Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 19 (10.5.1846)
- Date
- 1846-05-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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140 noch nickt gebrauchten Gefäßen macht, was sie nach der Auffassung der Tradition wohl müßte. Schon früh mußte die Frage nach der Bedeutung dieser Gebote, wie die nach der Bedeutung des Mosaiswus überhaupt, aufgeworfen werden. Denn sobald den Juden eine geistige Bildung entgegentrat, die — verschieden von der der sie ursprünglich umgebenden und von ibnen verachteten Völker — ihnen Achtung einflößen mußte und doch wiederum durchaus verschieden war von der einbeimischen, mußten sie nothwendig beide Weisen des Geistes mit einander zu vermitteln, die eine vor der andern zu rechtfertigen suchen. So finden wir schon bei dem Alcrandrinen Philo diese Fragenaufgestellt, aber freilich meistens höchst willkührlich beantwortet. Ueber das Gesetz, kein Böckchen in der Milch seiner Mutter zu kochen, äußert er sich de carilate T. I. p. 399 ed. M. Da die Natur die Milch zur Erhaltung des Zungen geschaffen, so ist es schrecklich, wenn der Mensch gerade diese seine Nahrung zum Gewürz benutze, sein Fleisch damit schmackhafter zu machen. „Wenn Jemand, fügt der Alerandriner hinzu, Fleisch in Milch kochen will, so koche er es nicht mit Rohheit und Gottlosigkeit." ü Ax ra zv yaljxxTi owtyeiv ä^iov, fjy gvv äfiövi;TL yaQt$ b'z dazßsiaq ii^sro. MüN sichet Zugleich aus dieser Stelle, daß der Alerandriner noch keine Ahnung hat von der spateren talmudischen Ausdehnung dieses Gebots, wonach alles Fleisch — mit Ausnahme von Vogelfleisch — in jeder Milch zu kochen verboten sein soll. Ihm ist nur verboten das Junge in der Milch seiner wirklichen Mutter zu kochen. (Was nun die übrigen Speisegebote betrifft, so siebet Pbilo in ihnen einerseits diätetische, physische und psychische Ursachen (de concupiscentia Tom II. 352 u. ff). Die dickfleischigen und sehr fetten Thiere sind verboten, weil sie die dem Menschen immer nachstellende Lust reizen und anregen, besonders den Geschmackssinn, und dadurch Unersättlichkeit bewirken, und so sowohl dem Körper durch Unverdaulichkeit als auch der Seele schaden. Zu diesen gehöre von den Landthieren besonders das Schwein und von den Wasserthieren die Schuppenlosen. Dagegen sei die Enthaltsamkeit sowohl eine Tugend und mache stark zu jeder andern als auch wiederum durch Verminderung des Aufwands dem leiblichen Wohlbefinden zuträglich u. s. f. Die, welche Menschenfleisch nachstellen, seien besonders verboten; denn wenn es auch recht schiene, daß sie vom Menschen dasselbe Schicksal erlitten, welches sie ihm anthäten, so wollte der Gesetzgeber doch nicht, daß der Mensch dasselbe den Feinden thue, was sie ihm thun, damit er nicht gleicher thierischer Wuth verfalle. Ja, um dieses Gesetz zu umzäunen seien überhaupt Fleisch fressende Thiere verboten und nur die Gras fressenden erlaubt, welche zahmerer Natur sind, da sie nur zabme Nahrung verdauen. Mit dieser mindestens verständigen Antwort begnügt sich aber unser Philosoph nicht. Er muß noch nach seiner Weise eine spielende, mystisch allegorische haben. Die Schrift (5 Mose 14, 4 u. 5.) zählt zehn Gattungen reiner Thiere auf, denn die Zebnzabl ist die heilige Zahl. Das Wiederkauen ist Sinnbild des Lernens, wo auch das Gehörte und durch die Ohren Auf- ^genommene nicht sogleich von dem Lernenden verstanden wird, sondern dieser muß es wiederum einzeln im Geiste durchdenken und so es zu seinem geistigen Eigcnthum verarbeiten. Aber Wiederkauen allein genügt noch nicht, das Thier rein zu machen, es muß auch gespaltene Klauen haben; denn nicht alles Erlernte ist gut; es gibt gute und gibt schlechte Lehren. Diese Unterscheidung muß hinzukommen und das Sinnbild hiervon sind die gespaltenen Klauen. Was keine Schuppen und keine Floßfedern hat, vermag nicht der Gewalt der Strömung zu widerstehen und wird in den Schlamm herabgezogen. Eben so wenig vermag die vergnügungsstlchtige Seele den Lockungen zu widerstehen; sie wird vielmehr in den Schlamm und in den Untergang gezogen. Die kriechenden Thiere, welche auf dem Bauche gehen, sind Sinnbild derjenigen, die nur für ihren Magen leben, die vierfüßigen aber sind Sinnbild der vier Kardinallafter, deren Unterarten unzählige sind, daher auch die vielfüßigen unrein. Die aber, welche oberhalb den Füßen Schenkel haben, damit zu Hüpfen auf der Erde, sind deshalb rein, weil sie ein Sinnbild sind der Gewohnheit und Weise der vernünftigen Seele, die aufwärts zu springen sucht von der Erde und von dem Niedrigen in den Aether und in die himmlischen Kreise. Von den Vögeln sind alle Fleischfresser und giftige und überhaupt die sich hinterlistiger! Kräfte bedienen, verboten, das gefallene Thier ist deßhalb j verböten, weil es 1) ungesund ist und 2) weil es j durch seinen Tod bewiesen hat, daß es vorherbestimmt j war, unberührt zu bleiben. Das Zerrissene aber, dal mit der Mensch nicht gemeinschaftlichen Tisch mit den