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Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main · 1891-01-01 · 1891 · page 20

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Journal
Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
Volume
1891
Date
1891-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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IRI
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fühlte. Hierzu kam, dass Corneille an Einfluss in theatralischen Bingen immer mehr gewann und der Kardinal verlor. „War Corneille etwa nicht unter seiner Protektion gross geworden, nannte derselbe sich nicht seinen Diener? Und hatte ihm, dem allmächtigen Kardinal, der Cid etwa die Herrschaft über das Theater entrissen, dessen Intendanz er in eigener hoher Person übernommen hatte?tt?) Der Dichter des Cid wusste gar wohl, wie sehr dem Publikum sein Werk gefalle, und sein Selbstbewusstsein wurde nicht wenig gehoben. Anstatt in kluger Weise zu schweigen, bekannte er es sogar öffentlich und reizte natürlich Kichelien umsomehr. Wir selbst nehmen vielleicht Anstoss an Versen, wie sie Corneille in der „Excuse ä Ariste* schrieb: *} „Contraint de sueces que le merite donne, Par d'illustres avis je n'eblouis personne; Je satisfais ensemble et peuple et courtisans, Et mes vers en tous lieux sont mes seuls partisans. Par leur seule beaute ma plunie est estimee, Je ne dois qu'ä moi seul toute ma renommee." Zuletzt hat Sainte-Beuve3) sich mit dieser Frage beschäftigt. Nach ihm wollte der Kardinal durch die Sentiments zeigen, dass es in Frankreich ein litterarisches Tribunal gäbe, welchem sich jeder unterwerfen sollte, dass ein allgemeiner C4eschmack existiere, vor welchem sich jeder beugen müsste. Ich kann mich der Ansicht Sainte-Beuve's nicht anschliessen. Es ist Thatsache, dass der Cid zweimal vor dem Kardinal in seinem Palaste aufgeführt wurde und seinen ungeteilten Beifall fand» Er merkte also anfänglich gar nicht die Fehler des Stückes, wie es Voltaire4) teilweise annimmt. Von allen Schriften, die gegen den Cid erschienen, sind die bedeutendste die „ Observation tt Scuderys. Dieser ergriff die Initiative, indem er seine Arbeit der Akademie vorlegte und sie aufforderte, ihr Urteil über den Cid abzugeben. Erst jetzt mischt sich der Kardinal in die Sache. Es ist freilich nicht in Abrede zu stellen, dass er vielleicht die Akademie zu einem „haut Jury", wie Sainte-Beuve sich ausdrückt, erheben wollte; aber immerhin war vorläufig dieser Zweck nur nebensächlich. Dies allein würde nicht den Eifer erklären, mit welchem Richelieu die Sache betrieb. Er las die verschiedenen Ecdactionen der Sentiments, liess sie sich sogar nachschicken, wenn er wichtige Dienstreisen unternahm, und machte eigenhändig mehrere Randbemerkungen.5) Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir thatsächlich eine persönliche Animosität Kichelieu's gegen Corneille annehmen, deren Grund in dem Stolze und Selbstbewusstsein Corneille's und seinen Leistungen zu sehen ist. Doch wie es sich auch damit verhalten mag, jedenfalls hat Richelieu die Sentiments heraufbeschworen, denn ohne sein Drängen hätte die Akademie es nicht gewagt, die Statuten zu brechen, welche ihr nur eine Kritik der Werke ihrer Mitglieder gestatteten. Diese Sentiments der Akademie wurden von den Zeitgenossen für ein Meisterwerk gehalten. Pellisson ist voll Lob für sie: „Pour moi, je ne sais si les plus fameuses Academles *) Ebert a. a. 0. pag\ 227. a) Corneille, ed. Marty-Laveaux X, 76. *) Causeries du Lundi XIY, 208. 4) a. a. 0. pag. 206. 6) Zur Stelle, wo vom Einfluss der Kritik die Rede ist, schrieb er: „L'applaudissement et le blame du Cid n'est qu'entre les doctes et les ignorants, an lieu que les contestations sur les deux antres pieces (sc. la Jerusalem, et le Pastor Fidikont et6 entre les gens d'esprit." (Hist. de l'Ac. I, 90.)

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