Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 8 (1859)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1859)
- Date
- 1859-10-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeiche», der Gegenwart Pft iettachten, den ein noch größeres Unglück getroffen hat. Jene? hat nur seine Gelehrsamkeit zeigen wollen, und hat die Schranke der Ignoranz entblößt; dieser aber will sich mit der Glorie der Religion umgeben, und zeigt uns seine Gottlosigkeit. Jenem gelehrten Herrn haben wir gleiche Unglücksfälle im Vaterland?, vielleicht noch arößere, an die Seite zu stellen gehabt: was aber hätten wir, oas sich neben die Verteidigung des Kinderraubes, am Juden Mortara verübt, vergleichen ließe? Hier treten wir aus dem Blumenbeete der Gelehrsamkeit in das Gebiet der Schrecken; aus dem Lächerlichen ins Haarsträubende! Wir haben die Verteidigung einer That vor uns liegen, über die das ganze gebildete Europa sich entsetzte, und in einen Schrei der Empörung ausbrach, nicht nur diejenigen, die außerhalb der allein seligmachenden Kirche stehen, sondern auch eine große Zahl derer, die sich innerhalb derselben befinden, und unter diesen, wie wir bald hören werden, sehr viele, die sich von ganzer Seele zu ihr bekennen, sich selbst zu den Verfechtern derselben aufgeworfen haben. „O, könnten wir nur, die wir mit der unglücklichen Familie Mortara blutige Thränen weinen, ibr auch unsern Trost und unsere Zuversicht zurufen: Zweifeln wir nicht! Die Vorsehung*), die solche Frevel zugelassen hat, wird auch ein großes Heil daran zu knüpfen wissen." Schauen wir zurück auf jenen, dem . Erzvater begangenen, ähnlichen Frevel, an Jacob, von dem man den Knaben Joseph, seinen Liebling, entrissen, und als Sklaven nach Egypten verkauft hat. Wer weiß, welche tiefe Absichten jetzt schon dadurch allein erreicht find, daß ein Freund, ein Diener dieser Gemeinde, sich genötyigt gefunden hat, diesen, am Juden begangenen, Raub zu rechtfertigen, und ihn als ein unverbrüchliches Gebot seiner Kirche auszusprechen; eine That zu heiligen, die der ganzen übrigen Menschheit einen tiefen Abscheu einflößt. Ist es nicht, als wenn die gnadenreiche Vorsehung diesen Priester des Gottes, in dessen Namen man den kleinen Mortara getauft und geraubt hat, auf eine Zinne seines Tempels gestellt habe, damit seine entsetzliche Rechtfertigung dieser That der blinden Welt den Sta'ar steche, und sie zurück schrecke? Ist das nicht ein deutlicher Finger Gottes, uns zur Warnung drohend aufehoben? — Zweifeln wir nicht! die heilige Vorsehung selbst at den schwarzen Raben auf die Zinne seines Domes ge- .*) Bereits hat sie, ein Wetterschlag zur rechten Zeit, daS Papstthum gerichtet. — Dasselbe hat uns ein Kind geraubt, und in der Rcmagns find Taufende seiner Kinder wider dasselbe in Hellem Aufstand! — Gott lebt noch, und sein Gericht trist die Frevler unfehlbar..— L. S.