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KC-Blätter · 1912-05-01 · Heft 8 (1.5.1912) · p. Seite 152

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 8 (1.5.1912)
Date
1912-05-01
Page
Seite 152 (sequence 8)
Language
German
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152 Er unterscheidet in der Geschichte des Judentums ein relatives Dasein, das Leben in den Erdentagen, welches abhängig ist von den äußeren Umständen und daher wandelbar und zeitlich, und ein absolutes Dasein in der Ewigkeit, welches sich unbeirrbar und unbeeinflußt kraft Naturnotwendigkeit entfaltet. Nur das absolute Dasein ist Wirklichkeit des Geistes, das relative ist der Zufall der Tage. Im absoluten Dasein enthülle sich schlackenrein und riesengroß der geistige Prozeß des Judentums, der nichts anderes sei als der Volkstrieb der Einheit, der Tat und der Zukunft. Das führt nun Buber in einer Weise aus, die wir nicht anders als „verstiegen" nennen können, denn im Grunde treibt er nichts anderes als ein Fabulieren mit romantischen Gedanken, die unbeweisbar finb, aber zugegebenermaßen recht schön klingen. Eine Welt des Scheins bietet er selber. Er stellt ein zionistisches Ideal auf jenseits des Basler Programms, das in seiner Realität Buber fast Banat vörkommt. Buber sehnt sich nach einem geistigeil Zion, wo alle Juden mir ihr absolutes, von aller Materie entkleidetes Dasein leben, um die Ideale zu erfüllen!? Wir K. C.er stehen auf anderem Boden, wir sind bei weitem realistischer. Für uns existieren die lestteu Jahrhunderte, und wir sind nicht bloß absolute Inden und Propheten von allbiblischer Simplizität, sondern eingeborene Bürger des deutschen Reichs und leben als Preußen, Bauern, E ölner usw., und nicht a l s 51 m orit er, H e t h i t e r und Davidsb u n d l e r u n st e. r b l i ch e n An gedenk c n s. In seiner Theorie mag ja Buber systematisch sein, aber er vergißt, wie nach meinem Empfinden alle Zionisten, ein ungeheuer wirksames und tatsächlich existierendes, positives Merkmal, nämlich. daß nur, in Deutschland ausgezogen, vollkommen P r o d u k t c d e n 1 s ch er Einflüsse sind und daß die Erinnerung an die Abstammung, die Substanz, gefärbt, gewandelt und zerseht ist vom modernen Vater- und Mutterland, Und daran wird jeder Zionismus scheitern: es mag leicht und wonnig sein, von Zion zu schwärmen, aber das sind Erperimentalversuche im luftleeren Raum und unübersehbar in die Wirklichkeit. Aber wer die deutsche Sprache seine Muttersprache nennt und mit Deutschen beständig in Deutschland gelebt hat, der bleibt ein Deutscher, selbst wenn er noch so sehr überzeugt ist, Zionist zu sein. Denn was ist Zionismus? Eine Idee. Aber was ist uns Deutschland? Unsere Herrin, die uns alle gefangen hält lind die wir ebensowenig verlassen können, wie auch ein Astronom die Erde nicht verlassen kann, selbst wenn er sein Leben lang zu .den Sternen im Himmel guckt. Der Antisemitismus in der §tubcnfenfd)aft.') Von Cnrt Bürger in Berlin. Die akademische Jugend war Jahrhunderte hindurch der Ruhm der deutschen Nation, und gar manches Volk beneidete Deutschland um die Träger seiner Zukunft. Wo es galt, für nationale und menschliche Ideale zu kämpfen, da standen die deutschen Studenten in den ersten Reihen. In den eisten Dezennien des vorigen Jahrhunderts, als die politische Lage Deutschlands ihren Tiefstand erreichte und Deutschland zerklüftet und aus vielen Wunden blutend dalag, da waren es unsere Studenten, namentlich die Burschenschaften, die für Deutschlands Ehre und Macht ihr Leben und ihre Freiheit opferten. Obwohl die Burschenschaft alle Studenten umschließen wollte, nahm sie doch zu Anfang keine Juden auf. Jedoch bleibt die Frage offen — wie Dr. Bruno 28 eil“) in einer Reihe von Artikeln in den „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" ausgeführt hat —, ob es Antisemitismus gewesen ist, der den Ausschluß der Juden in die Wege leitete, oder ob nicht vielmehr die Burschenschaft noch in der alten feudalistischen Anschauung vorder Emanzipation der Juden steckte, und es ihr so gar nicht zum Bewußtsein kam, daß sie eigentlich gleichberechtigte Mit-stuckiosi ausschloß. Vielleicht war auch damals die Zahl der studierenden Juden so gering, daß man gar nicht daran dachte, sich mit diesem Problem zu beschäftigen. Die Heidelberger Burschenschaft war es, die zuerst Juden aufnahm und auch auf dem vorbereitenden Jenaer Burschentage vom März 1818 es durchsetzte, daß die Bestimmung dcs § 6 der Grundlagen der deutschen Burschenschaft, es bürsten nur Christen ausgenommen werden, den Zusatz erhielt, „es sei die Entscheidung, ob Nicht-Christen ausgenommen werden sollten.den einzelnen Burschenschaften zu überlassen". Auf dem endgültigen, konstituierenden Burschentage im Cftober 181H kam es wegen der Judenmtd Ansländerfrage noch einmal zu harten Kämpfen. Schließlich wurde aber doch der § 6 in seiner scharfen Fassung fallen gelassen, und man begnügte sich mit der ziemlich mystischen Forderung, es werde „christlich-deutsche Ausbildung zum Dienste des Vaterlandes" verlangt. Die Heidelberger Burschenschaft, die in ihrem Kampfe für die Toleranz wacker von ihren KönigSberger, Breslauer und Würzburger Kommilitonen ') Mit (rrlaiilmis des Verfassers nachgedrnckt aus dem „51 nt i f c mitenspiegct". Verlag de> Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. Berlin und Frankfurt a. M. 1911. Auslage. Preis gebunden 4 Al. iVgl. Bücherbesprechung in den K. C.-Blättern 2. Jahrgang Nr. 3). -) Licariae.

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