Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1846)
- Date
- 1846-05-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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148 Ein Glied von einem lebendigen Thiere zu verschlingen sei barbarisch; auch sei dieser barbarische Gebrauch zu Ehre der Götter im Heidenthum ausgeübr worden.' Fleisch in Milch gekocht sei nicht nur höchst unverdaulich, sondern wahrscheinlich auch ein heidnischer Gebrauch gewesen, daher dieses Verbot auch zweimal mit den Festtagen in Verbindung gebracht sei. Das rituelle Schlachten sei die leichteste Todesart (mors NI, 48). Durch den Blutgenuß hätten außerdem die Heiden sich mit den Dämonen in Verbindung zu setzen gesucht (das. 48). Diesem rein medizinischen Standpunkte für die Betrachtung des mosaischen Gesetzes widersetzen sich Andere mit Recht. Sie sagen: wenn die Tbora diese Gebote blos aus Rücksicht für die Gesundheit aufgestellt hatte, warum hat sie denn nicht auch Gift ausdrücklich verboten? Wir sehen auch gar nicht, daß die Völker, welche diese Speisen genießen, weniger gesund als die Israeliten wären. Unverdaulich sei nur etwas Relatives. Auch die unverdaulichsten Speisen könne man durch Gewürze und Aehnlicheö gesund machen u. s. f. Daher versuchen sie einen andern Weg. Zn dem Verbot der Spannader siehet der Akeda (Thora 22) nur etwas Sinnbildliches. Weil der Geschlechrstrieb die Ursache der meisten Sünden sei, so sollte das Verbot jener Ader die Warnung versinnbildlichen, sich vor diesem Triebe am meisten zu hüten. Die übrigen Speiseverbote hätten 1) einen asketischen Grund. Der Mensch solle sich durch sie an Enthaltsamkeit und Mäßigung gewöhnen (wie auch schon Philo); 2) seien sie nicht physisch, der leiblichen, wohl aber psychisch, der geistigen Natur schädlich; die verbotenen Speisen übten einen verdummenden und verthierenden Einfluß auf den Menschen aus, was allerdings zuletzt auch leibliches Verderben herbeiführe. Ter Akeda stellt sich selbst die Frage, wie es denn komme, daß von diesem verderblichen Einfluß des Genusses jener Speisen bei den Völkern nichts zu merken? Gott verschone diese; denn er habe sie nöthig, um Israel für seine Sünden zu strafen; zuletzt würden allerdings von den Völkern nur so viele bestehen können, als zum Nutzen Israels nöthig (Thor. 60). Da d§s Blut der wilden Thiere und der Vögel klarer und reiner und daher für die Seele weniger gefährlich sei, man also sich leicht zum Genüße dieses Blutes verleiten lassen könnte, es aler immerhin einen gefährlichen Einfluß auf die Seele ausübe: deshalb sei das Gebot, dieses Blut mit Erde zuzudecken, um so dessen Genuß unmöglich zu machen. Ralbag siehet in dem Verbot des Znschlittes und des Blutes ebenfalls nur einen medizinischen Grund. Desgleichen Abrabanel (siehe seinen Commentar zu ,-!#->). Die Nahrung der erlaubten Thiere sei eine reinere (zahmere sagt schon Philo); sie hätten weniger unreine Säfte. Aber auch er will von einem rein physischen Einfluß dieses Genusses nichts wissen, sondern nur von einem psychischen. Auch nimmt er eine Beziehung dieser Thiere auf den damaligen.Götzendienst an. Für das Kochen des Böckchens in Muttermilch stimmt auch der Akeda (Thor 46 Ende) der Ansicht des Maimonides bei, dieses Verbot zu übertreten wäre barbarisch. Endlich haben wir noch den Ausspruch des Zbn Esra beim Jnschlitt zu erwähnen, nämlich: Znschlitt wäre nur so lange verboten gewesen, als geopfert werden konnte; denn das Verbot hänge mit dem Opfercultus innigft zusammen. Nur so lange geopfert werden .konnte, durfte das, was vorzüglich für den Altar bestimmt war, von Niemanden gegessen werden. Wesseli entgegnet: Warum denn nicht auch die andern Tkeile, die geopfert werden mußten, wie die Nieren und das Schwanzstück, verboten seien? Zndeß fehlt der nähere Beweis dafür, daß diese Stücke, auch von, allen Opfergattungcn dargebracht werden mußten. Beim Erstgebornen heißt cs z. B. nur (4. Mos. 18, 17.): „Sein Blut sollst du sprengen auf den Altar und ihr Znschlitt räuchern." Der Talmud eruirt aus dem Plural Dn'pri, daß auch die übrigen beim Freudenopfer gewöhnlichen Stücke hier mit verbrannt werden mußten (Sebachim 56 d). (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Die französischen Jude«. XX (Paris, im März 1846.) — Zn der Pariser Gemüthlosigkeit mit ihren Gla^e-Handschuhen ist es für einen derben gemüthlichen Deutschen ein wahrer Geistesschmaus, seine deutschen Blätter zu lesen; deren Fadheiten, über die man sich bei uns so regelmäßig ärgert, erscheinen uns hier als wahre Leckerbissen. Zu Hause, da gibt'e doch noch Glaubensstreitigkeiten. Da drüben, da gibt's noch Enthusiasten unter Christen und Zuden, die ihren Glau» ben haben, läutern, veredeln wollen. Solche Naturen kennt man