Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11 (November 1859)
- Date
- 1859-11-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Schiller-Tag. S63 So hat sich auch bei dieser Veranlassung der nationale deutsche Sinn unserer Religionsgenossen, den man im eigenen Vaterlande hier und da von böswilliger Seite immer noch anzuzweifeln sich unterfängt, während man ihn im Auslande den dem deutschen Vaterlande entstammten Juden so oft zum Vorwurfe macht,*) auf das herrlichste bewährt. Und wie der Schillertag das Band der Einigung um die einzelnen deutschen Stämme fester geschlungen hat, so ist er auch zugleich abermals ein laut redender Zeuge unserer nationalen Mitgliedschaft, unserer deutschen Ebenbürtigkeit. Schließlich möge die folgende Bemerkung hier noch einen Platz finden. Man hat es Schiller zum Vorwurfe gemacht, daß er — namentlich in den „Göttern Griechenlands" —heidnische Gesinnungen kund gegeben habe. Mit demselben Rechte könnte man ihn Protestantischerseits der Hinneigung zum Katholicismus zeihen; denn welcher Dichter hat den Kathslicismus mit glänzenderen Farben geschildert als Schiller? Aber beides zeugt, nach unserer Ansicht, von einer unrichtigen Auffassung des Dichters. Die Weise des Dichters, der sich eines Gegenstandes bemächtigt, um ihn zur Darstellung zu bringen, besteht eben darin, daß er sich diesem Gegenstande in dem Grade hingibt, in dem Grade in denselben versenkt, daß seine individuellen persönlichen Lebensansichten und Lebensanschauungen in dem Momente solchen Schaffens zurücktreten und in dem zu behandelnden Gegenstande gleichsam ganz aufgehen. Ganz ähnlich wie der Mime seine Künstlerweise dadurch bekundet, daß *) Die uns unlängst zu Gesicht gekommene Augsburger Allgem. Zeitung vom 13. Februar 1844 brachte hiervon ein schlagendes Beispiel. ES wird daselbst nämlich berichtet, daß bei den ungarischen Devutirten am 9. und 10. Februar 1844 darüber discutirt worden sei, ob auch Juden, die in den Städten wohnen, des Bürgerrechtes theilhästig werden sollen, und heißt dann wörtlich: Mit Glück bediente sich Komlosy des bekannten Arguments, daß die Juden Fremdlinge seien, sich nie mit der Nation amalgamirt haben und eia reis deutsches Element darstellen, das zu^begünstigea die Tafel nicht so bereit sein sollte.