KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 8 (1.5.1912)
- Date
- 1912-05-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 jjgSAr^iyrsriTi.;^: i -i. - -^7r-rrrsr?:r£rr.i2sr.r:r:rrvrrrssr jsjssi^. 25.: Januar 1867 : „Was daun die Klagen über die Besteuerung anbetrifft, so faim ich daran nichts ändern. ES ist ein Akt der inneren Gesetzgebung. In ähnlichen Fällen sind das Einzige, womit man international helfen kann, die Repressalien. Die Staatsregiernng müßte also nach dein bekannten Sprichwort: Haust Du meinen Inden, l)tni' ich Deinen Inden, die russischen Bekenner jüdischen Glaubens in Preußen ebenfalls zn Hähern Stenern heranziehen." Und als im Abgeordnetenhaufe am 80. Januar 1872 katholischerseits ParitätSllagen erhoben wurden, antwortete Bismarck: „Sobald nur den Staat in konfessionelle Stiicke schneiden, so daß jede Konfession ihren oerhältniSmäßigen Anteil haben muß. so kommt auch noch die ganz beträchtliche Kopfzahl der jüdischen Bevölkerung in Betracht, deren Al e h r 5 a h l sich ja durch besondere B e s ü h i g ll n g u n d I n t e l l i g e n z für Stantsgeschäfte (!) auszeichnet." Und dieses politische Programm, die Juden auf dem Fuße voller Parität mit Protestanten und Katholiken zu behandeln, welches er von 1862—78 planmäßig durchzufi'lhren bemüht war, hat der große Kanzler auch nicht aufgegeben, als nun 1878 der Antisemitismus in Deutschland politische Organisations- und Agitntionsfonnen annahm und eine zweite „kleine, aber mächtige Partei" neben der alten Kreuzzeitungspartei wurde. E s m u m itäu ß e r st e in N a ch d r u ck betont werden, daß jeder Bersuch, Bismarck für die antisemitische Bewegung irgendwie verantwortlich zu machen, eine leichtfertige 6) c s chichtsf ä l s ch n n g ist, die nackten, dürren Tatsachen ei.nf a ch i 11 s 61 e s t di t s d) lägt! Den (üipfel auf diesem kühn ins Blane ljinansstrebenden Schwindelwege hat der berühmte Professor Cesare Kombroso erreicht. In seiner Schrift „Der Antisemitismns und die Inden im dichte der modernen Wissenschaft" (U'/Xmi^emiti.^mo e le scicnze moderne. Turin 1804, autorisierte deutsche liebersetznng vou .Kurella) schreibt der große Gründer der modernen kriminalmedizinischen Schule Eesare Lombroso (S. 18) wortwörtlich folgendermaßen: „Bismarck entfesselte (!) gegen die Opposition, in der dasIndentnm unter Lasters Führnug stark vertreten war, die in den Blassen schlummernden jildenfeindlichen Instinkte (!) in derHossnung so (!) die jüdische Zähigkeit seiner Gegner zu überwinden! . . . . Der Appell (!) des gewaltigen Staatsmannes an die atavistischen (!) Instinkte l!) der Massen erreichte seinen Zweck! Das Volk ließ sich solche Dinge nicht zwei Mal sagen! Die so angeregte;!) Bewegung nahm ihren Fortgang vielleicht schneller, als ihr Urheber (!) gewünscht hatte.Ganz ähnlich, lagen die Dinge in :— :-r- Rußland'^!)". Man würde als Kenner der neuesten deutschen Geschichte diese Sähe kaum für möglich halten, wenn man sie nicht «chwarz ans weiß lesen miißte. Und da ich meinerseits, bevor ich kriminalistische Tatbestände feflsteUe, größere Vorsicht für geboten halte, als bei große Lombroso und seine Schule, drängte e> mich, „den Grundiert aufzuschlagen"; und da fand ich, daß Kurella seinen Meister durchaus sinngemäß übersetzt hat. Und der große ruriner Eäsar, der eine Feuchte objektiver wissenschaftlicher Forschung sein wollte, bringt auch nicht eine einzige Tatsache znm Beweise seiner Behauptung bei!! Was er über Bismarck als Urheber des Hetz-Antisemitismus der >>-er und 00er Jahre sagt, habe ich hier mitgeteili! Diese Sätze sind Alles!! Es scheint, daß dem großen Begründer der modernen Kriminal Medizin einmal einige antisemitische Zeitungsnotizen aus den Oller Jahren in die Hände gefallen sind, in denen Bismarck wegen seiner antisemitischen Iugendperiode, die ich einleitend ehrlich und objektiv geschildert habe. al. lebenslänglicher Antisemit reklamiert wurde! Und schnell fertig war der große Meister mil seinem kriminaldiagnostischen Wort über Bismarck!.Tie deutsche Geschichte der 70er und 80er Jahre auch nur ein wenig zu studieren, ehe er v'-i^marck als den Anstifter (!i (..8 cate nO"- eu t fe st e l k e!> des deutschen Hetzantisemitismus brandmarkte, hat dieser Ehartatan, der im Zeitalter der Sensation und der Phrase eine neue, Jahrtansende alte Erfahrungen und Sitrengesetze nmilürzende, Kriminalistenschnle gründen konnte, nicht für seine, moralmedizinische Pflicht gehalten? Das ist Herr lombroso! Das ist kriminalm-oizinische Justiz! — In Tat und Wahrheit ist nie auch nur der Schatten, auch nur der „Anfang" eines (direkten oder indirekten »Beweises je erbracht worden, daß Bismarck der antisemitischen Beivegnng der 70er und 80er Jahre auch nur Vorschub geleistet hat. geschweige denn, daß er ihr eigentlicher „Vater", ihr Urheber und Anstifter geivesen ist! Kein einziges Wort, leine einzige Handlung, welche in diesem Sinne gedeutet werden könnte, läßt sich Nachweisen? Ist Kombrosos dreiste Behauptung, Bismarck sei der „Urheber" der neuesten antisemitischen Bewegung in Deutschland gewesen, eine Verleumdung von kolossaler Frivolität, so ist auch die immer noch oft zn hörende mildere Behauptung, Bismarck habe jene Bewegung gefördert, lediglich eine, h i st 0 r i s ch e K e g e n d e , die sich „sortschleppt" „von Geschlecht zu Geschleebt". In Tat und Wahrheit hat Bismarck die von den antisemitischen Agitatoren Förster. Treitschke und Genossen 1880 eingereichte Petition, gesetzliche Maßregeln zur Einschränkung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden zu ergreifen, ein-