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Der Israelit · 1903-04-02 · Heft 26 (2.4.1903) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 26 (2.4.1903)
Date
1903-04-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Engel schlug an mit feiner Hippe an die Erde und schnitt Die Reben des Zornes und warf sie in die große Kelter des Zornes Gottes. Uno oie Kelter ward außer der Stadt gekeltert und das Blut ging von der Kelter bis an die Zaume der Pferde durch tausendsechshundert Feldweges Vergl. ebenda 19,15. Völlig unwahr ist, was Delitzsch behauptet, daß nach den Propheten Gott „nur Ein Lieblingssind hat, dagegen alle anderen Nationen der Nacht, der Schande, dem Untergang preisgibt.- Er nenne auch nur einen einzigen Satz, der solches enthalt oder auch nur so gedeutet werden könnte. Es ist ausgeschloffen, daß ihm die zahllosen Stellen der Bibel entgangen sein sollten, die es klar und deutlich bekunden, daß auch das „Lieblingsrind" schwer von Gott gezüchtigt wurde, wenn es sündigte. Findet sich doch sogar dasselbe Bild vom Keltertreien auch über Israel ausgesprochen. Vgl. Klage!. 1, 15. Daß die Propheten einen „unauslöschlichen Haß" gegen die Völker ringsumher predigen, ist eine unerhörte Behauptung, welche der Wahrheit direkt in'§ Gesicht schlägt. Gerade sie waren es vielmehr, welche nicht müde wurden,. in Worten von ewiger Art den Gott zu predigen, „der ein liebender und gerechter Vater ist über alle Menschen auf Erden." Der beklagenswerthe Irrthum, in dem Delitzsch befangen zu sein scheint, ist der, daß er augenscheinlich Worte, wie 5. Mos. 32, 35.: „Die Rache ist mein, ich will vergelten, (spricht der Herr)", völlig mißversteht und nicht einsieht, daß dies die Begründung ist für das Gebot (3. Moses 19, 18): „Du sollst .dich nicht rächen." Gerade die Betonung der Gerechtigkeit Gottes, das unerschütterliche Vertrauen darauf, daß Er dem Gequälten und Bedrängten beisteht wider seine Peiniger und Bedrücker, vermag uns vor Haß und'Rachegefühlen zu bewahren, wie es in der Epistel an die Römer 12, 19 heißt: „Rächet euch nicht, meine Liebsten, sondern gebet Raum dem Zorn (Gottes)." Diesen klaren Gedanken hat Delitzsch offenbar nicht erfaßt. Das möge ihm zur Entschuldigung dienen. Unentschuldbar aber ist es, wenn er es über sich gewinnt, seine Deduktionen aus halben Sätzen herzuleiten, wenn er z. B. wohl die erste Hälfte des Satzes 1. Moses 12, 3 anführt, die zweite Hälfte aber, welche dem Gedanken erst den rechten Sinn verleiht, unterdrückt, nämlich das Wort: „Und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde." Das ist dieselbe Methode, die aus Schillcr's „Lied von der Glocke" die Verleitung zum. Holzdiebstahl herausliest, denn es heißt dort: „Nehmet Holz vom Fichtenstamme!" Wie übrigens Delitzsch sich zu dem Gebote: „Segnet, die euch fluchen," bekennen und im selben Augenblicke die biblischen Propheken, von denen er doch nur Segen empfangen hat, mit so unverdienten Schmähungen überhäufen kann, darüber zu richten. steht mir nicht an. Hat er sich doch auch in sein, „Babel und Bibel" (1. S. 51) zu dem Geschlcchte kannt, „das aus dem Dunklen in's Helle strebt." T von ihm so leidenschaftliche befehdete Prophet Jesaj, aber hat schon das Urtheil gesprochen (5. 2.): „Wr deNen.die Finsterniß für Licht ausgeben und Li< für Finsterniß." r Z a b r z e, 22. März. Rabbiner Dr. K a a tz. Zeitungsnachrichten nrrd (LorrespoudevZci Deutschland. Berlin, 30. März. (Eine Aufmerksam k e i t d e s K a i s e r s.) Einem in letzter Zeit vii genannten Berliner Großkaufmann, Herrn James S i m o n, der bekannt ist durch die Förderung, die < allen humanitären, künstlerischen und wissenschaftliche Bestrebungen entgegcnbri'ngt, der aber bisher alle ihr zugedachten Auszeichnungen abgeschlagen hatte, schick! der Kaiser sein Bild mit Unterschrift und einem Hand schreiben, in dem es heißt: „Wenn der Empfänger auc alle sonstigen Ehrungen von der Hand weise, für da beifolgende Bild würde er doch gewiß noch ein Plätzchei in einem seiner Zimmer finden." Weil bürg a. Lahn. (Unlieb verspätet.) Ein würdige Purimfeier wurde innerhalb unserer Kultus gemeinde begangen. Am Samstag, den 14. März Abends, versammelte sich auf Veranlassung des hiestgei israelitischen Frauenvereins der größte Theil unsere! Gemeinde im Hotel zum „Deutschen Haus".. Nachden der Frauenverein die jährliche Generalversammlung mit ihrem geschäftlichen Theil abgehalten hatte, folgte! zwei Theaterstücke, ausgeführt von der Schuljugen! unter Leitung des Lehrers Lehmann und einige! jungen Damen und Herren, die beide allgemeine Aner kennung fanden. — Am Sonntag, den 16. März feierte der hiesig israelit. Wohlthätigkeitsverern sein 25jähriges Stiftungsfest. Nach Verrichtung des Abendgebetes sank zunächst im Lehrzimmer die statutengemäße Generalversammlung statt. Der langjährige, würdige Vorsitzende, Herr Dr. Dreyfus, gab in kurzer, wohlgelungener Rede einen Ueber- und Rückblick über den Zweck und die Leistungen des Vereins. Herr Kultusvorsteher Nathan Reifenberg dankte Herrn Dreyfus für seine selbstlose und treffliche Vereinsleitung. Die Mitglieder bekundeten ihren Dank durch ein dreifaches Hoch auf Herrn Dreyfus. Nach Erledigung des geschäftlichen Theiles vereinigten sich die Vereinsmiiglieder im gleichen Lokal zu einem, gemeinschaftlichen Abendessen. Herr und Frau Lehrer Lehmann übernahmen das Arrangernent

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