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Der Israelit · 1903-04-02 · Heft 26 (2.4.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 26 (2.4.1903)
Date
1903-04-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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erst am anderen Tage kamen sie zu einem befriedigenden Resultate. Als Mraha'm Morgens zum Frühstück sich mit den übrigen Mitgliedern der Familie einfaUd, sagte er freudig bewegt: „Ich habe den rechten Ausweg gefunden. Es ist auf dem Meere des Lebens alles ganz so, wie im Meere des Talmud. Wie der. Talmud oft mehrere Fragen aufwirst und eine mit der anderen beantwortet, t ' so bricht sich auch auf dem Meere eine Woge an der anderen, und im Meere des Lebens hebt eine Sorge die andere auf. Mich erfüllen jetzt zwei schwere Sorgen, die Sorge um Eure Zukunft und die Sorge um die Verwaltung meiner reichen Besitztümer. Wo tonnte ich treuere, bewährtere Verwalter meines Vermögens haben, als in Euch, liebe Brüder. Wenn Ihr mir darin zur Seite stehen wollt, so ist für Euch eine Lebensstellung geschaffen, und mir eine schwere Sorge abgenommen. Du, lieber Joseph, bleibst bei mir, und Euch anderen werde ich Stellungen ln den anderen, entfernteren Besitzungen übertragen. Der Vater und 'die Mütter bleiben mit den Schwestern hier. Wir wollen.darauf bedacht sein, für die letzteren so bald als möglich geeignete Männer zu finden, und auch Ihr. liebe Brüder.' sollt Euch, wenn sich eine Gelegenheit dazu findet, verhcirathen. Was haltet Ihr davon?" „Es war das mein erster Gedanke." entgegnete der Vater, „als wir.gestern davon sprachen, aber ich wagte nicht, ihn auszusprechrn. ' Jetzt, wo Du Ms dieses glänzende. Anerbieten machst, schlagen wir selbstredend dankbar ein." „Aber." bemerkte Joseph, „die Sache hat doch noch ihre Haken. Du lebst ja nicht nach den Vorschriften des Gesetzes von Moscheh und Israel. Wie kann ich bei Dir im Hause leben, wo ich doch keinen Bissen genießen kann?" „Deßhalb kannst Dü unbesorgt sein," entgegnete der Baron. „Mein Schloß liegt nicht fünf Minuten von dem Städtchen A., das eine große jüdische Gemeinde, ein Beth-Hamidrasch und viele Talmide Chachonnm hat. Die Möglichkeit, koscher zu leben, ist daher sehr leicht zu beschaffen. Es lebt zudem schon viele Jahre ein merkwürdiger Mann in meinem Hause, der ebenfalls streng nach den Vorschriften der jüdischen Speisegesetze lebt. Den Mann kennen zu lernen und mit ihm täglich zu verkehren, ist .ein Glück für sich, das Du. lieber Joseph, mit mir theilen wirst. Ich muß heute zurück und erwarte Euch,- liebe Brüder, in den nächsten. Tagen. j Vollständig wäre mein Glück, wenn ich Euch, liebe.Eltern und Schwestern, ebenfalls in. meiner nächsten Nähe, wüßte. ' Aber daS kann ich nicht von.Euch verlangen/ . dagegen verspreche ich, jo oft ich yur kann. Euch.zu.be-, . suchen; mindestens zwei- bis dreimal im. Jahre.", , Bald darauf verabschiedete sich Baron von Korks, begleitet voü den Segenswünschen der treuen Seelen, deren Zukunft er nun gesichert hatte, und geilte glücklichen Herzens und heiteren Sinnes über.-Me Grenze nach Rußland zurück.? ' v S; *' v: Nur eines drückte den edlen Charakter Abrahams, daß er die Freude mit diesem Glucke in sein Herz verschließen mußte, ohne sie nnt der treuen Gefährtin seines Lebens theilen zu können. Es' bedurfte Pater Firmians ganze Beredtsamkeit, um seinen Zögling von diesem Schritte zürückzuhalten. „Würde," , so. meinte der weise Rathgeber, „die junge Frau je einmol von anderer Seite aus die Herkunft ihres'Mannes aufmerksam gemacht, so sei er gewiß verpflichtet,, ihr Alles darüber zu sagen, was er wisse. Aber' so längerem äußerer Grund für eit^e solche Mittheilung spricht,; so sei sie eine unnütze Aufregung für die junge-Frau. Wenn die eigenen Eltern der Frau Baronin es für angezeigt gefunden haben, ihre Tochter in dem 'Glauben zu lassen, ihr Lebensgefährte sei ein' legitimer Nachkomme des Barons, so habe er kein'Recht'und'gewiß nicht die Pflicht, ihr ohne zwingende Veranlassung'diesen Glauben zu rauben," und dabei blied es.- - . ^'77 , '.. Mit Rücksicht auf diese eigenartige. Läge hielt'es auch der väterliche Freund für geboten, die ' guten Beziehungen zwischen dem Baron und seinen Milchbrüdern nicht vor aller AM zu zeigen und sich daher-auch, im privaten Verkehr die deßhalb gebotene Reserve aufzuerlegen. ' Di'e Brüder waren^wenige.Tage. nach der. getroffenen Verabredüng zum Antritt ihrer neuen Stellungen eingetroffen. Die zwei älteren erhielten die Verwaltung von zwei entfernt liegenden Gütern, übertragen.. Joseph bekleidete eine Stelle, die für ihn . eigentliche nur geschaffen worden war, er war Privatsekretär, Oberinspizient aller Besitzungen, kurz, die rechte Hand des Barons. Pater Firmian mußte wegen der häufigen Besuche von höheren Geistlichen, die vielfach mit dem Baron verkehrten, das Kleid . de: Kirche wie. bisher weiter tragen. Kirchliche Funktionen versah er seit dem Tode des Barons nicht mehr, und die junge. Frau Baronin kannte'ihn nur als einen Priester, - der wegen feistes hohen Alters von allen Amtspflichten dispensirj-war. Er war glücklich, in Joseph einen für dieRetigion'seiner Väter begeisterten Jüngling gefunden zu haben,'/ sind Beide füllten die Mußestunden..mit dem, Studium der Thora'aus.-. . \ Nach einem Jahre wurde dem' jungen' Paä^äein Stammhalter .geboren, der den NaMen des^ verstorbenen Herrn Baron, Kurt von Korff, bei der Taufe erhielt. - ... .. Mraham ließ es, sich nicht, nehmen, Ktznide^Uage ' Nach »Eintritt' dieses fieudigest Ereigüisses^Hnr <Pslegel.eltern. aufzusuchen,, um ihnen-PdWstfich-M.HciWstr- 1 botschast . zu" Überbringer 7 Er. Wt^schöwM-sttttem * jüngsten, zwei Monate früher gemachten Besuche, einen ' Schatten auf dem Antlitz seines Pflegevaters zu finden

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