Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 21 (20.5.1863)
- Date
- 1863-05-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2542917-2542918-2542940--3131-3522470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
373 374 Stock schlägt dir HLadr üirr den Kops zusammen: ״Wir. ,in Pflaster, Irtttt alt Geschichtsforscher? <5m Grschichtschreiber ohne Bücher, ohne Manuskripte, ohne dir unrntbehrlichrn Folianten in angrranchten blaß, gelben Pergamente«, ohne dir rhrwürdigr Ä«cortr von alten und neurn Filosofen aller Nationen und Zungen, ohne Großvater Hervdet. ohne TaeiiuS, Livlu«, Menzel, Geätz, ,c. ec."? — Und mein Nachbar recht«: ״Wir, ein Stubengelehrter ohne Stube, ein vagabundirender Diogene« ohne Faß? Sind Sie je in den Sckacht gekommen, in dem der Gelrhrte, dieser fleißige unermüdliche Bergmann, seine goldenen Ideen an« Tageslicht fördert? Haben Sie, mit einem Worte, je eine Studirstubr besucht? Haben Sie aber eine gesehen, wie können Sie überhaupt den Gelehrten von dem ihm unentbehrlichen HauSratbr trennen? Wohin Lenken Sir sich den allen, erichg,polsterten Lehnsessel, der jahrelang die Last de« vielbewegtkn Gedonkenatelier« auf feinen Schultern trägt; wo- Heu sein würfelförmige« Tintenfaß au« der guten alten Zeit, au« dessen tiefem Decken seine neugedornea GeisteSkinder ihre fichtbaren Namen erhalten? Endlich dir große Tabalicrc. mit welcher der Filvsof von Zeit ju Zeit seine bunte und wirre Jceenschaar in Reih und Glied steflt? Gemach, edle Herren, e« ist so buchstäblich nicht zu nehmen, und der Pflastertreter will seine Prälrnflonrn nicht höher stellen, als es sein ärmliches Wissen erlaubt, aber er lebt nun einmal in Paris, der koloi'- saleii Werlstättt der modernen Geschickte nnd wenn er es nicht verschmäht, deren Schnitzel vom Boden ausziiheben. so kann er sich nach »»d nach berrichcr», wie einst Uliscr Lehrer MoieS durch die Abfälle der Luchoth reich geworden. Wo sonst, wie hier, erleiden die Menschen und die sic umgebenden Dinge schnellere und unerwartetere Verändcrangen — nnd das ist ja eben das eigentliche Element der Geschichte - als in der niemals ruhenden, ewig regen. i!1 stetem Taumel lebenden Weltstadt? In Paris liegt zwischen gestern und beute ,in Zeiladschnitt. der wegen seiner mannigfachen Eecign ssc nicht mit Stunden, sondern mit Jahren bemessen werden sollte׳, der gestrige Tag ist alte Geschichte. Wozu also nach Materialien erst graben, wenn sie aus dem Bode» hcriimliegeii? dann: ״Kan» ich mich nicht mehr beanemen ״De» Spate» in die Hand zu nehmen." Endlich sollen diese Zeile» gar nicht gründlick gelehrt, und deutsch: ״» Gcgknthcile oberflächlich, leicht, gefällig, mit einem Worte franzöfisch sein. Gelrhrte Kraftbrühen, wissem'chasilichc Ragout», saftige und nahrhafte Speisen, wrrden den geehrten Lesern dieser Blätter von ge. schickten Köchen verabreicht-, wir möchten nun zur Vrevollstäudrgung der Tafel das Dessert liefern: Obst, biscuit xl.uoö, Aphikoman, was dir Saison eben sprndet, ii» Nothsalle sauere Arpsrl und in den Hundslagen trockene Pflaumen. Wie werden wir uns aber neben den gcschätz- ,en Milardcller» dieser Blätter und in sc vornehmer Gesellschaft ansnehmen? Neben den unermüdliche» Arbeitern, die alnck fleißigen Oelo- ״oiilen, die schweren Garben ihrer Saatrusrldrr, ׳die segensreichen Protukte ihrer geiflvollrn Forschungen zu Markte bringen, neben diesen Koriphäen werten wir uns wie ein armer Marktschreier au-nedmen, deren man so viele aus den hiesigen Boulevards siebt, die ihr lämmtlicheS Waarenlager zwischen Daumen und Zeigeflnger heeumtrageo. ״Cinq crayons pour un »au», Messieurs, cinq pour un Da» schreckt un« jedoch in unserem Dorhadro nicht zurück, denn m gewissen Fällen sind die schwer bewaffaetea Kürassiere, auS strategi« ichen Gründen, die wir weiter nicht erörtern «ollen, g״ mchl zu verwenden, wo hingegen die leichte Kavallerie ganz vor-.effliche Dienst, leistet. Dies möge jedoch den sriedlichea Lejer dies״ e nicht irre führen, denn daß wir ,« nur glrich sagen, wir find gar n,L, kriegerisch grstimmt, und wrno dir verrostete Stahlfeder ou« dem Zeughaus, hervorgesucht