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KC-Blätter · 1912-05-01 · Heft 8 (1.5.1912) · p. Seite 154

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 8 (1.5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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auch nicht aus besonderer Toleranz der „Germania", sondern mehr ans Selbsterhaltungstrieb Aufnahme gefunden. Aber diese beiden jüdischen Aktiven schwanden bald, und ums Jahr 1894/95 war der vollständige Ausschluß der Juden aus der alten deutschen Burschenschaft Tatsache geworden. Der Burscherttag Pfingsten 1896 brachte dann die definitive Entscheidung. Auf Betreiben eines aktiven Burschenschafters war auf die Tagesordnung folgender Antrag gestellt: »Die Burschenschaft stellt auf dem Standpuukt des denk scheu BvllSlrrrns: daher imr Studenten deutscher Abkunft bei ihr Ausnahme fiuden. Anmerkung: Jüdische Neichüangehärige sind nicht als Deutsche zu betrachten?) Der Antrag fand jedoch hauptsächlich, weil die Kompetenz des A. D. C. (Allgemeinen Deputierten - Convents) bezüglich der Aufnahmevorschriften neuer Mitglieder strittig tvar, nicht.die nötige Unterstützung. Anstatt dieses Antrages wurde folgende Resolution angenominen: »Der A. D. (>. stellt fest, das; die aktiven Burschen' schäften z. Zt. ebenso wie in den lebten Semestern keine indischen Mitglieder haben. Im Hinblick aus diese Tatsache gibt der A. D. 6. der Erwartung Ausdruck, das; auch in Zukunft die Burschenschaften in ihrer ablehnenden Haltung gegen die Ausnahme jüdischer Studierender ein' mütig zusammenslchcn werden." Ein Teil der Alten Herren protestierte zwar auf einer Versammlung in Gleiwitz gegen diesen Beschluß, desgleichen nahm eine Altzahl Alter Herren in Berlin in einem an Alte Herren gerichteten Zirkular Stellung gegen die antisemitische Haltung des A. D. C., doch ohlte Erfolg. Der Burschentag voit 1897 bestätigte nur den vorjährigen Beschluß. Eine Burschenschaft nach der anderen erklärte zu Protokoll, daß sie keine Juden mehr aufnähme Selbst die aktive Burschenschaft der Raezeks erklärte: »In Anbetracht der groben Anzahl unserer Alten Herren, welche sich in der Judenfrage für die Aufnahme von Juden ausgesprochen haben, erklärt die aktive Burschenschaft der Raezeks, das; sie jetzt prinzipiell keine Inden mehr ansuimmt." Seit denPsingstresolutionen von 1896 und 1897 hat sich nichts geändert. Die Burschenschaft ist „judenrein" geblieben. Materiell mag sie dabei wenig eingebüßt haben. „Was uns bedrückt," so beschUeßt Bruno Weil seine Artikelserie, „ist die Einbuße an freiheitlicher Gesinnung, die mit jenem Antisemitismus notgedrungen verbunden war. und die der Tradition der alten Burschenschaft so völlig Hohn spricht." 1910 zählten die Burschenschaften in 64 Verbindungen 3407 studierende Mitglieder, Juden befanden sich nicht darunter. *) Vgl Paul Schindler. Die deutsche Burschenschaft und die Juden in den K. C.-Blättern, 1. Jahrgang, Nr. 1, S. 8. - Allerdings hatte sich frühzeitig schon eine scharfe Opposition gegen die konfessionelle Engherzigkeit in der Studentenschaft geregt. Im Jahre 1883 schon machte Dr. K ü st e r den Versuch einer Reorganisation der Burschenschaft. Seine befreundeten alten Burschenschaften ließen ihn aber völlig im Stich. Und w gründete er denn im Verein mit dem Berliner Studenten Eugen Wolfs, dem jetzigen Kieler Professor, die neue Burschenschaft Neo-Germ ania. die Stammverbindung der freiheitlich gerichteten Allgemeinen Deutschen Burschenschaft, die heute an fast allen Hochschulen mit einer oder mehreren Korporationen vertreten »jt. Wie für die eilrstigen alten Burschenschaften galten für den A. D. B. als Leitsätze: „Die Burschenschaften sollen sich nur freiheitliche m Bo den entwickeln, den Wert um in sich selbst suchen und in dem, was inan nb gut »nid wahr erkannt hat, i»icht in beut, was andere meinen nr.r> urteilen. Sie sollen ein Borbild gegen die Zersplittetuna sein. Bon Hanse ans und von der Schule ^ontr-* teile »ollen nicht geduldet werden, jeoer soll burd) Selbststudium und ans den wissenschaftlichen Abenden sich ein eigenes. selbstgewvnnenes. sachlicher' Urteil bilden. Demeillsprechend dürfen «mH Jeinitisch ’. .iltramontane. engherzige parteipolitische Anschauung«'» nicht aufkvinlnen, »veil diese ja Dentschlnnds Jernnenheit hervorgerufen haben und es ja die Ailsgabe der Burschenschaften ist, aneh rüv die innere 6iilig>»ng Deutschland) rinzutreten und dafür z»» kämpfen." Jln Sommer 109O hielt der Allgemeine Deutsche Bur sch en du nd in Frankenhausen ain Kyffhäufer seinen 27. Bundestag ab. Das Ergebnis der großzügigen Aussprache war dasselbe wie alle Jahre zuvor. Die Berbandszeitschrift resümierte das Resultat dahin: ..(nnmi'itlg steht der Bilttd aus den» I-I'N ihm seit 27 Jahren vertretene» brrundiahe. da»! er die Aufnahme neuer Mitglieder »licht ab hüngig machc »rvi» ütaffeu - und b>lanbensvornrteilen oder von» politischen Bekenntnis, sondern einzig und allein nom Bekenntnis zum Teutschtillii und von» inneren tigerte bin Personlichkelt." 10L() gehörten dem Allgemeinen Deutschen Burschenbunde (A. D. B.) in 26 Verbindungen 664 studierende Mitglieder, darunter auch viele jüdische, an. Dazu kommen 927 alte Herren und Ehrenmitglieder. Die stärksten Burschenschaften sind in Jena und Leipzig. Inzwischen hatte der V. D. St., die durch Stoeeker entfachte antisemitische Bewegung geschickt für sich ausbeutend, eine lebhafte Propaganda entfaltet; er erfreute sich auch nicht selten der Protektion dec llniversitätsbehördeu. Im August 1889 traten die „Vereine Deutscher Studenten" zu ihrem Kyffhäuferfesie zusammen, das unter der Leitung des jetzigen Direktors des Bundes der Landwirte l)r. H a h n stand. Es war eine unwürdige Parodie auf das erhebende studentische Wartburgfest von 1817, eine Verherrlichung der Geistesknechtschaft, eine Kundgebung

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