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Ben Chananja · 1863-06-04 · 23 (4.6.1863) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
6 (1863)
Issue
23 (4.6.1863)
Date
1863-06-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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381 382 kaß eS nur dreierlei Arten von Wahrheiten gebe, solche, von welchen sich der Sinneneindruck Ueberzeugung verschafft, solche, welche die Wissenschaft durch Gründe feststellt, wie die der Mathematik und Astronomie, und endlich solche, welche tie Offenbarung und die Profetie beurkunden. Wer darüber hinaus etwas fir wahr hält, von dem gelte der SchrifwerS: ״Der Tbor glaubt jedes Wort." Die Astrologie streife an Götzendienst und habe mit zu den Jrrthümern gehört, die den Sturz des jüdischen Reiches herbcigeführt. Die Astrologie sei ein Baum, auS dem die verschiedensten abergläubischen Meinungen wie Zweige hervorgehen. ״Ich rathe euch aber, so schließt das Sendschreiben, hauet den Baum um und reißet die Zweige nieder, pflanzet dann an seiner Statt den Daum der echten Erkenntniß und erquicket euch an dessen Früchten, dann wird auch der Baum des ewigen LebenS«) euch erfreuen!" Aber so entschieden auch Maimuni gegen die astrologischm Bestrebungen seiner Zeit ankämpste und wie laut auch der Wiederhall sein mochte, den dessen Worte in den Herzen vieler Erleuchteter geweckt, wie wir dies z. B. an dem Dichter! Jchuta Eharisi sehen, der in seinem Makamenwerke ״Tachkemoni" auch die Astrologen und ihre Bestrebungen zur Ziel- > scheibe seines SpotteS macht 7), oder an dem verdienstvollen ' Jctaja Bedaresi, der in seinem bekannten ״VertheidigungS-! schreiben" eS der Filosofie auch als eines ihrer größten Verdienste anrechnet, die Astrologie in ihrer vollen Nichtigkeil erkannt zu haben: so hatten sich dennoch selbst bei den ausgezeichnetsten Geistern der nachmaimuuischen Jahrhunderte astrologische Begriffe nicht ganz verloren, wie sich dies in den Schriften Nachmani'S, den Aderet'S, Levi ben Gerson'S, Jsak Arama'S, Abravanel'S und selbst bei dem geistsprndelnden Dichter Immanuel Romi bekundet. Schem-Tob Falaquera — der Mann, der das Verdienst hak, die Gabirol'sche Filosofie bis auf unö erhalten zu haben, ebenso wie er durch seine gründliche Kenntniß des Arabischen einen sehr brauchbaren Eommeutar zu Maimuni'S ״Führer" hinterlassen — erhebt sich so weit, daß er die meisten Angaben der Astro« logie für unbegründet erklärt^), woraus hervorgeht, daß er mit dieser Afterwissenschaft gänzlich doch nicht gebrochen. Einer der bedeutendsten ReligionSfilosofen der nachmaimuuischcn Zeit, EhaSda KreSkaS, stellt die Gründe, die für und die gegen die Astrologie sprechen, einander gegenüber, findet jedoch zuletzt die erstem überwiegend, indem er die letzter» widerlegt. Die einzige Concession, zu der sich nach ihm die A. verstehen muß, besteht darin, daß der Mensch, unter der Vorsehung GotteS stehend, von dem Einflüsse der Coustellarion befreit werden könne. — Selbst dessen geistvoller Schüler Aldo, der in seiner Schrift Jkkarim ein sehr instrnklivcS Kapitel über Astrologie hat, darin die Spielereien dieser trügerischen Kunst klar nachgewiesen werden (IV, 4), scheint am Ende ihr dennoch nicht alle und jede Berechtiguug absprechen zu wollen. Wir nennen hier nochmals den hier schon mehrfach erwähnten Namen des scharfsinnigen Kritikers Asaria dei Roffl, der mit zu den entschiedensten Gegnern der Astrologie zählte, nennen aber zugleich als Gegensatz einen jungem Zeitgenossen und Landsmann desselben, der aber bei seinem sonftigen Rationalismus dem astrologischen Wahne noch fest anhing. Leo da Modena war sein Name. Dieser höchst eigenthümliche Mann voll Widersprüchen, der in seinen Schriften gegen jede Art von Mystik loSzog, während er in Verfertigung von Amuletten und andern Geheimmitteln Unterricht ertheilte, ebenso wie er in der PrariS den frommen Rabbinner machte, während er alS Schriftsteller über den ganzen RabbiniSmns den Stab brach, hatte sich auch, nachdem er ein geistreiches Buch gegen daS Kartenspiel geschrieben — eine Schrift, die Carmoly (Brüssel 1844) inS Französische übersetzte — der Leidenschaft des Spiels derart hingegeben, daß er derselben stets seinen letzten Heller zum Opfer brachte, doch für dieses unsinnige Verfahren die Enschnldigung vorbringend: Ja, so bat'S mein Ste rn mir bestimmt, ich kann'ö nicht ändern 9). — Wir dürfen übrigens nicht vergessen, daß dieser Mann der Sohn eines Jahrhunderts ist, in dem es dem Kardinal Barberini (im I. 1623) durch eine astrologische Finte gelungen ist, die päpstliche Tiara zu erlangen. Während deS ZugeS inS Eonklave hatte dieser nämlich eifrig die Sterne beobachtet und plötzlich seinen College» mit großer Bestürzung verkündigt, daß der jetzt zu wählende Papst (nach dem Tode Gregors XV.) nach der Konstellation nicht 6 Wochen leben werde. Alle scheuten sich nun vor der gefährlichen Würde und einstimmig wurde Barberini gewählt, der dann als Urban VIII. 20 Jahre lang den päpstlichen Stuhl eiunahm. — Ebensowenig kann cS unS befremden, den Schüler Tvcho de Brahe'S und verdienstvollen Geschichtschreiber David GanS, alS einen Zeitgenossen nnd Landsmann WallenstciuS, von astrologische Jrrthümern befangen zu sehen. Anmerkung,». ') Drgl. Geizer'- wiffcnschasll. Zeitsch. für jnd. Theologie I. 427. ’) EheSbon Ha-Jbbur, abgctnufi in Dibre ^hachannw Le« lZlie. fit tutuufU. *) S. Geiger a. a. O. *) In der Briessauimlnng Nr. 3 sagt M. von sich mit Bezug auf die Asirvlogit. כמדומה לי שלא נשאר לי בעולם □סר בענין זה בלשון ערבי אשר העתיקו אותו משאר לשונות עד אשר קראתי והבנתי בו וירדתי ער סוף דעתו• *) Mischna - Eommeutar Synhedrin cap. 10; Mischna Thora bilch. Akum 1t. 8; More M. 37; Acht. Abschn. cap. 8; Igg. Teman. Briefsammlung a. a. O. *) Wahrscheinlich eine Anspielung auf die bekannte maim. Nu- AerblichkeitStheorie. '1 port» 22.

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