Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 6 (1863)
- Issue
- 21 (20.5.1863)
- Date
- 1863-05-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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373 374 Eigennutz« »ntfitnt* Wünsch» te«fc«n gewiß erfüllt wrrbea. und au« tes jüdischru Maffafonde ,»wächst »iu neuer, ui» v»»gäoglicher Fond. Pest, 23. Mai. Bei Gebe. Pollak ist da« wohlgetroffen, Porträt Dr. Ignaz Hirschler'S erschien»». Den zahlreichen Verehrern H.'S wird diese Nachricht sicherlich höchst willkommen sein. M. Thcreflopel, 17. Mai. Vorgestern wurde einer der de, firn jüdischen Evmuafialschüler, Jona« Schwarz, zu Grabe bestattet. Da« Prcsessoren-Collegium, an dessen Spitze der geniale und edle Paul Jilmbor, folgten der Leiche. Oberrabbiner Kutna hielt eine ergreifende Leichenrede. Literarische Anzeige. Zur Würdigung de« Verfahren« von Grätz bei der Bearbeitung feiner Geschichte der Juden. Don Dr. M. Wiener. Daß Lob und Deifasi nicht immer vortheilhast wirken, ist eine bekannte Erfahrung, die sich leider anch bei Herrn Dr. Grätz nur allzu ichr bestätigt findet. Al« derselbe nämlich vor zehn Jahren mit dem vierten Baude seiner Geschichte der Juden vor da- Publikum trat, wurde ihm in Rückficht auf die Verschiedenheit, welche sich zwischen seiner Darstellung der jüdischen Geschichte und der von Jost mehr als dreißig Jahre zuvor versuchten, kundgab, wohlverdienter Beifall zu Theil» der indeß mehr der Form, als dem von Dollkommeuhcit gar weit entfernten Juhalie galt. Anstatt nun in dieser Anerkennung einen Sporn zu gründlicher Forschung zu finden und sich zu bestreben, in den folgenden Vänden seiner Geschichte Form und Inhalt möglichst im Einklänge erscheinen zu lassen, erfüllte ihn der ihm gezollte Beifall mit einem Dünkel und einer Selbstüberhebung, die aus dem Gebiete der historischen Literatur ohne Gleichen dasteht. Eine ziemliche Portion diese- Dünkels vcrrieth er zwar schon in dem zuerst veröffentlichten Bande, wo er unter den um dir Bearbeitung der jüdischen Geschichte verdienten Männern Jost nicht cuimal erwähnt, dem, mag man über seine ohnehin später geänderte '.1>,schau,!»gsweise denken, wie man will, doch iiiibcstriltcn der Ruhm bleibe» wird, der erste Historiker in Deutschland gewesen zu sein, der die gesaww.tr jüdische Geschichte so umfassend darzustcllen versucht hat. Den Höhepunkt aber erreichte Grätz's Anmaßung in dem fünften Bande seiner Geschichte, wo er nicht allein sagt. daß cr Jost'ö Geschichte des IudcnthumS nicht benutzt habe, weil er fich nur an primäre Quellen halte, lwic es um diese primären Quellen bestellt ist, werden wir später sehen), sondern sogar fich nicht schämt, in Beziehung auf den gründlichsten Kenner und geistvollsten Bearbeiter der jüdischen Literatur, den er noch 1853 neben Rapoport einen genialen Kritiker nennt, der durch tiefemgehende Gelehrsamkeit und glückliche Combinalion nicht nur rine Menge neuen GcschichtSstosse« zu Tage gefördert und flüssig gemacht, sondern vor Allem den Weg gezeigt habe, wie man die zerstreuten Atome der jüdischen Geschichlr zu einem einheitlichen Ganzen, die farbigen Steine zu einem Mosaikbilde gruppiren könne, dir Aeußernng zu thun. ״Dr. Zuriz'S mehr verwirrender, als aufhallcnder Notizenkram und dürre Nomenklaturen haben meine Arbeit nur wenig gefördert." Sollte man wohl glauben, daß zwei einander so entgegenstehende Nrthelle aus der Feder eine« und desselben Mannes geflossen find und darf man einem sich so sehr widersprechenden Manne ein auch nur irgendwie lompktenle- Urtheil zutrauen? Und wofür ander«, als für die höchste Arroganz kann »S gellen, wenn er trotz seiner Versicherung, daß ihm wissenschaftlich begründrte Berichtigungen nur höchst willkommen sein werden, nachdem gegen seine Behauptungen von den verschiedensten Seiten die begründetsten Ausstellungen gemacht worden fiud, dieselben turchau« nicht beeückiichtigt. geschweige denn widerlegt? Wenn er dir Angriffe von Seilen einer ereenirischen Richtung keiner Abwehr würdigte, io konnte er fich allenfalls hinter dir Phrase von einem ״ketzerrirchenden Klausner" flüchten; womit will er e« aber entschnltigen. daß