Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 26 (2.4.1903)
- Date
- 1903-04-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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geglaubt, ohne der Sache weiter Beachtung zu schenken. Aber diesmal traten die Symptome dieser Unzufriedenheit so augenscheinlich zu Tage, daß Abraham die Mutter bei Seite nahm, um sich Gewißheit zu verschaffen. „Uns fehlt nichts," erwiderte die kluge Frau, „Dank der Hilfe Gottes, die er uns durch Dich gebracht hat. Ein solches Leben, wie wir es jetzt führen, war der höchste Lebenswunsch des Vaters, daß er sich einmal in feinen alten Tagen zurückziehen und ausschließlich sich dem Studium der Thora und der Erfüllung ihrer Vorschriften widmen könne. Aber wie sind doch die Worte 'der Weifen so groß, welche sagen, daß kein Mensch stirbt, dem auch nur die Hälfte seiner Wünsche erfüllt wäre; hat Jemand hundert, so möchte er zweihundert. Das, was sich der Vater ein ganzes Leben lang gewünscht hat, ist jetzt, wo er es besitzt^ eine schwere Bürde. Der-Vater ist noch zu jung, um auf jede Thätigkeit verzichten zu können, er ist an die anstrengende Arbeit gewöhnt, es fehlt ihm sein Lebenselement, wenn ihm die Arbeit fehlt. Wenn er wieder zu arbeiten hätte, wie früher, wenn er z. V. ein Gut verwalten könnte, so glaube ich, daß er von der Last befreit werde, die ihn beschwert. Dabei drückt ihn gewiß auch das Bewußtsein, daß wir von Deiner Gnade leben, er möchte unseren Unterhalt lieber verdienen, als ihn sich schenken lassen, das ist's, was seine Heiterkeit trübt." „Sonst nichts?" rntgegnete feurig Abraham, „dem kann leicht abgeholfen werden. - So gern möchte der Väter nicht thätig sein, als ich seine Thätigkeit gebrauchen konnte; . es fehlt mir ja an allen Ecken und Enden an zuverlässigen Vertrauenspersonen für dir wichtigsten Posten. Wie dankbar würde ich die Dienste des Vaters anmhinen, ich hatte nur nicht den Muth, ihn darum zu bitten. Also, das ist abgemacht." „Herzlichen Dank für Deine große Güte," entgegnete die Mutter, „gestatte aber, daß ich noch an Folgendes erinnere. Wenn Du dem Vater ein Gut zur Verwaltung übergibst, so bitte ich Dich, womöglich noch zu berücksichtigen, daß es nicht etwa ein Güt ist, wie das jenige, auf dem Du erzogen wurdest, wo wir von de! nächsten jüdischen Gemeinde stundenweit entfernt, aus schließlich auf uns angewiesen sind. Der Väter würd diesen Mangel jetzt noch schwerer entbehren, als früher.! „Selbstverständlich," entgegnete Abraham/ „td werde Euch einen Vorschlag machen, der Euch und mii angenehm ist. Das Glück, Euch bis jetzt versorgt un! glücklich zu wissen, war mir immer nur durch den Um stand getrübt, daß wir nicht zusammen sein und td Euch nicht so oft besuchen konnte, als ich gern wünschte Ihr zieht zu uns nach Rußland, und ich übergebe den Vater die Verwaltung des Schloßguts, das unmitiel bar an der Stadt siegt, bei der mein Schloß ist. Dor ist, wie Ihr wißt, eine große jüdische Gemeinde Zwischen meinem Schloß und dem Gut liegt nur de> große Schloßpark; wir können auf diese Weife so os! und so länge beisammen sein, als wir nur wollen; w'n ich mich darauf freue! Was kann mir der Vater nm für Dienste in meiner Eigenschaft als oberster Gerichtsherrr im Gebiete meiner Besitzungen Kisten! Zweimäl in der Woche ist Gerichtstag; was mir das für Arbeii und Plackereien macht, verbunden mit dem Bewußtsein daß ich den Bauern, die bei mir Recht suchen, es «ich! einmal gewahren kann, weil ich zu wenig praktische Erfahrung darin habe, das kann ich gar nicht in Worte fassen. Der Vater kennt die Leute und ihre Händel im Schlafe besser, als ich im Wachen, das wird eine große Erleichterung für mich, sein." Dina war die Feinheit nicht entgangen, mit welcher der d'anköute Pflegesohn die neue Wohlthat, die er seinen Pflegeettern zu erweisen im Begriff war. als eine solche hinzusiellen verstand, die ihm selber erwiesen werde.. „Wenn man Dich hört," erwiderte sie, „sollte man meinen, Du müßtest Dich noch bei uns für die Wohlthaten alle bedanken, mit welchen Deine Herzensgute uns überschüttet!" - (Fortsetzung folgt.) Der „JSraeUt" erscheint wöchentlich zweimal. SToatags nnd Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher.. Man abonnirt ganzjährlich. halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Vre Buchhandel vrrkrhrk durch V. % Skrinachrr, Leipzig, Notzplatzsö. — Inserate 2» Pfennig die viergespaltene Nonpareillezelle oder deren Raum. 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Inhalt brr erstell BeUaa«: «Zur «lärmig." — ZeitunxLuachrichreii und Corrcspondenzcn Deutschland: Berlin. Mrttberg. Wenkheiin. OesterreA: Wien. Frankreich: Paris. — Vermischtes. „ Inhalt fite rwelten Beilage: Lctterarisches. — Zeitungsnachrichten und Cvrrcspündcnzcn: Dent,chland: Hannover. Zabrze W.'H. Straßbürg.'Oesterreich: Prag. teUoßt: Der Jude (Fortsetzung). Verantwortliche Redaction: OS car Leb mann in Mainz — Expedition deS „SSraelit“, Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirth'schcn HokbuLdruckerei Actlen-Gesellschast ln Mainz. Hierzu drei Geilsse».