Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 11 (November 1859)
- Date
- 1859-11-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Schiller-Tag. fache, sich mit der innigsten Wärme an diesem Huldlguttgsfeste des großen Todten zu betheiligen. Das -Gefühl für das Schöne, das — in Folge der Jahrhunderte lang währenden Zurückdrängung aus fast allen Gebieten des Lebens — bei den Juden stumpf geworden war, das wurde namentlich durch die Schiller'schen Dichtungen weckt und geschärft. Denn Schiller war es voMgsweise, der Men, welchen es vergönnt war, aus den mittelalterlich beengenden Schranken herauszutreten, als Führer und Wegweiser entgegenkam. Ter melodische Zauberklang seiner Sprache lockte sie mit magischer Gewalt zum Eintritte in die Welt seiner Dichtungen, in welcher ihnen ihre höchsten Gedanken, ihre heiligsten Empfindungen, in die lieblichste Form gekleidet, entgegen traten. Die Weisheitssprüche, die ihnen namentlich in den spätern Dramen des Dichters mit biblischer Kernhaft tigkeit und nicht selten mit biblischem Inhalt ersüllt entgegentönten, heimelten sie mächtig an und luden sie ein zn immer erneuerter Wiederkehr, zu immer längerem Verweilen. So vielfach — namentlich in dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts — Preis gegeben den von religiösem Fanatismus bebrüteten und von einer verkehrten Gesetzgebung großgezogenen lieblosen Vorurtheilen, Unbilden aller Art ausgesetzt, — wie mußten sie sich aufgerichtet fühlen, wenn sie in den Räumen einer Schiller'schen Schöpfung gleichwie in einem Asyle sich befanden, wo mit hinreißender, Alles überwältigender Beredsamkeit die unverlierbare Menschenwürde, das unverjährbare Menschenrecht verherrlicht und ihr unausbleiblicher Sieg mit der Begeisterung eines Sehers verkündet ward! Hier fanden sie das unter dem Druck erbärmlicher Verhältnisse fast verlorene Selbstgefühl wieder; hier lernten sie, trotz dem ihnen entgegengeschleuderten Spott und Hohn, ihren Menschenwerth wieder kennen und daß man sie wohl „niedrig behandeln, aber nicht erniedrigen" könne, hier ward ihnen der Adelsbrief der Menschheit, den man ihnen aus den Händen gerissen hatte, von dem höchsten Priester wieder zurückerstattet. Wohl wissend, daß auch die größten Geister, wenn sie auch noch so sehr über ihre Zeitgenossen hervorragen, sich durch