Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 21 (20.5.1863)
- Date
- 1863-05-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2542917-2542918-2542940--3130-3522469- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
371 372 gknd hktMögegeben, und ein ungarisches Jahrbuch für Jsraeliten gegründet, das in Verbindung mit einem Kalender erscheint. Mit Vergnügen heben wir hervor, daß der Redak« teur, die Hauptmitarbeiter und der Verleger deS einzigen ungarisch-jüdischen Wochenblattes zu den Mitgliedern unseres Vereins zählen. Der Aufforderung der ungarischen Akademie der Wissenschaften in Betreff genauer statistischer Daten über die Juden in Ungarn entsprach unser Verein, indem er ein hierauf bezügliches Zirkulär an die Gemeinden richtete. Die Hauptaufgabe, die sich unser Verein gestellt hat, ist dieGründung einer ungarisch-jüdischen Literatur. Dadurch würden auch unsere nichtisraelitischcn Mitbürger von den Schöpfungen deS jüdischen Geistes genauere Kunde erhalten. Durchdrungen von der Wahrheit deS Salomonischen Spruches: ״Gottesfurcht ist der Anfang deS WissenS (Spr. 1, 7) strebt unser Verein allen Eifers dahin, die heilige Schrift ins Ungarische zu übersetzen. Wir besitzen noch keine ungarische Bibelübersetzung zum Gebrauche für unsere Kinder, und unser Verein hält eS für ein dringendes Gebot der Zeit, diesem brennenden Bedürfnisse abzuhclfen. Wir verhehlen unS keineswegs dir Schwirrigkeit dieses Unternehmens; aber gelehrte und angesehene Nabbinen unseres Landes vereinigen sich mit unS, um unsere geringen Fähigkeiten kräftigst zu unterstützen. Durch eine demnächst zu eröffueude Subskription hoffen wir zu den Mitteln zu gelangen, unter dem Beistände Gottes eine tutgarische Bibel hcrauSzngebcn, zur geistigen Labsal unserer Kinder und zur Verherrlichung unseres ewigen Glaubens. Herr Baron'. Nach den Statuten unseres Vereins wählt tie Generalversammlung hochverdiente und hervorragende Männer unseres Stammes zu Ehrenmitgliedern. Wir würden unS sehr beglückt suhlen, wenn Sie unS gestatteten, die Namenreihe rmserer Ehrenmitglieder mit Ihrem erlauchten Namen schmücken zu dürfen." Sir Moseö Montefiore antwortete hierauf: ״Zu meiner Freude mache ich die Wahrnehmung, daß die Israeliten, wie allenthalben in Europa, so auch in Ungarn, ihren andersglaubenden Brüdern an geistiger Befähigung und Bildung nicht nachstehen. Der Erziehung der Jugend, aus welcher die ganze Zukunft ruht, ist besondere Fürsorge und Aufmerksamkeit zuzuwendcn. Besonders freut eS mich, daß die Juden mit den edlen Magyaren iu so holdseliger Eintracht leben. Ich gratnlire dem Vereine zu dessen religiös-nationalen Be« strebungen. Die Ehrenmitgliederschaft nehme ich mit warmer Dankbarkeit an. In London werde ich mir die übergebenen Druckschriften vorlesen lassen, und mich in brieflichen Derkehr mit dem Vereine setzen." Hierauf ließ sich der gefeierte Gast die einzelnen Mitglieder der Deputation vorstellen, und sprach bei dieser Gelegenheit von dem Vertrauen, dessen sich die jüdischen Aerzte erfreuen und von dem veredelnden Einflusse, welchen dieselben auf die Gemeinden auSüben. Vor dem Abschiede richtete Dr. Pollak noch folgende Worte an Sir MoseS: ״Seien sie versichert, Herr Baron, daß unS die Augenblicke, die wir in Ihrer Nähe verlebten, unvergeßlich bleiben werden. Klingt unsere Sprache ander-, als die unserer andern Brüder, so schlagen doch unsere Herzen mit gleicher Wärme für die Ehre unserealten, angeerbten Glaubens, für den unsere Väter Jahrhunderte hindurch so viel gelitten und so muthig gekämpft haben. Mit allen unseren GlaubeuSbrüdern theilen wir aber auch den Wunsch, daß Ihnen der Himmel noch viele Jahre eine un getrübte Gesundheit schenke, und Ihr thcures Leben noch lange erhalte zur Ehre unseres Glauben- und zum Stolze aller Israeliten*)"! Korrespondenz- Ausland. Paris, 11. Mai. (Aus dem Notizcnbuche eines Pariser Pflastertreters I.). Emc angenehme Beschäftigung ist da- Psia stcrlrcte», wenn mit den Beinen auch noch der Kopf in Bewegung gesetzt wird. Mit einiger Beobachtungsgabe, etwa- Poesie und don seos lern» man die Welt und die Menschen, ohne Anstrcngnng, fast spielend, genaucr kenne», als man dies aus tausend Büchern erfahren könnte. Pariist eine immense Bibliothek, seine breiten gradlinigen Straßen, lange Bücherreihe»; jedes Ha»S ein Band in Folio; die mit vergoldeten Buchstaben zierlich übcrschricbenen Häutcrsacaden sind die Titelblätter, oder vielmehr die Bändcrücfcn dieser Monstrebücher; BoltinS Almanach mit seinen 500,000 Adressen ist der wohlgeordnete Bücherkatalog; eodlich der Seinc-Präsekt der EustoS dieser Ricseubibliothek. Um in diesen Werken mit Nutzen zu studircn, braucht man nur in den Straßen herumzuschleiiber» , die Illustralionen kommen gespenstig leibhaftig an un« vorüber, und wir selbst mache» nur dr» Tert und die Noten dazu. Ist eS aber wahr, wie Borne sagt, daß jeder Stein iu Pari« ein Stück Geschichte enthält, so ist ein Pariser Pstastertreter aus dem besten Wege, ein großer Geschichtsforscher zu werden. Wir hören schon alle geehrten und gelehrten Nachbarn iu eiu homerisches Gelächter anSdrechen. Der gelehrte Herr da oben im ersten •) Dieser Tage langte in Pest ein an- BaziaS vom Bord de« EilschisseS datirtcS Schreiben dr- Baronet Sir MoseS Montestore an die hiesige Firma Stein Hirsche! u. Comp. an. Der Herr Barone! dankt in demselben für di» freundlichen Leistungen de« gruaunten Hause-, welches in Pest seine Geschäfte besorgte, ferner für die ,hm «rwieseneu Ehrenbezeugungen der verschiedenen Deputationen und schließt mit dem Ersuchen, ihm die tm Name» de- ״Israelita Magyar Egylet" durch Herrn Dr. Pollak iu englischer Sprache vcrgetragene Rede, sowie auch die französisch gesprochenen Worte de« Herrn Jakob Kern al« Präses deisraelitischen Handwerkerverein« in Abschrift einzusendeo, da er den Wunsch hegt, selbe zum Andenken an seinen Pester Aufenthalt auszubewahren. Dir gegenwärtige Reise M. MontefioreS hat den Zweck, beim Sultan dir Erneuerung denur für einen bestimmten, bald zu Ende gehenden Zeitraum gegebeneu FermanS, der den Juden Grundbesitz gestattet, zu erwirken.