KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 9 (1.6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 169 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2268830-2268846-2268856--0457-3522627- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mitgliedern gegenüber am .80. Juli 1010 dadurch Ausdruck verliehen, das; er folgenden ursprünglich nur als interne Direktive betrachteten Beschluß faßte: ..Der it (5. bedauert jeden einzelnen Fall eines Ehrenhandels zwischen jüdischen Studenten; er erzieht seine Angehörige» von vornherein dazu, dasr derartige Streitigkeiten, wenn irgend möglich, vermieden werden; er sieht sich aber nnr dann genötigt, einen Ehrenhandel mit der Waffe nnszutragen, wenn trob des von seiner Seite immer zn erstrebenden Versuchs gütlicher C-rledignng iinNahmen des studentischen Eomments eine solche durch Verschulden des Gegners oder gegnerischen Verbandes scheitert." Von der Durchführung dieses Beschlusses wird sich der K. C. nicht abbringeit lassen, auch lvenn das Präsidiurn oder einzelne Mitglieder des B. I. C. die in seiner „Er wideruu g" v oin 2. Marz enthaltenen gröblichen Provokation cu n0ch überbieten sollten. * * -«- Das deutsche Gristtslebeu und die Juden?) Von Professor 0r. F n l i n s (s, v l d st e i n in Darmstadt. Wenn mall über dieses Thema sprechen will, darlll trägt eitlem die Gegenwart eitle Flut von Alltworteu elltgegeri, die alle nlehr oder weniger auf eilten einzigen Gedanken gestimmt sind: deutsches Geistesleben lind Inden — das find Dinge, die sich eigentlich anssthließen; deutsches Geistesleben uild Inden sind Gegensätze; die Inden wirken auf das deutsche Geistesleben llur zerfetzend, zerstörelld, anflösend; sie stehen, ob sie getauft oder nicht getauft silld, denr delltschen Geistesleben fremd gegei'.über. Diese Anschauung hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte allmählich verbreitet durch Presse lmd Literatur, sie gehört bald zu den Selbstverständlichkeiten der gebildetellKreise des delltschell Volles. Nnn war das nicht immer so: vietillehr ist es im Laufe des 10. Jahrhunderts oftmals ausgefallen, das; deutscher Geist ltnb jüdischer Geist eine geivisse Wahloerivandtschaft haberl. Diese innere Wahlverivandtschaft elltging nicht ben Juderl, und sie entging allch nicht den Christen. Ich führe nnr zwei Beispiele dafür an. Zuerst eitlen dlirchans unverdächtigen Zeugen: Ernst Moritz Arndt. Cr schreibt in einem Werke aus *1 Herr Professor t>r. erlöstem stellt uns seinen ans der 4. Ceneralversammlnng des Verbandes der deutschen Juden in Berlin mit stürmischem Beifall anfgenommenen Vortrag „Das deutsche lseistesleben und die finden" zum Abdruck in unser» Blättern zur Verfügung. Wir madjeii von dem liedeiiswürdigeil Angebot gerne (Gebrauch und danken Herr» Professor owldstein auch an dieser Stelle für sein Intereise an nnserll Bestrebungen. Die Redaktion. den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts folgende Worte: „Hier in diesem alten 7. «tament und seinen (beschichten lebt der Proleitatt'. sums vor den Protestanten, das Luthertum vor dem l>r. Vtartin. Da ich die Protestanten nenne, io könnte ich mit einer Vergleichung, roelche geroist an manchen Punkten zntrlsst,. .. das Ittdenrnln den Protestantismus der alten Welt, das Hellenentum 'einenKatholizismus nennen". So Crust Mvrit; dlrudt! ltnb 80 Jahre später ergreift zu deru Thema Dll V' is Neymond das Wort, und zivar in einer feinei Festreden iu der Akademie. Ec führte dort aus. das von Natur der Engländer, der Franzose, der Italiener künstlerisch vielleicht begabter sei als der Deutsche, das; aber dafür in der Drganifat on des deutschen Geistes eine Kvmpensativn gegeben fei. Diese Kvmpensativn sieht er in bau ans das Wesen der Dinge gerichteten Sinn der?aitfrfjc«. „Unbekümmert um den schönen Schein dringt durch das triigerische Bild hiudurch sein für das Unendliche akkvmmvdiertes geistiges Auge bis zu den fernsten Problemen des Seins, .-.hm, dem Deutschen, gebührt der Preis im abge.ogenen Denken, das vor keiner willkürlichen schranke, keiner Kvnvenlivn, keiner Mythe, feinem Dogma stehen bleibt. Dieseul'Oleiste entsprang die Wiedergeburt der Philosophie, durch .Laut, durch Luther in stiller Sphäre die Reformation' . Und nun geht Du Bois-Neymond direkt weiter: „Ein Seitenstück hierzu bietet der für übel sinnliche Dialektik und ethische. GestiMlinng angelegte semitische Stauntt, der früh zu vergleichsweist' reinster ^luspräguug des Gottesgedankens gelangte .... Mit gereihtem Stolz biirfen ^üben unb Germanen auf die philosophische Anlage blicken, die hierin sich ausspricht." Und das ist iu der Tal der erste wefensverivandte Zug zlvisthell dentsthein nnb jüdischem Geist, der einem aussällt, iveull man die Oieschichte betrachtet: DerspirituatistischeO-nrudzugittlDenken nnb Empfinden, die Fähigkeit und die Neigung zil spekulatioeul Deuten', dies, daß Deutscher und Jude vielfach zu metaphysisu.en Abschlüssen hiudräugeu, daß sie die Dinge des Tages, die Dinge der Zeit mit den Dingen der Ewigkeit znsammenbringen, daß ein großer geistiger Ernst über ben Schöpfungen der Inden und Deutschen liegt, Nirgendwo in der Welt ist Spinoza so tief, so eindringlich, so mannigsoliig verarbeitet ivvrden ivie gerade in Deutschland. Der „Kampf lim die Weltanschauung" ist etwas durchaus deutsches, beim nirgends in der Welt erregen sich die Geister so stark über leiste meto, z-hysische Probleme. Bis in die Politik hinein st-nrt man diese auf das Metaphysische gerichtete Denkungsart. Nirgend in der Welt sind politische Fragen — ob das gut oder schlecht sei, lasse ich dahingestellt —