er auf bi« viele» von Jost gerügten Unrichtigkeiten iu brr zweiten Auflage de« dritten Bande« mit keinem Worte eingeht? Ist die« nicht der sicherst« Beweis für seine Einbildung von der Unübertrefflichkeit und Unantast» barkeit seiare Leistungen? Sin Mann aber, dem es noch begegnen kann, daß er, wie Geiger nachgewieseu hat, beim Abdrucke rine« hebräischen Gedicht« den barsten Unsinn macht und gar nicht zusammengehörig» DerShälsten mit einander verbindet, hat, wie ich glaube, zu einer sol» chen Selbstüberschätzung nicht die entferntest« Veranlassung. Es konnte natürlich nicht fehlen, daß sein Dünkel in der Fortsetzung seiner Arbeit die nachtheiligsten Früchte trug, und anstatt eines Fortschritte« gewahrt man Mängel, die bei!edem Literaten, insbesondere aber bei einem Ge» schichtsch-eiber schwer wiegen. E« find die« namentlich Parteilichkeit. Oberflächlichkeit und Ungenailigkrit, nnabläffigeS Haschen nach Neuem, Geschichlsmacherei durch Aufstellung barokcr Hypothesen, mangelhafte Benützung oder Auffassung der vorhandenen Quellen, vor Allem aber unter dem Scheine selbstständiger, gelehrter Forschungen nur allzuhäufig begangene Plagiate. Damit indessen diese Vorwürfe nicht zu hart oder gar au« der Luft gegriffen erscheinen, will ich in dem Folgenden die Belege dafür liefern, wobei ich, um nicht eine ganze Broschüre schreiben zu müssen, mich nur an den kürzlich erschienenen siebenten Band halten und aus diesem auch nnr einige der vielen Nngchörigkeiten und Fehler zur Spracht bringen will, dir mir schon bei einem flüchtigen Durchblättern desselben ansgestcßcn find. Wenn die erste Bedingung, unter welcher ein Geschichtschreiber aus Autorität rechnen darf, Unparteilichkeit ist, so wird Herr Grätz nur eine sehr geringe Bedeutung als Historiker beanspruchen dürfen. Er ist nämlich so befangen und hat von der Würde der Wissenschaft, in deren Dienste er arbeitet, eine so niedrige Dorstellnng, daß er aus persönlicher Rache gegen Diejenigen, die eS gewagt haben, hie und da auf dir Fehler und Mängel in seiner Geschichte ausmerksam zu machen, es unterläßt, nicht etwa deren Leistungen zu denutzen und anszuschreibcn, sondern ihre Namen als Quelle anzusühre.,. Dahin gehören insbesondere Geiger und Slcinschncidcr. Geiger wird in dem ganzen Bande nirgends zitirt und sein Name überhaupt nur zwei bis drei Male erwähnt, wenn nämlich ans eine von einem a ndern Antor in dessen Zeitschrift veröffentlichte Abhandlung verwiesen wird. Wie stark aber Grätz Geiger benutzt hat, erhellet beispielsweise au« einer auch nur oberflächlichen Vergleichung dessen, was jener über die Parteiung der Maimunistrn und Aiilimaimunistcu (S. 37 ff.) vorbringt, mit Geigers Schilderung in seiner Zeitschrift V. 82 ff. und in seinen jüdischen Dichtungen (S. 4L ff.) und rS ist geradezu perfid, bei der Besprechung des FrcundschastSverhältniffrS zwischen Dante und Im- Manuel Nomi (S. 307 Anm. 3) neben Luzzatto den Namen Geiger«, dessen Aufsatz über denselben Gegenstand im Magazin für die Literatur de« Auslandes nicht angedeutet ist, nicht zu erwähnen und bei den Dich» tuligen (S. 59 und 511) auf Dibre Ehachamim und da« Literaturblatt dr« Orientzu verweisen, während die der Geiger'schen weil nächstehcnde Uebersetzung erst nach den von diesem in צצים וסרחים angrfertigt ist. und PulgarS Bersc erst durch die von Geiger a. a. O. und schon früher in dem Breslauer Kalender 1852, 32 und 49 gelieferten und von Earmoly selbst im Taam Sekenim adoptirten Eorrektnreo ver« stündlich geworden sind. Wie mit Geiger, so geht es auch mit Steinschneider, dessen Name in dem ganzen Buche auch nicht einmal erwähnt wird und statt dessen es Herrn Grätz beliebt, aus Ersch nnd Gruber (S. 7 Anm. 2), ans den Catalog der Leydner Bibliothek (S. 158 Anm. 1; 320 Anm. 3) oder auf das Literaturblatt de- Orient (S. 307 Anm. 3) zu verweisen, oder, wie häufig geschehen, ihn einfach auSjuschreibea nnd rin solche« Plagiat mit den Worten: ״siehe die Btbliographen" zu beschönigen. Auch Kayserling ist häufig nicht b», nutzt oder geradezu ohne Quellenangabe ou-grschrieben. So ist z. B. bei der Schilderung Abnrr« voo BurgoS (S. 337 ff.) keine Rücksicht