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Ben Chananja · 1865-02-08 · 6 (8.2.1865) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
8 (1865)
Issue
6 (8.2.1865)
Date
1865-02-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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96 96 Hauerwarb, für 300 Thaler Porzellan aus einer könig, lichen Fabrik kaufen! Nach der h. Schrift gab eS nicht nur im Stamme Juda Familienzünste, sondern auch unter den Priestern und Leviten. Dielelben verfertigten die zum öffentlichen Kultus erforderlichen Parfümerien, sowie daS zu gleichem Zwecke nöthige Gebäcke (1 Chron. 9, 30—32). Unter de» letzten HaSmonäern erwarb sich die Familie AbteneS durch ihre Parfümerie, die Familie Garmu durch ihre Gebäcke einen bedeutenden Namen; diese Familieninnungen ließen sich aber nicht bewegen, das Geheimniß ihres Verfahrens zu veröffentlichen oder Andern mitzutheilen. Um diesen Monopolgeist zu bestrafen, ließ die Tempelverwaltung Konkurrenten aus Alerandrien nach Jerusalem kommen; die Alerandriner mußten aber beschämt gestehen, daß sie nicht im Stande sind, sich mit den einheimischen Parfümeuren und Bäckern zu messen. Der,Rohstoff wurde den Parfümeuren und Bäckern von der Tempelverwaltung geliefert. Die Frauen und Töchter der crsteren machten daher, wie der Talmud berichtet, nie, malS von Parfüm Gebrauch, um dem Verdachte zu begegneu, als streckten sie ihre Hand nach den Spezereien des Tempels auS. AuS gleichem Grunde verzichtete daS HauS Garmu auf den Genuß dcö weißen DrodeS. Manche Schriftauöleger finden noch zwei Familien- Innungen in der Bibel (1 Chron. 2, 55׳); nämlich Schreider und Silberarbeiter. Andere Eregeten hatten die bezüglichen hebräischen Ausdrücke, Soferim und Kinim, für eigene Namen. Für den Gegenstand unserer Betrachtung ist eS vollkommen glcichgiltig, ob die Zahl der Familienzünste größer oder geringer war; ihre Eristenz kann nicht in Frage gestellt werden. Der Kreis der Familieninunngen erweiterte sich im Laufe der Zeit, indem sich bald mehrere Familien gleichen Gewerbes mit einander verbanden, bald wol auch fremde Elemente in den Schoß der Familienzünste ausgenommen wurden. In Alerandrien, wo von PtolomänS Lagi eine große Anzahl von Juden ausgenommen und mit dem Bürgerrechte bekleidet wurden, scheint sich daö industrielle VereiuSwescn am meisten entwickelt zu haben. Die Alerandrinischen Juden zählten viele Metallarbeiter und Weber. In der großen und Pracht, vollen Synagoge AlerandriaS, welche man Basilika nannte, waren folgenden Gewerben besondere Plätze angewiesen: den Goldarbeitern, den Silberarbeitern, den Schmieden, den Kupferschmieden und den Webern. Der fremde jüdische Ar, beiter, der nach Alerandrien kam, brauchte sich nur anseine GewerbSgenoffen zu wenden, »m sogleich Arbeit und Unterkunft zn finden. Viele Metallarbeiter auS Alerandrien ließen sich in Jerusalem nieder, und sie scheinen daselbst eigene Synagogen besessen zu haben. Die Synagoge der Kupfer, schmiede wird ausdrücklich erwähnt. Von einem Zunftzwange ist in den talmudischen Ge, seye'Ssammlungen keine Spur; wol aber lehrt ein berühmter Schristgelehrter deS dritten Jahrhunderts, daß der Sohn stets bei dem Gewerbe seines DaterS bleibe. Er sucht dies sogar auS der Bibel zu deduziren. Die Zünfte waren mit verschiedenen Privilegien auSgestattet. Den Innungen der Wollspinner und Färber stand eS frei, sich zu Kompagnien zn verbinden, um beim Einkäufe der zn Markte gebrachten, ihr Geschäft betreffenden Artikel ein Monopol auSzuübea. Die Bäckerinnuvg durfte nach ihrem Belieben die Reihenfolge festsetzen, nach welcher die Meister ihr Gewerbe auS« , üben sollten. Daß die Innungen ihre Vorsteher hatten, läßt sich vorauösetze», von einem Zunftmeister der Weber ist im Talmud ausdrücklich die Rede. Sonst galten die Weber für eine verächtliche Volksklaffe, was selbst in einigen talmudischen Sprichwörtern anSgebrückt wird. Die mittelalterlichen und die im Geiste des Mittel« alterS vorgehenden Zünfte fchkoßen die Juden auS ihren Kreis auS. Man darf sich darüber nicht wunder». Selbst nach der Reformation, mit welcher so viele Geschichtsbücher die neue Zeit beginnen lassen, fehlte eS weder an katho. lischen Zünften, die ihren protestantischen, noch an protcstantischen Zünften, die ihren katholischen GewerbSgenoffen den Eintritt in ihren gewerblichen Verein nicht gestatteten. Ja, selbst gegen die eigenen Glaubensgenossen pflegten die Mit, glkcder der Zünfte engherzig vorzngehen. Die Schneiderzunft in Lyon petilionirte einst um die Befugnis;, die JnkorporationSgebühr erhöhen zn dürfen, und motivirte ihr Gesuch folgendermaßen: ״ES ist leicht einzusehen, daß die Vcrmch, rung der Znnstrechte den Eintritt in die Zunft erschwert. Dadurch vermindert sich die Zahl der Meister, so daß die, selben bequemer leben können." Eine sehr aufrichtige Motivirung! DaS Zunftwesen in nuserem Vatcrlandc bcsprechend, sagte FöriyeS 1813: ״Der auö dem AuSlaude in unser Vaterland eingewanderte Handwerksgeselle gehört selten zu den Tüchtigeren in seinem Fache, indem der Tüchtigere oder Fleißigere in seiner Heimat oder in anderen gebildetcren Ländern Beschäftigung und Arbeit genug findet. Hat sich der Eingewanderte im Laufe einiger Jahre ein kleines Kapital erworben, — waö ihm bei einiger Sparsamkeit leicht gelingt, — richtet er fein ganzes Streben dahin, daß er alö Meister einer Zunft angehvre. Hat er dieses Ziel mit schwerer Mühe erreicht, sucht er selbst im Einverständ-. nisse mit seinen Genossen, die Aufnahme eines neuen Mit» gliedcS in die Zunft mit aller Gewalt zn verhindern." Da die Juden in die christliche» Zünfte durchaus nicht ausgenommen wurden, bildeten sie eigene jüdische Zünfte. Die Prager jüdische Metzgerzuust hat sich!618 bei der Vcrlheidigung Prags gegen die Schweden so sehr auögezeichnet, daß sie daS Privilegium erhielt, eine eigene Fahne zu besitzen. In Lemberg haben die jüdischen Metzger eine eigene Synagoge, wie einst die Alerandrinischen Kupferschmiede in Jerusalem eine eigene Synagoge hatten. In einer der größten Synagogen LembergS sind große Tische angebracht, au denen je eine Innung Platz nimmt; der Talmudkundige erinnert sich beim Eintritte in diese Synagoge sogleich an die einstmalige Basilika in Alerandrien. Auch in unserem Vaterlande haben sich au manchen Orten unter der Protektion der Grundherren eigene jüdische Zünfte gebildet Die Gewerbthätigkeit unserer Zeit ist so beschaffen, daß an die Stelle der veraltenden Zünfte andere gewerbliche Vereine

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