Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Journal
- Bericht über das Schuljahr ... der Stiftischen Realschule mit Lyzeum der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt am Main
- Volume
- 1891
- Date
- 1891-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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— 22 — d'Italie ont rien produit de meilleur ou d'aussi bon en de pareilles rencontres.....Si vous examinez ce livre de plus pres, vous y trouverez un jugement fort solide, auquel il est vraisemblable que la posterite s'arretera: beaucoup de savoir et beaucoup d'esprit, saus aucune affectation de Tun ni de Tautre"1). Die Akademiker bemühten sich thatsächlich so objectiT wie möglich zu sein, und wenn wir in manchen Punkten nicht mit ihnen tibereinstimmen, so liegt darin kein Grund, sie zu grosser Nachgiebigkeit gegen Richelieu anzuklagen. Wenn es nach diesem gegangen wäre, so wäre der Ton ein viel strengerer gewesen. Sie gaben ihm aber in geschickter Weise zu verstehen „qu'un juge ne devait pas parier comme une partie, et qu'autant qu'on temoignerait de passion, autant perdrait on d'autorite.* Lotheisen2) unterschätzt die Bedeutung der Sentiments sehr, wenn er meint, sie hätten Corneille gar nicht beeinflusst, er wäre auch ohnejiie Akademie dahin gelangt, wo er später ankam, und in den folgenden Stücken eine grössere Regelmässigkcit beobachtet. Aber, möchte ich einwenden, hätte er nicht vielleicht die Einheiten in der Weise bewahren können, wie er es schon in der „Veuve" und der „Galerie du Palais" gethan hatte? Corneille selbst ist überzeugt davon und sagt es öfters, wie unbequem die Regeln seien. Im Examen zum Cid, wo er auf die Handlungsweise von Chimene zu sprechen kommt, bemerkt er3): „Le roman lui aurait donne sept ou huit jours de patience avant que de Ten presser de nouveau; mais les vingt-quatre heures ne Tont pas permis; c'est l'incomm-odi te de la regle." Und noch schärfer äussert er sich im Discours des „Trois Unites"4): „II est facile aux speculatifs d'etre severes; mais s'ils voulaient donner dix ou douze poemes de cette nature au public, ils elargiraient peut-etre les regles encore plus que je ne fais, sitöt qu'ils auraient reconnu par Fexperience quelle contrainte apporte leur exaetitude, et combien de belles cli ose s eile bannit de notre theätre." Er erlaubt sich einige Freiheiten und will die 24 Stunden auf 30 ausdehnen, aber nicht weitergehen „de peur de tomber dans le dereglement, et de reduire tellement le portrait en petit, qu'il n'ait plus ses dimensions proportionnees, et ne soit qu'imperfection."5) Sind diese Worte Corneille's wirklich ernst zu nehmen, und hat ihn wirklich diese Furcht bewogen, nur sechs Stunden der von der Akademie als Norm angesetzten Zeit hinzuzufügen? Der Unterschied zwischen 24 und 30 Stunden ist in Bezug auf dramatische äussere und innere Vorgänge kein bedeutender, überhaupt gar keiner. Der Dichter konnte sich aber nicht helfen und war gezwungen gegen sein besseres Wissen sich dem Machtspruch der Akademie, hinter der Richelieu stand, zu fügen. Um aber dem Vorwurf sklavischer Folgsamkeit zu entgehen, fügte er die sechs Stunden hinzu, auf die es im Grunde wenig ankommt; anders kann ich mir die Regel, die er sich selbst ziemlich willkürlich machte, nicht erklären. Erst durch die Sentiments veranlasst, befolgte er die strikten Einheiten im Horace, Polyeucte und Mort de Pompee. Und gesetzt den Fall, dass sie Corneille nicht beeinflussten, so wirkten sie jedenfalls auf die andern, weniger genialen Dichter, die es nach dem Machtspruche der Akademie nicht mehr wagen durften, die von ihr aufgestellten Gesetze zu missachten. Man hat allerdings einge- J) Hist. de l'Ac. I, 98 f. 2) a. a. 0. II. 220. „Examen du Cid" in Corneille ed. Marty-Laveaux III, 97. 4) Corneille ed. Älarty-Laveaux I, 122. Ä) ib. I, 113.