Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11 (November 1859)
- Date
- 1859-11-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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SN Der ÄchiSer-Tag.^ Mi Bezüge wie durch ihre Mängel dennoch auch wieder alz Söhne ihrer Zeit kennzeichnen, verziehen sie Schiller gerne daß die schmähliche Verachtung, die zu seiner Zeit auf dsn Juden des Schwabenlandes lastete, auch bei ihm einen gelegentlichen Ausdruck gefunden hatte. Denn in seinem Beruft als Hohepriester der Menschheit zeigte er sich erhaben über diese Schwäche, hatte er dieses verunstaltende Vorurtheil abgestreift, hatte er über solche beengende, seine Zeit und seine Umgebung beherrschende Anschauungen sich siegreich aufgeschwungen. Hier erschien er als „Bürger derer, welche kommen werden;" „hier schlug sein Herz der ganzen Menschheit, war seine Neigung — die Welt mit allen kommenden Geschlechtern!" Diese geistig und sittlich frei machende Wirksamkeit Schillert, die so erhebende Verklärung, die er über das ganze Leben ausgegossen, die ihm die dankbare Verehrung nicht nur seiner Zeitgenossen, sondern auch der Nachwelt gewonnen und die Neigung der Welt mit allen kommenden Geschlechtern auch ihm zugewendet hat, hat ihm darum auch ganz besonders die Herzen unserer jüdischen Religionsgenossen gewonnen. Die einzelnen Mißtöne, die aus andern Kreisen, um der allgemeinen Huldigung entgegenzutreten, sich vernehmbar zumachen suchten, fanden in jüdischen Kreisen auch nicht den leisesten Wiederhall. Vielmehr wurde hier, neben der begeisterten Betheiligung an der allgemeinen vaterländischen Feier,*) Schillert Andenken sogar gottesdienstlich, so bei dem Sabbath- Gottesdienste in der Hauptsynagoge zu Frankfurt a. M. durch Herrn Rabbiner Stein gefeiert. Die abgehaltene Predigt, die einen mächtigen Eindruck gemacht hatte, ist zum Besten der Schillerstiftung im Druck erschienen. Wir constatiren hin mit großer Befriedigung, daß selbst Herr Rabbiner Hirsch, der Vertreter der hyperorthodoxen Richtung, bei der Schulfeier zu Ehren Schiller's, in schwungvoller Rede und von religiösem Standpuncte aus, dksem christlichen „Weisen" feine Huldigung dargebracht hat. *) Wir erinnern hier u. A. aa die ausgezeichneten Festreden der Herren vr. Rieß er zu Hamburg und vr. Stern zu Frankfurt a. M.