Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 26 (2.4.1903)
- Date
- 1903-04-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die Misere durch öffentliche Warnungen und Kundgebungen zu bekämpfen, so begehen sie erstens eine Thorheit, die jedes Kind, 'welches weiß, daß TO'-j pK nwD bv2v als solche erkennt, sie begehen zweitens Gott gegenüber einen Chillul-Haschem, sie Machen sich drittens bei ihren Gemeinden unmöglich, wenn sie jeden Vater und jede Mutter so niedrig taxiren, daß sie glauben, ihnen erst sagen zu müssen: 1/12 nrr bbnrt bx mtixrh' und hatten zu gewärtigen, daß ihnen ihre Gemeinden mit den Worten entgegenträten: dt2 21N nr& U'NI hk cnsyx2n L2'bV Kl' ' .urvw Befolgen die galizifchen Rabbiner diese Rathschläge aber nicht, so bleibt auf ihnen das Odium, das ihre deutschen Kollegen ihnen gebracht haben, und das in dem Vorwurf gipfelt: die galizifchen Rabbiner bräuchten nur den Mund zu öffnen, um die Schmach zu beseitigen, die auf der galizifchen Judenheit lastet, und sie öffnen ihn nicht und das erlösende Wort bleibt ungesprochen, obwohl Man es ihnen aus die Zunge! gelegt und ihnen gezeigt 'hat, wie man sich leichten! Herzens über die ernstesten Bedenken skrupellos hin-! wegsetzen kann! . .! Und die Rabbiner Galiziens haben es vorgezogen,! lieber dieses Odium hinzunehmen, als den Chkllul-! Haschem und die Thorheit zu begehen, welche ihre deutschen Amtsbrüder ihnen zugemuthet haben! Das. > ist der Punkt, in welchem die deutschen Rabbiner viel von ihren galizifchen Ämtsbrüdern lernen könnten.! Das hiesige jüdische Blatt fügt dem Mahnruf der galizifchen Rabbiner noch folgende Bemerkung an: „Es ist sicherlich eine Signatur unserer religiösen l Verhältnisse, daß so elementare Dinge erst in feierlicher ' Erklärung eingeschärft werden müssen. Aber so tiefl traurig ihre Nothw'endigMt ist, bleibt die dankens-! werthe Initiative der Herren Rabbiner eine verdienst-! liche That, und man wird nur bedauern, daß dieselbe - nicht früher erfolgt ist. Hoffen Wir, daß dieser erste > Schritt zu weiteren, kräftigen Actionen führen wird, l um den in der That rapiden Niedergang religionsgei treuer Anschauung und Lebensführung aufzuhalten." Ob dieser letzte Satz einen Zaunpfahlwink enthält, um doch noch eine Erklärung, den Mädchenhandel beir., folgen zu lassen, mag dahingestellt bleiben. Dagegen geben die beiden ersten Sätze dem aufmerksamen Leser manches zu denken. Wer das jüdische Deutschland nicht kennt, der sollte nach diesen Auslassungen meinen, dort sei der Weinberg des Herrn so trefflich bestellt, daß eine solche Ermahnung gar keinen Sinn hätte. Wenn aber die erdrückende Mehrheit der jüdischen Schulkinder Deutschlands in Gymnasien, Realschulrnitnd Volksschulen die Heiligung des Sabbats und der Feiertage durch Vornahme schriftlicher Arbeiten öffentlich entweiht, ist es dann nicht eine Signatur unserer religiösen Verhältnisse, daß so elementare Dinge nicht in feierlicher Erklärung der in erster lteihe dazu berufenen Rabbiner eingeschärft werden?. Ind bliebe bei dieser tieftraurigen Nothwendrgkeit eine - Initiative der deutschen Herren Rabbiner nicht eine verdienstliche That, wie lange sie auch bislang auf sich t warten ließ, selbst wenn sie jetzt noch erfolgte?. - - Ich denke hier nicht an die gesetzestreuen deutschen Rabbiner, welche die ihnen anvertraute Jugend ohnedies so ausgebildet haben und ausbilden, daß ihr der , Sabbat, dieses älteste Heiligthum der Menschheit, nicht gleichgkltig geworden, und jeder Chillul-Schabbos ohnehin ausgeschlossen ist. An den Allgemeinen Rabbiner- - verband denke ich, dessen Mitglieder zum großen Theil. in Gemeinden amtiren, deren Kinder öffentlich in den Schulen ta'i rcv entweihen, an den Rabbinerverband, der den galizifchen Rabbinen Rathschläge ertheilt und ihnen Ermahnungen zugehen läßt; könnte hier der deutsche Rabbinerverband nicht auch einmal etwas von. den galizifchen Rabbinen lernen? .. . Nein, das kann er nicht. Und wenn selbst ' die - Besseren sich's gelobten, mit demselben Eifer, mit dem'. sie z. B. für ihre Reliktenkasse sammeln, nun auch für die Heilighaltung des Sabbat einzutreten, der Verband als solcher wird nicht dafür zu haben sein. Wer das nicht glaubt, dem sei hiermit, eine Reminiscenz von vor 19 Jahren in's Gedächtniß zurückgerufen, aus welcher der Geist ersichtlich ist, der unsere. Verbandsrabbiner in punkto Heilighaltung des Sabbat erfüllt. Als sie sich am 4. u nd 8. Juni 1884 hier versammelten, berichtete der „Israelit" (Jahrgang 25, Nr. 49) über diesen Punkt wörtlich Folgendes: „In ihrem wahren Lichte hat sich die Versammlung aber durch ihre Stellung zu einem. Amendement, gezeigt, welches die Herren Dr. Werner-Danzig und Kroner - Erfurt einbrachten. Dasselbe lautete . (dem Sinne nach): *. „Auch soll der Rabbiner dafür sorgen,^ daß die Kinder in der Schule den Sabbat zu., entweihen nicht gezwungen sind." An den privatim gepflogenen Verhandlungen zwischen einem der Antragsteller und dem Vorsitzenden konnte jeder sehen, daß sich letzterer nur schwer zur Verlesung des Antrages verstand, weil er religiöse* Differenzpu nkte berührte. Die Antragsteller und ihre Gesinnungsgenossen drängten aber so ungestüm auf Verlesung ihres Antrages, daß es zum . Eclat gekommen wäre, wenn Man nicht ihrem Drangen Rechnung getragen hätten Vorsitzender Bamberger erklärt daraufhin, daß es ihm fern läge, den Antrag - zu unterdrücken. Das Papier sei nur h e r u n t e r *: gefallen, er bringe ihn aber jetzt zur Verlesung» In kürzer, schneidiger Weise begründete Wer wer, den Antrag, der das Uebel berühre, an denen unseres Verhältnisse kranken, deßhatb müsse hier eingeschnitten werden. Eine große Anzahl von Kinder frommer