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KC-Blätter · 1912-06-01 · Heft 9 (1.6.1912) · p. Seite 174

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 9 (1.6.1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 174 (sequence 10)
Language
German
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174 bedeutender deutscher Philolvgelt oder Historiker zusammeiistellt und dann sagt: der jüdische Geist ist oberflächlich, ungenau, flattert von einem zum anderen; fcht euch nur unsere gründlichen deutschen Gelelirteu an! Eine bewußt falsche Methode wird eingeführt, um hier Werturteile zu fällen, die auf falscher Vergleichung beruhen. Mau vergleiche den jüdischen Journalisten mit dem christlichen. Alan vergleiche den jüdischen Philologen mit dem christlichen,, beit jüdischen Juristen mit dem christlichen Juristen. Das sind Vergleichnngsinaßstäbe, die zeigen würden, daß jüdischer Geist nicht einfach gleichbedeutend ist mit Journalistik. Wir haben dasselbe Recht wie die anderen, daß nur nach den großen ewigen Trägern des Geistes beurteilt werden und nicht nach denjenigen, die im ernsten, verantwortungsvollen Berufe für den Dag gezwungen sind, zu arbeiten. 9tebcubci: Wer will leugnen, daß in der Journalistik Unerfreulichkeitcn Vorkommen? Sie sind aber auf beiden Seiten vorhanden und werden von den besseren Elementen auf beiden Seiten bekämpft. Unerfreulichkeiten gibt es in jedem Berufe und in jedem Stande. Aber die sogenannten destruktiven Tendenzen des jüdischen Geistes! Dieser Vorwurf, den inan immer wieder lesen kann, ist durchaus hinfällig. Waren es Juden, die die christlichen Glaubenslehren zerpflückt haben? Waren Männer wie Paulus, Bauer, Strauß, Jeuerbach, Schopenhauer. Kalthof. Dreivs, waren diese Männer etwa Juden? Waren die Begründer des Materialismus. der wie eine Seuche durchs deutsche Volk ging, war ein Vogt, ein Moleschott, Büchner, Haeekel'— waren das Inden? Juden waren es nicht. Denn zu gleicher Zeit, wo von deutschen Männern der Materialismus propagiert worden ist in Schriften, die eine unerhört hohe Anzahl von Auflagen erlebten, wirkten ait den deutschen Hochschulen jüdische Denker, in denen das Beste des deutschen Idealismus lebendig ivnr. Diese Juden ivaren Anhänger Kants und Herbarts, waren und sind, wie Jonas Cohn und Last Verteidiger und Wortführer Fichtes. Sie sind Anhänger und Weiterbildner von Schelling, wie Professor Job-l in Basel. Und mit dem Vorwurf der destruktiven Tendenzen verbindet sich jener weitere: dem Juden fehlt es an verecundin, au Ehrfurcht. Von Schopenhauer ist dieses Wort geprägt worden und hat seine Stelle im Schlagwörterlerikon des Antisemitismus gefunden. Ich muß bei diesem Vonvurf Schopenhauers immer au einen alten jüdischen Spruch denken: das jeder das ant * meisten an anderen tadelt, was ihm selbst am meisten anhastet. Ein Schopenhauer wirst den Juden Mangel an verecundia vor! Ein Schopenhauer. der einen Fichte. Schelling und Hegel mit häßlichem Hohn überschüttet hat, ein Schopenhauer, der seine Mutter und seine Schwester in geradezu gemütsroher Weite behandelt hat! lind zu Schopenhauer kommt nun Dühring. der den gleichen Vorwurf: Mangel an verecundia gegen' die Inden erhebt. Dühring. der von einem Bisntarck gesagt hat: 77 Prozent Halunke und Prozent Charlatan, der au keinem der großen deutschen Dichter Lessiu-i. Goethe, Schiller auch nur ein gutes Haar läßt tmd sie alle in den Kot gezogen hat. Selbstverständlich — tun es gleich zu sagen — weshalb sollte es bei den Inden nicht auch Menschen geben, die, wie Schopenhauer und Dühring, Mo ngel an verecundia zeigen? Selbstverständlich? Aber der Jude habe keine wrccundia.- das ist Pecndie, das ist benmßte Unwahrheit! Scheu mit uns einmal die Geschichte des Ul. Jahrhunderte au. Waren es denn nicht meistens Inden, die zuerst die überragenden deutschen Geister etuumt und verehrt, sieh voll Aufopferung in üv. m Dienst gestellt haben, um ihnen zu Anerkennung und Ruhm zu verhelfen? Waren es nicht jüdische Frauen in Berlin, die mit schwärm- -sicher Verehrung au Goethe hingen, als man ihm noch verständnislos und feindlich gegenüberstand? Wer war es denn, der Schopenhauers Bedeutung zuerst erkannte und seinen Mithin verbleiten half? Juden waren es: Asher und Franenst-iedt. Lange bevor man noch das Blut als literarU-ches Wertkritcrinm erkannt hatte, lange bevor der Serologe der deutschen Literaturgeschichte Kdolf Bartels ans einen Hebbel die Ansmerlsaini.it lenkte, war es der Jude Kuh. der als Freund Hebbels ein-' begeisterte Monographie über diesen deutschen Dramatiker geschrieben hat. hat Auerbach einen Otto Ludwig verherrlicht und als erster die dichterische Kraft Gottfried Kellers erkannt, haben Inden für die Anette uniuig Anzengrubers ge stritten. Juden waren es. die Richard Wagner unterstützt und zur Anerkennung verholfen haben. (Der Kapellmeister Levi hat"die erste Ausführung des Parsifal geleitetn Den ' bedanken, daß eine Goethegesellschaft zu schassen, nationale Pflicht sei, hat Bernaus zuerst vertreten, und Bielschoivski verdanken nur heute das beste und das am meisten gelesene Buch über Goethe. Das sind die Inden, denen man Mangel an verecumHa vorwirft! Was ergibt sich ans dvs-r nuferer Betrachtung der Tatsachen? Welche Richtung und welche Richtlinien ergeben sich für unser künftiges Verhalten? Ich ging davon ans. daß es eine allgemein verbreitete Zeitmeinnng sei, daß Tentschtnin und Judentum sich gegenseitig ansschließen. Ich zeigte, daß die Jud-n snbstanzbilde n d e Kräfte dem deutschen Geiste zngeführt haben, daß sie im Geiste spezifisch d e u t} ch c r W i s s e u s ch a f t f ö r d e r n d

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