wird, um blank gescheuert und zugespitzt zu werden, so wird die« den Frieden Europa« keinesweg« bedrohen, denn «» ist nicht« «I« eine Vorbereitung jn einer großen Revue. לום שלו□ לרחוק ולקרוב®! ©ott sei Dank.' die unvermeidliche Einleitung wäre übrrstaadr», nutz der freundliche Lekrr wird bemerkt habe», daß r« un« heut, nur darn» zu thun war, bei ihm unser, Disickart, abzugeben. Sollten wir frruad.!ich, Aufnahme sinden, so kommen wir nächsten« wieder einmal, a» ihn zu rinem Aiisstuge einzuladeu. Wir wollen dann auf jütischem Bode» pflastertreten. koui« Schnabel. If. Hamburg, 2. Rai. Gestern Vormittag fand im ueueo israe« litischen Tempel!in von den Mitgliedern der Gemeind,, Männern iiab Frauen, sehr zahlreich besuchlrr TrauergotteSdienst zu Ehren de« jüngst verstorbenen Obeeg.richlSrath, Dr. Rieffer stall. Nach der gewöhnlich״ Sabbalki-Lilurgie wurden von Gemeinde und Eher die Wechselstroph״ de« von Müller nach dem l 5. Psalm grdichletrn Liede« gesungen: ״Wrr kann würitg Gott der Ehre' ic. ,0. (Ne. 210 drneuen Gesangbuch,»). Hierauf bestirg Herr Prediger Dr. Frankfurter dir Kanzrl und gab i» eitlem Dorteage voll Geist und Weihe eine Würdigung der seltenen Tagenden des Abgeschiedenen und seiner großen Verdienst, um bi, Fördernng d,r Rechte seiner GlanbenSgcnoffen, wie um die der allgemein״ vaterländischen Jiitcreffen des deutschen Volkes. Mit Zugrundelegung des Bibelwortes Jrs. 3. 10: ״Verkündiget den Gerechten Heit, denn dt, Frucht ihrer Werke werden sie genießen" machte er die Frage ״Wa« - war 11ns Riester?" gleichsam zum Thema der Betrachtung und bezeich- . 1Kt< in Beantwortung tcrselbrn als Ziel der Bestrebungen, Gedanke» und tliitcenchmnngen des Verewigten in erster Reihe die Befreiung Lee Juden vom Ausnahmegesetz und dir Bannung de« Dorurthril«. als ob der Jude im Vaierlandr vaierlands'.oS und bei aller Lieb, zu jenem des derwiven rniiprcchcnven hehren Gefühl« bar sei. Bon; frommen, wohlhabenden, liebevollen Eltern geboren und erzogen, von > Natur reick begabt und in einer großen Zeit fick entwickelnd, wo Frei« heet. Recht und Vaterland von Neiiri» di, Geister bewegten und zu Größt«,atcu entstammten. machte Ricsser seinen Weg schnell und glücklich durch Schule und Akademie. Al« er aber wieder heiinkehe»,, sah er die Leiden seines Volkes mit gelläetc», Auge, mit geschärftem Blick. ..Wohin er kam, sah u da» tSIiiit seiner Brüter" (2. Mos. 2. 11) Wie Jakob aus trr Rückkehr r»r Heimaih mit dem Starken, so rang er in altickem Fall mit der Macht der ״och «» Kraft stehenden alten, lähmeiidrn Geietze. Ine Würdigung dieirS Kampfes entwarf der Redner ei» lebhaftes, wahrheilSgetrelic» Bild von rem »»erquicklichen Zustand,, in welchem damals die Inden »och i» Deuischlaud und vielen auderu Ländern ickniachlctrn und wobei sie meist nur ans;usäliige Sympathie« und Anlipalhlkn oder aus andere außer der Sache lirgcud« Jntereffr» angewiesen waren, und führte dann umständlich aus, wir es Rieffer'« Verdicnst sei, di, Judensrage an« dem schwankenden und oberflächliche« Bote» der wechselnteii Zu- und Abneigung heraus vor da« Forum rri« rechtlicher Erwägung und Entscheidung gebracht zn haben. Es wurde dabei ler Schriften und periodischen Blätter gedacht, dir Rieffer für diesen Zweck versaßt »nd herausgegebeu hat, wi, der reichen Aaerkeoni>ng und Au»zcich»»»g, die ihm zu Thcil geworden. Jndrß war Rieffer nicht nur Jude, sondern zugleich Deutscher ״vom Scheitel bi« zur Zthr". und so stand sein Name hoch in der Achtung aller wahr,« V«. »,rlandssreundk und glänzte bald unter denen der Gefeiertsten der Ra« tioo. In tirsrm Sinne ward aus seine Stellung nnd Wirksamkeit i» deutschen Parlament verwiesen, daß ihn zu rinem sriuer Vorfltzead״ erhob, aus seiue thätizr and rrsolgrriche Theilnahmr an dem Berfas« sungskamps in Hamburg, auf seine Berufung in die Bürgerschaft nach erfolgtem Siege und auf seiue Wahl zum Mil-Peäse« derselbe«. De« größten Tklnuiph aber friert, dir von ihm versochtroe Sache uod er selbst, als das Vertrauen des Senat« ihn am 17. Oktober 1861 zu« Mitglied de- Odergerlchteernannte. ״Daß aber" bemerkte der Rrdoer