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Der Israelit · 1903-04-02 · Heft 26 (2.4.1903) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 26 (2.4.1903)
Date
1903-04-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Eltern werde Mietbar gezwungen, den Sabbat zu entweihen, der Rabbiner müsse sich mit dem Schuldirektor m's Benehmen setzen, u. s. w. : Dagegen ereiferte sich, wie bei ähnlicher Gelegenheit schon früher, auch jetzt wieder Herr Dr. I o e der sich durch diesen Eifer als würdiger Präsident dieser Gesellschaft bewährt hat. Man könne dann ebensogut auch die Speise-Verbote oder andere Dinge hinein-, setzen und dann...Es entstand nun ein so heilloser Tumult und wüster Lärm, daß alles außer' Rand und Band gehen zu wollen schien.. Dr. Gronem an n-Hannover wollte reden, wurde aber niedergeschrieN. Wie geronnene Mich liefen die Amtsbrüder zusammen und stürzten sich aus die Antragsteller, sie bestürmend, den unheilvollen Zankapfel fortzunehmen. „Wenn Werner den Antrag zurückzieht," .rief Gronemann dazwischen, „so nehme ich ihn auf." Er blieb aber fest, obwohl das Schicksal des Antrages entschieden war. Er war ein guter Gradmesser für die Höhe des religiösen Sinnes der ganzen Versammlung, wie ihrer einzelnen Mitglieder. Dr. Schwarz- Karlsruhe rief ganz kaut dazwischen: „Wir wollen doch mal die Gesinnungsiüchtkgkeit unserer Rabbiner sehen und was sie von iav tybn halten!" Der Antrag fiel; er hat es nur aus 22 (von 69) Stimmen gebracht!" - -51' Soweit der Bericht vor neunzchn fahren. — Die damalige Rabbinerversammlung ist längst den Weg aller modernen RabbinerversamMlungen in Deutschland gegangen. Ihre Zusammensetzung war derart, daß sie eine Zusammenkunft von „Breslauern unter sich" repräsentirte, weil sie sich zum großen Theile aus Schülern des Breslauer Rabbinerseminars relrukirte. Als einige Jahre später die Versammlung vollständig in die Brüche ging, haben diese deprimirenden Erfahrungen die Breslauer Konservativen nicht abgehalten, an dem neuen Mischmasch theilzunehmen, der aus den Trümmern jener Versammlung unter dem Namen „Allgemeiner Verband von Rabbinern Deutschlands" erstand. Der Verband zählt heute sogar orthodoxe, die ihm früher fern standen, und ultra-radikale Mit- - glieder; man kann sich nun denken, wie es bei diesen Herren heute mit ihrer Einmüthigkeit hinsichtlich des rav bbn bestellt ist! Die galizischen Rabbiner besitzen keinen Verband, aber sie sind einig, ohne Verband, wenn es gilt, der Hochachtung vor rav jwnp und der Scheu vor dem rav W>n der Heranwachsenden Jugend, gemeinsamen, ösfentstch'en Ausdruck zu geben. Die Rabbiner Deutschlands besitzen einen Verband, aber er reicht nur soweit, wie die Sorge für ihre Reliktenkasse reicht; um jedoch einen weißen Bogen Papier zu Nehmen, darauf die Worte zu schreiben a"n rava nm» mv anan und darunter ihre Namen zu setzen, soweit reicht die einen Kraft ihres Verbandes nicht. - ' 1 Könnten, wenn sie nur wollten, diese deutsch! Rabbiner nicht manches von den galizischen lernen? Zeitungsnachrichten und Corresporrdenz t D e u t s chla n d. Berlin, 30. März^ (Abgeordnetenhaus Eine Petition aus Borken (Regierungsbezirk Kassr um Anwendung des § 4 des Lehrerbesoldungsgefetz, auf den Vorsängerdienst der israelitischen Volksschu lehrer wird durch UebergaNg zur Tagesordnung ei lebtgt. . .. . . . - Frankfurt a. M. Am 26. Marz hielt in b Frankfurter Loge B. B. Herr Dr. Jacob Horovi einen auch den Mitgliedern des „Vereins für jüd. Gi schichte und Litteratur" zugänglichen Vortrag üb< „Babel und Bibel". Das aktuelle Thema. und d« Name des Redners hätten den großen Saal ganz gr füllt. Seit dem Buche Chamberlains, führte er auhat kein Buch so allgemeines Aufsehen erregt, als bi Vorträge von Friedlich Delitzsch.. Während jener bei Semiten nicht nur jede Bedeutung für die allgemein Kultur, sondern auch insbesondere für die Religio glaubte absprechen zu. können, will letzterer dem Juden thum' zwar manchen Ruhmestitel nehmen,' aber, den Semitenthum im Ganzen ebensoviel und noch meh wieder zurückgeben. Zwei so entgegengesetzte An schau ungen müssen aufeinander stoßen, und in der Einlei t'ung zu Ch'am'b'erlains Werk ist er gr'unmig über der Satz von Delitzsch hergefallen, daß die Bedeutung dei Ausgrabungen in erster Linie darin bestehe, daß si« das Alte Testament aufhellen, und über den Sdtz, das das Ringen und Streben nach einer die Vernunft befrieMgend'en Religion immer wieder zur Bibel, ir erster Linke zum Alten Testament, welches unlösbar mii dem Neuen Testament verknüpft sei, zurückkehre. In dem neuesten Vortrag ist Delitzsch' plötzlich bange geworden beim Gott des Alten Testaments und der Propheten. er findet einzig Zuflucht beim Stifter des Christenth'ums. und das noch vor Jahresfrist unlösbare Band zwischen Altem und Neuem Testament ist zerrissen; man solle sich vertiefen in die Geschichte des deutschen Volkes. Diese.Wandlung hängt zusammen mit der Originalitätssucht unserer Zeit. Delitzsch ist von allen Seiten angegriffen worden, nicht nur von dcn Theologen, sondern auch von den Orientckkrsten. Statt auf die Angriffe zu antworten, hat er in einem neuen Vortrag sich auf ein Gebiet begeben, auf dem er überhaupt nicht heimisch ist, und wenn er gegen Harttack sagt, daß, wer über ihn und seine Leistungen sprechen wolle, vor allen Dingen Assyriologe und Keilschrift-

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