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KC-Blätter · 1912-05-01 · Heft 8 (1.5.1912) · p. Seite 153

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 8 (1.5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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153 unterstützt wurde, mährend besonders Jena und Gießen auf der Gegenseite standen, gab gegen diese Fassung noch einen Protest zu Protokoll. Immerhin war es den Burschenschaften freigestellt, ob sie Juden anfnehmen wollten. Aber nach der Ermordung Kotzebnes durch den Bnrschenschafler Sand schlug die Stimmung um. Das Kesseltreiben der Reaktion gegen die Burschenschaften begann und träufelte das Gift des Rassenhasses auch in studentische Kreise. Ueberall, selbst in dem toleranten Heidelberg, trugen nunmehr die christlich-deutschen Teutonisten den Sieg über die liberale Richtung davon, indem die Heidelberger Burschenlchaft am 15. Dezember 1819 den Beschluß faßte: „I u d e n und Ausländer werden nicht mehr ausgenommen." Man suchte — wie B r u u o Weil bemerkt — einen Sündenbock. an dem man alle Wut gegen Metternich und sein System auslassen konnte, und fand ihn im vielgescholtenen Juden. Natürlich war dieser Standpunkt durchaus widersinnig: jetzt, wo sie selbst unter einer Ausnahmepolitik litt, mußte die deutsche Burschenschaft ihrem Standpunkt, alle Studenten zu vereinigen, treu bleiben. Auf dem Burscht'ntage von Dresden im Jahre 1820 wurde der Heidelberger Beschluß einstimmig gutgeheißen, aber wiederunr nur mit dem unklaren Zusatz: „Fudcn füllten ausgenommen werden können, wenn erwiesen untre, daß sie sich christlich-deutsch für unser Bolk nnsbitden wollten." Zehn Jahre später fand dann in N ü r n b e r g eine Revision der Statuten statt, und dort stellte man sich wieder auf den Boden der alten, ersten Burschenschaft und ihres Programms von 1818. Im Jabre 1881 ging man dann in Frankfurt noch über die alten Statuten hinaus, indem man in der bis dahin verlangten „christlich-deutschen" Ausbildung das Wort „christlich" strich. Damit ivar auch Juden unbeschränkt der Zutritt zur Burschenschaft gestattet. Die Burschenschaft ist dabei denn auch nicht schlecht gefahren. Als die Burschenschaft 1848 das Warrbnrgfest feierte, da finden wir unter den Vertretern Namen wie Elias Lang, Eugen Herzfeld, cand. jur. Lewi u. a. mehr, die wohl den Schluß zulassen, daß Juden sich damals in beträchtlicher Anzahl in der Burschenschaft befanden. Auch sonst lassen sich für diese Annahme viele Belege anführen. So wies u. a. Geh. Sanitätsrat Konrad Küster in der „Allg. Deutsch. Universitäts-Ztg." darauf hin, daß in den 50er, 60er und 7Oer Jahren in den Burschenschaften und auch in den Corps jüdische Mitglieder nichts Seltenes waren, und daß dieselben durchaus tüchtige Mitglieder darstellten, und fährt alsdann fort: „So haben die Breslauer Raczeks und die Bonner Frankonen eine Reihe jüdischer Mitglieder gehabt, die später bedeutende -IHamter geworden sind. Heinrich von Treitschke schlvs; in feiner Bonner Frankonen zeit gerade mit einem indischen MOglicde eine sehr enge Freundschaft und blieb ihm auch bi * zu dessen Tode unentwegt treu. ES lag damals allen studentischen Verbindungen fern, jemand nach der.Konfession zu fragen." Ein 1853 geschlossenes Kartell der Tübinger. Erlanger und Heidelberger beruft sich ausdrücklich auf die Verfassung von 1818, ebenso die revidierten Prinzipien, die sich 1886 die deutsche Burschenschaft gab. Auch hier ist vorn Christentum, als Bedingung zur Aufnahme keine Rede. Aber trotzdem war in dieser Zeit schon allmählich unter dem Herrschaftsdeginn der nationalen Phrasen ein Umschwung ewgetreten. Als der Krieg von 1870/71 uns das Reich gab. da war ein guter Teil der Sehnsucht und Hoffnung der alten Burschenschaft zur Tat geworden. Wo sollte sie ein neues Ziel finden, das an Größe und Würde dem nun erfüllten gleich käme? Es gab keins. Ein Jahrzehnt schwankte die Burschenschaft unentschlossen hin und her, ein Ziel wünschend und suchend. Da kündete sich ein neues Gestirn kin: der A n l i s e m i t i s m n $ , und ihm leistete sie freudig Gefolgschaft. Bruno Weil hat an der Hand der Veröffentlichungen der „Burschenschaftlichen Blätter" in der schon erwähnten Studie diese Entwicklung der Burschenschaft eingehend geschildert. Wie folgen hier in ilnserer Darstellung im wesentlichen seinen Angabeii. In den ersten drei Jahrgängen der „B. Dl." ist wenig von Juden oder Judenfeindschaft die Rede. Im Jahre 1802 jedoch begann die Diskussion über den Ausschluß der Juden eine Briefkastennotiz. Ein halbes Jahr später schrieb die Redaktion schon in einem langen Artikel über die Vereine Deutscher Studenten: „Wir »vollen nur die nackte Tutsache feststellen, daß gegenwärtig die deutsche aktive Uhirfrfjeufrfjaft sowie eine Reihe jüngerer und älterer Ehreum'tglieder den ziampf gegen das Juden tum nlö eine untionate A u f - gäbe ansehe»." Diese Tatsache ließ sich nicht leugnen. In die Studentenschaft hineingetragen ist die judenfeindliche Bewegung jedoch erst durch die Vereine Deutschen Studenten, denn das Lebenselenrent des V. D. St. ist der Judenhaß. Sie sind die Reihen der Stüde men entlanggezogen und haben ihre Lehre mit Er sec und Leidenschaft gepredigt. Leider nicht ohne Erfolg. Mehr und mehr gewann die judenfeindliche Strömung unter den Studenten Oberwasser. Mit jedem Semester mehrte sich die Zahl der 'Burschenschaften, die keine jüdischen Studenten mehr aufnahmen. Im Sommersemester 189.-! zeigte es sich, daß der große Verband nur zwei Juden als aktive Mitglieder zählte. Diese beiden Herren gehörten der Burschenschaft „Germania" in Straßburg an, deren Leutemangel damals chronisch und allgemein bekannt war. Vermutlich hatten diese beiden Juden

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