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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-05-10 · Heft 19 (10.5.1846) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 19 (10.5.1846)
Date
1846-05-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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147 wilden Thieren habe. Da die Jagd als eine Uebung und als ein Vorspiel zum Kriege angesehen wird, so soll man durch dieses Verbot zugleich lernen, wie Krieg zu führen sei, nämlich nicht ungerechten Gewinnes wegen, sondern blos sich zu vertheidigen. Das Blut aber ist verboten, weil es die Seele enthält, die dem Menschen mit dem Thiere gemein ist, nämlich die animalische. Es verurtheilt sich diese allegorische Spielerei von selbst und es ist nicht nöthig etwas darüber zu sagen. Bei der Halacha fragen wir natürlich vergebens um Aufschluß über die Bedeutung dieser Gebote. Denn ihr ist es niemals um die Bedeutung irgend eines Gebotes zu thun, sondern nur um die Ausführung desselben. Gott hat das geboten und damit Punktum, ist die Grundregel der Halacha, von der sie nirgends abweicht, noch abweichen kann. Uns liegt ob, nicht das Gebot zu verstehen, die eine Beziehung desselben zu unserm Geiste zu erkennen, sondern die Fälle auszurechnen, in welchen wir möglicher Weise das Gebot übertreten könnten: bis wann der Geschmack des Verbotenen noch bleibt, wie es zu halten, wenn zufällig etwas Milch auf Fleisch gefallen und Aehnliches. Als aber nach der Ausbildung der Halacha die Reflerion wieder erwachte und im Mittelalter durch das Studium der griechischen Philosophie noch verstärkt wurde, da mußte, wie bei Philo, die Frage nach dem Sinne dieser Verbote wieder in den Vordergrund treten. Schon der Midrasch beginnt sich diese Frage vorzulegen, ohne aber tiefer in das Wesen dieser Vorschriften einzudringen. So z. B., wenn er fragt, warum denn diese Verbote nur an Israel und nicht an alle Menschen gerichtet seien, und dieses dahin beantwortet: „Es ist dieses einem Arzte zu vergleichen, welcher zwei Kranken besucht, den einen stehet er unrettbar verloren, bei dem andern dagegen hegt er noch Hoffnung. Letzterem schreibt er daher vor: das darfst du essen und das nicht; ersterem sagt er aber: esse was du willst. So auch hier: den Völkern, welche nicht für das ewige Leben bestimmt sind, hat Gott gesagt: „„Wie das grüne Kraut habe ich euch Alles zu essen gegeben (6en. 9, 3.)"" Aber zu Israel, das für das ewige Leben bestimmt ist, hat der Herr gesagt: das sollt ihr essen und das nicht (Wajikra Rabba Kap. 13)." Es wird also eine innere Beziehung zwischen dem ewigen Leben und den Speiseverboten angenommen, ohne daß indeß weiter nachgewiesen wird, worin denn diese Beziehung zu setzen, in wiefern der Genuß dieser Speisen dem nach dem ewigen Leben Schmachtenden schädlich sei. Unmittelbar hernach wird sogar die Ansicht der Halacha wieder vertreten, diese Verbote seien allerdings läuternd für das geistige Leben, aber nur insofern sie den Menschen zum unbedingten Gehorsam gegen Gott erziehen, denn es heiße (Spr. Sal. 30, 5): „Alle Worte Gottes sind läuternd (nach dem Sinne des Midrasch übersetzt) er ist ein Schild Allen, die auf ihn vertrauen." Eben so verkündet der Midrasch daselbst die Aufhebung aller dieser Verbote für die zukünftige Welt. Sie sind also auch *hm nur ein Mittel, die Welt zur Religion zu erziehen und daher in einer Welt, wo nur Religion und Gottesfurcht herrscht, wo keine geistige Krankheit mehr vorhanden, überflüssig. Die Rabbinen des Mittelalters theilen sich in ihren Ansichten über den Grund jener Verbote. Therls sollen sie Beziehung auf das zur mosaischen Zeit herrchende Heidenthum haben, the ils sollen diese Speisen einen physisch oder psychisch schädlichen Einfluß, (wie ja auch schon Philo behauptete) auf den Menschen ausüben. So sagt Maimonides von der Baumfrucht in den ersten drei Jahren, sie sei deßhalb verboten, weil die Heiden gewohnt gewesen, die ersten Früchte des Baumes ihren Götzen darzubringen und geglaubt hätten, die Vernachlässigung dieses Gebrauches würde die Götter bestimmen, den Baum unfruchtbar zu machen. Ferner hätten die Heiden viele abergläubige Gebräuche bei der Pflanzung eines Baumes beobachtet, um recht schnell Früchte zu erzielen; deshalb habe nun Gott die Früchte der drei ersten Jahre verboten, um jene Gebräuche nutzlos zu machen (moro III, 37). Dieser Ansicht pflichtet auch Abrabanel bei. Anders indeß der Akeda: Vor dem fünften Jahre sei die Frucht eines Baumes überhaupt nicht völlig genießbar; ein Jahr früher sollte sie aber Gott dargebracht werden, zum Sinnbild für den Menschen, daß er seine jugendlichen unbesonnenen Handlungen ablege und mit reifen vor Gott erscheine (Akeda Thor 65). In den übrigen Speiseverboten sichet Maimonides nur physische und medizinische Gründe. Alle diese verbotenen Speisen seien schwer verdaulich, beförderten Unreinlichkeit u. s. w. Das Verbot der Spannader habe indeß nur den von der Schrift angeführten Grund.

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