsten Anforderungen an diesen Unterricht stellen und köilneil uns bei gewisseil Frageil mit einer halben Behandlung nicht begnügen. Es ergibt sich also voll selbst die weitere Forderung der Arbeitsteilung im Fuxenunterricht. Wenn es kaunr einer Schule einfällt, von einem und demselben Lehrer etwa Mathematik uub neuere Spracheil unterrichten zu lassen, biirfeu auch wir nicht verlangen daß ein K. C.-Bursche oder ein A. H. eine philosophische Behandlung des Tendenzproblenis ebenso gut und eingehend bringt wie etwa die für uns so bedentilngsvolle (beschichte der Entwick- Inng des deirtscheil Liberalislillls oder Antisemitisiillls. Tressen in der gleichen Persönlichkeit die Fähigkeiten zllr Behandlung solcher'anSeinanderliegenden Dinge znsmnnten, dallll um so besser: ist dies aber nicht der Fall, so ntüffeu wir auf anderem Wege sicher sein, daß manche Wissensgebiete von wissenschaftlich absolut sicheren Männern behandelt werden. Für solche noch näher festznlegenden Abschnitte. ans dem Gesavltgebiete des Lehrstoffes nuissen K. C.er gewoillleil lverdell, die sich verpslichtell, denl F. M. durch einige Vorträge helfend zllr Seite 51t stehen. In den größeren liniversitätsstädten ist dies ja sicher ganz leicht zu erreichen, für etwas abgelegene'Stätten des K. E. vlüssell aber auswärtige Kb. Kb. der Nachbarstädte oder Verbindungen einsprnlgen. Keinesfalls darf irgendwo eine Lücke im Unterricht bleiben, uild es wäre zil überlegeil, ob dieser nicht offiziell von einer Zentralstelle ans (etwa einer Sektion des G. A.) überwacht llild generell geleitet werden sollte. Bei diesen Vortragen, die systematisch ebenfalls im Gesamtlehrplan vorzusehen wären, haben auch die Burscheil Gelegenheit, gerade das wichtigste illld weselltlichste des Fnrennnterrichtes wieder zu hören. Man wird über meinen Optimismus lächeln, daß ich die Durchführung derartiger Maßregeln für möglich halte, aber vielleicht unterschätzen doch viele unserer Kartellbrüder die Opferwilligkeit und die geistigen uild Willensfähigkeiten, die in unserm Verbände schlummern. Es kommt hier auf eine klare, zielbewusste Organisation an, deren Zweckmäßigkeit einlenchtet, und ich bin überzeugt, daß sofort auch die erforderlichen Krüste vorhanden sind. folgt.) * * * Ferdinand Lassallc als Jude, Denker und Kämpfer. Von RechtSamvalt vr. Heinz Uran? iBadeniae) in Cvln a. 'Jifjcui. Floctore »i .jin-.a Superos, Aehorontu movebo. Wie mir aus Heinrich von PoschingerS Wert „Aus dem Leben eines Achtundvierzigers" (Lothar Bücher) wissen, hatte Lothar Bücher einmal Lassalle an den § 90 von Lessings „Erziehung des Menschen- Geschlechts" erinnert, wo es heißt: „Es hat zu alleil Zeiten Menschen gegeben, welche richtige Blicke in die Zukunft taten und nur diese Zukunft nicht erwarten konnten: wozu die Geschichte sich Jahrhunderte Zeit uinlmt, das sott in dem Augenblicke ihres Daseins reifen." Dieser Gedanke Buchers richtet sich gegen den Hegelianer Lassalle, der, von der Ideenentwicklung in der Geschichte ausgehend, den Durchbruch neuer wirtschaftlicher Formen noch wahrend seines Lebens erwartete. Dieser Irrtum Lassalles erklärt sich aus dem Wesen der Hegellchen Philosophie, die es llntenlinnnt. einen Parallelismus. eine Identität zwischen der Entwicklung der Begrufe im reinen Denken und den Erscheinungen der Natur, bezw. den Vorgängen der Geschichte nachzuweisen. Die Wirklichkeit hat indessen mit dem Widerstand der Materie gegen den Gedanken, mit dem natürlichen Egoismus und der Trägheit der verschiedenen Klassen und Gruppen zu tun, weshalb der Durchbruch neuer wirtschaftlicher Formen erst in Menschenaltern zu erwarten steht. Und bevor ein wirtschaftlicher Fortschritt möglich, bevor die inneren sozialen Fragen gelöst werden können, müssen zunächst auch vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus die nationalen Fragen gelöst werden; und so sehen wir sich die Kluft zwischen Hegel und Bismarck auftun. Diese Kluft zwischen Hegels und Bismarcks Deutschland füllt sich bei . näherem Studium des Entwicklungsganges Deutschlands im vorigen Jahrhundert aus, und ein Mann, der ein Schüler Hegels war und den man einmal den Lehrer Bismarcks genannt hat. hebt sich vom Hintergrund der Geschichte ab — Ferdinand Lassalle. Ferdinand Lassalle wurde am 11. April 1825 als Sohn des jüdischen Kaufmanns und Seidenhändlers Heimann Lassalle in Breslau geboren. Schon die Tatsache dieser Abstammung schließt ein Problem in sich, da die Frage nach dem historischen Charakter des Judentums des ver-