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KC-Blätter · 1912-05-01 · Heft 8 (1.5.1912) · p. Seite 157

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 8 (1.5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 157 (sequence 13)
Language
German
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157 Aus dem Wunderlande der Pyramiden. Rtiseeindrilcke von Or. Löwisolin (Thnrinniae) BreS-au. (Schluß.) Viele Wunder verbirgt das weite Saudmeer der lybischeu Wüste, uub um heute nur noch eine Säule oon verschwundener Pracht zeugt, da standen ehedem herrliche, blühende Städte, Städte wie Heliopolis und das huuderttorige Theben, deren Nahm die ganze damalige Welt erfüllte. Emsiger Forscherarbeil aber gelang es. die verborgenen Schätze zu heben und de^stanuendeu Nachwelt die Wunder zu külldeu längst verklungener Zeiten. Wundersame Empfindungen beschleichen uns bei einem Besuch des Serapenms, der in den Fels gehauenen unterirdischen Apisgrüfte. Der Apis iitimlitf) war der heilige Stier, in dem man die Seele des höchsten Gottes Osiris verehrte; er ist es, welcher der Sonne, dem Aland und den Sternen zu immer neuem. Anfgehen verhilft. Ans weichem Lager, hinter einem Vorhänge voll kostbaren! Stoffe, wllrde er mit Alilch und süßen! Honiggebäck genährt llnd ihm, o gtückticher Apis, ein Harem von ailserwähltell brühen in einem besvnderell Balllverk gehalten; die .U ul) aber, von der es hieß, daß sie burcf) die Berührung eines Alvndstrahls zu seiner Mutter geworden, genoß im eigenen Stalle gleichfalls große Verehrung. Diener und Priester und Reiche und Herrscher umgaben dieses ausgesuchte Rindvieh und waren glücklich, wenn es Höchstselbst geruhte, das angebotene. Futter anzuuehmen; verschmähte es aber die Gabe, so war das Geschick des Bittflehenden in ungünstigem Sinne entschieden, und so soll der berühmte Astronom Endv.rvs gestorben sein, als der Stier, statt ans seiner Hand zu fressen, sein Kleid beleckte. Noch heute verraten die gewaltigen Anlagen der Begräbnisstätte der Mumien dieser Stiere die hohe Verehrung, die sie vor tausenden voll Jahren genossen. Tief unten in der Erde, in flacht gehüllt, stehe kl zu Seiten eines langeil Ganges 24 Kolossalsärge aus rotem Granit, ans einem Stück gehauen. Auch der Phantasielose, sagt Ebers, fühlt sich diesen Sarkophagen gegenüber wie durch einen Zauber in den Friedhof einer Welt von Riesen verseht. 05000 Kilogramm wiegt jeder einzelne Sarg. Ein Gefühl des Schauers und fromme Ehrfurcht befällt auch uns, uuö erleichtert atmen wir auf, wenn wir ans der 27 Grad wannen Atmospliäre dieser Kulturstätte das blendende Sonnenlicht wieder erblicken könne:!. Aber anch andere Tiere wurden göttlich verehrt, so der Widder, das Krokodil, die Katze. Erst in neuester Zeit hat man den Kahenfriedhvf von Bubastis wiedergefunden, mit tausenden von Knochen und Knöchelchen, und noch heute werden in Kairo hungernde Katzen gefuttert, und die alljährlich nach Mekka reisende Pilgerkarawane führte ein altes Weib, die Katzenmntter genannt, weil sie mehrere Katzen bei sich irng. Die Göttin der Liebe aber ivar gehörnt, sie hatte einen Kuhkopf, oder auf ihrem Menschenantlitze Kuhvhreu. Wir verstehen es heute nicht, wie man diesen nuglanblichen Gebilden so überaus präch tige Heiligti'nner und Tempel bauet! konnte. Aegupten ist das Land der Tempel, die ans unverwüstlichem Material gebaut, allem Wechsel der Zeit getrotzt haben und n"ch heute die Macht der königlichen Erbauer, die Herrschsucht der Hohenpriester ahnen lassen. Tie Tempelanlagen von Karnak z. B. sind das grandioseste Bauwerk der Welt. Ganze Herrscherfamilien haben ihren Stolz dareingesetzt, diesen Tempel dem jeweiligen Mvdegort in Verehrung zu weihen. Ter große Säulensaal gilt mit stecht als ein Wunder der Welt. 1.44 Säulen tragen das Dach und sind zum Teil 21 Meter hoch und 10 Meter im Umfang nnd oon diesem Tempel ans, der, von Palmenhaineu und dem heiligen See umgeben, der Mittelpunkt anderer großer kirchlicher und toeltlicher Banwerke lvar. führte eine meilenweite Widderalleezn eitlem zweiten großartigen Tempel, dessen prächtige Sänken sich heute noch spiegeln in den breiten Flnten de> segenspendender! heiligen Flnsses. Ja, dieser >lil ist die Lebensader des ganzen Landes. Sein Wachsen wird mit Frenden begrüßt, nnd seit Jahrtausenden hat er das Volk gelehrt, Kanäle darch das Land zn ziehen, der lebentötenden Wüste Fruchtbarkeit zu verleihen. Heute aber ist es den rührigen Engländern gelungen, im südlichen Aegypten die größte Talsperre der Welt anzulegen, die das Wasser bis zu 20 Meter ausstaut und einen See bilden läßt, der über eine Milliarde Kubikmeter Wasser faßt. Ter praktische Engländer fragte nicht danach, ob alte Uultnrstätten, wie die Fusel Philü von den Wassermassen verschlungen tvnrden, ob der herrliche Tempelban. das Zeichen ältester und höchster Baukunst, durch die Kultnrtaten der modernen Zeit dem Verfall erlagen, den! sie Jahrtausende getrotzt. Nur der Lebende, hat Recht, und wenn es möglich war. dadurch anch zur Zeit des niedrigsten Wasserstandes die regelmäßige Bewässerung des ganzen Landes zu sichern, so blüht aus den Ruinen eines Tempels ein neues Leben, das den Wohlstand eines ganzen Volkes innerhalb kurzer Zeit um etwa 500 Millionen Mark hob. Der grüne breite Stron! durchzieht Hunderte von Meilen weit die tote Wüste, wo aber sein befruchtendes Naß seinen Niederschlag absetzen kann, da sprießen üppige Felder, da ernten fleißige Fellachen dreimal des Jahres Getreide, Kle^, Baumwolle, Zuckerrohr und Hunderte anderer Feldfrüchte. Der Nilschlamm ist die heilige

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