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Der Israelit · 1903-04-02 · Heft 26 (2.4.1903) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 26 (2.4.1903)
Date
1903-04-02
Page
– (sequence 27)
Language
German
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595 et Is dl* nu Aristokraten, die Intelligenz hier, und dieses Land wird as unsere!' Jakob schreckte zusammen und sprach: „Die Berechnung mag prophetisch sein, aber sie abscheulich. Blicken Sie mit so kaltem Blute, auf ^jll dir Verluste, die in ihr enthalten sind?" „Aber kann ich darin Rath schaffen? Liegt es in lelrtcr Macht, dies abzuwenden?" fragte Heinrich „Lassen wir dies Thema fallen," bat Jakob, dem >;Has Gespräch überaus peinlich war. So Waren Beide den weiten Weg zum Hause ^cgrl's gewandert, als dieses endlich in Sicht kam. w „Ah, sieh da, mein Haus! Sehen Sie, das ist es! 5as muß ich Ihnen erst zeigen," sprach Heinrich, „es ostet beinahe eine halbe Million! Dann gehen wir zu lilda!" Er sah nach der Uhr. „Zum Henker," rief er. „In einer halben Stunde mß ich auf der Börse sein! Aber die Zeit reicht aus, Hm Ihnen im Vorbeigehen mein Haus zu zeigen. Dann aß' ich Sie bei Tilda und Sie müssen auf mich warten! ^,-o schnell als möglich bin ich wieder zurück!" \. Das Haus, auf.welches Heinrich Segel seinen »last sofort zugeführt hatte, war in der That höchst g länzend, geräumig und luxuriös, vielleicht bis zur Fracht eingerichtet, aber Mit jener alltäglichen, kostspieligen und doch geschmack- und charakterlosen Pracht. i >er man heutzutage ebenso in Palästen, als in großen .Hotels begegnet. Spiegel in reichen Goldrahmen, ^Nöbel mit Sammetüberzug, kostbare Tapeten und ^cppiche, zierliches Getäfel, theure Vroncen. Krystalle, .hinesisches Porzellan, eine Menge Kleinigkeiten, auf der J.Borb’tmge erkauft, und in allen möglichen grellen Farben, mit einem Worte, jener alltägliche, geschmacklose ^leberflutz befand sich in diesem Hause des unlängst erst eichgewordenen Mannes, welcher kein künstlerisches Gefühl hatte, und, indem er Gold aufwandte, zugleich rjiiit der Maare jenen Geschmack kaufen zu können llaubte, welcher ihm fehlte. t c Nicht selten entschlüpften ihm/ wenn er etwas eigte, die Worte: „Sehen Sie! Das kostet hundert Dukaten! Dafür zahlte ich hundert Rubel!" Das Haus war prächtig genug, um einen König, oenn auch nur einen entthronten, aufnehmen zu können. |{vn ihm aber wehte ein Hauch von Oede und Trauer. Die Zimmer erschienen wie nie bewohnt. An ihren Bänden hallte kein Leben wieder. Es war, als könne "mm sich in ihnen nicht frei bewegen, und nicht aufrichtig sich aussprechen. Segel führte den ziemlich gleichgiltig drein- (hauenden Gast bis zur Küche. Auch diese war prachtvoll eingerichtet. Das Wasser floß von selbst zu und lb. Sie enthielt einen kleinen Fischteich und eine Menge Sequemlichkeiten und Neuerungen. Dann ging er, jakob seiner Frau anzumelden. Jakob sank ermattet und traurig über das Gesehene auf ein Sopha. An den Wanden dieses Hauses schon stand die Marter dieser Frau geschrieben, um so schrecklicher, da sie in Atlas und Gold gehüllt war. Nach einer guten Viertelstunde trat Tilda heraus. Bleich, langsam, fast gezogen von ihrem Manne. Sie begrüßte den alten Bekannten mit ihrem' lieblichen Lächeln, in welchem aber auch die neu erduldeten Qualen sich ausprägten. Jakob erschrak vor ihren tief eingesunkenen, großen, und doch in wunderbarem Glanze funkelnden Augen. . „?lh! Sie kehrten schon aus Italien heim?" fragte sie, ihm die Hand reichend. „Wie gut ist das! Aber auch dort, wie hier, ist's kalt und traurig!" „Wo wäre das Leben heiterer?" antwortete Jakob. „Das ist die Natur des Lebens, daß, wer es ernst auffaßt, es traurig finden muß!" „Man braucht es aber doch nicht so aufzufaffen," unterbrach ihn Heinrich, indem er ihm ein Gläschen Liqueur reichte. „Aber jetzt vergaß ich doch die Börse! Man hat kaum Zeit zu einem Imbiß. Geliebte Tilda, unterhalte unseren Gast und halte ihn bestimmt fest bis zu meiner Rückkehr. Ich bitte darum und verlange es. Ich muß auf ein Stündchen fort. Ich übergebe ihn in Deine Hand!" Er klingelte. „Schon angespannt?" „Alles bereit! Ich bitte, gnädiger Herr!" erwiderte der Diener. „Also, ohne Abschied! Ich brauche nicht abzubitten, wenn ich Sie mit — ihr allein lasse!" sagte er. seiner Frau die Hand küssend. „Schlimmstenfalls, wenn Sie zur Unterhaltung keine Lust haben, spielt sie Ihnen etwas vor und Äe hören zu. Hier sind alle Zeitungen, aber sie sind alle dumm! Vielleicht blättern Sie sie durch!" Er verneigte sich und ließ die Beiden allein. Lange standen sie sich so gegenüber und wagten nicht, sich in die Augen zu schauen. Zuletzt seufzte Tilda auf, reichte ihm langsam die Hand und sprach: „Jakob! Mir werden uns doch nur die Alten sÄn? Gute Freunde? Weiter nichts?" „Gnädige Frau." erwiderte achtungsvoll der junge Mann. „Sie kennen mich, oder Sie werden Sich denken, daß die Zeit uns nicht verändern darf. Wollen Sie mir also glauben, daß ich Ihr Vertrauen nicht tauschen werde, niemals!" „Ja! Mer das Schicksal nähert -uns wieder, während es uns trennen sollte! Das ist eine Prüfung! Bestehen wir sie. würdig unserer selbst und unserer lichten Vergangenheit! — Ich begreife nicht," fügte sie nach kurzer Ueberlegung hinzu, „was mit Heinrich geschehen ist! Heinrich ist sonst, d. h. er war bisher eifersüchtig . bis zur Lächerlichkeit. Er liebt es nicht, mich in Männergesellschaft zu lassen. Ich verstehe ihn

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