Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1846)
- Date
- 1846-05-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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84 gionsgebot höhern oder niederu Grads zum Kämpft aufgestanden, sondern, wo es sich um Grundsätze, Prinzipien, um eine neue Welt handelt; da können wir die Arbeit des „Jeruschalmi" nicht anders als lächerlich finden. Es scheint uns grade, als wenn Kinder auf der Wahlstatt und im Gewühle einer Völkerschlacht, Gänseblümchen pflücken und Kränze winden wollten. Ich mußte mich um so schmerzlicher getäuscht finden, als ich schon vor 3 Zähren, bei meiner Anwesenheit zu Brody von mehreren namhaften, hclldenkenden Gelehrten, an ihrer Spitze die Hirsch Schorr und I. Erter den Entschluß vernahm, eine dem Zeitbedürfnisse wahrhaft entsprechende Zeitschrift zu gründen, die den cingeschlichknen Mißbräuchen durch eine verständige populäre Darstellung zu Leib gehe; die Hinweise auf den Bildungsgang unserer deutschen jüd. Brüder, auf ihre Schulen und Bildungsanstalten; die ein ungefärbtes Licht werfe auf die Geschichte der Vergangenheit unsrer Glaubensgenossen; die über den Talmud und die Rabbinen, über ihre Principicn und Teotenzcn Aufschluß gebe; Biographien jüd. Capacitäten liefere u. s. w. Als mir nun die Kunde ward von einer in Gasizien erschienenen hebr. Zeitschrift, da fteute ich michdieser Erscheinung; wie ward ich aber bald enttäuscht. Prüfen wir nun das Einzelne, und sehen wir, ob das Ideal: „Measfim und Bikure haittim" erreicht wird. Die erste Lieferung bringt eine Arbeit über die Observanzen (D’JHJD), von Monies, der gar keine Ahnung davon hat, was darüber von Deutschen Gelehrten schon längst besser und gründlicher gesagt worden ist, Es tauchen wohl hie und da einige gute Gedanken von Girondi, .dem Paduaner auf; fie verlieren sich jedoch in der Menge des sinnlosen und eiteln Geredes. Dann kömmt der im Disputiren geübte Fischmann; dann Mochr, Bodek,' die unbarmherzig in der h. Schrift fegen (ünjOD). Diese letzte Tripel-Alliance kann den Zweck dieser Afterschriftstellerei nicht verbergen. Es ist darauf abgesehen, die ftömmelnde Gesinnung zu Markte zu tragen, und sich gegenseitig Complimente zu machen, und Einer an des Andern Unsterblichkeit zu arbeiten. Sie stolzieren in dem Schmuck ftemder Federn und regaliren das Publikum mit Gedichten in holperigem schlechtem Hebräisch, das dem geschmacklosen Inhalte ganz rntsprechend ist. Die zweite Lieferung schließt sich der ersten würdig an. Von dieser wollen wir nur eine Abhandlung von Horwitz erwähnen, die Beweise für die Unsterblichkeit der Seele bringt, Beweise, nach der Versicherung des Verfassers, fest wie Stahl und Eisen. Dem verständigen Leser nöthigt ein solches Machwerk eines Mannes, der darüber noch gar nichts gelesen zu haben scheint, ja nicht einmal den Phaedon kennt und es wagt, über solche hehre Fragen mitzusprechen, ein schmerzliches Lächeln ab. Zn der dritten Liefemng endlich treten die Herausgeber ans Licht und nennen ihre Namen. Es find die HH. M. Mohr und Jacob Bodek. Diese Herren haben sich schon bei uns einen unrühmlichen Namen gemacht durch ihre Angriffe gegen Männer, wie Luzzato, Reggio, und Rappogort. Im Lerem ebemeck VI. Bd S. 119—204 packt sie denn auch Rappoport gehörig und läßt keinen guten Bissen an ihnen, und bezüchtigt endlich Einen aus der Sippschaft des Diebstahls, des literärischen nämlich. Nicht etwa ein armseliges Citatchen hat die langen Finger an sich gezogen — auch darüber lamentirt Rappoport —; sondern ein ganzes Buch haben sie sich angeeignet von ftemdem Gute. — Nicht das Buch Dttf '»tWN oder *py, Werke Rappoports, worüber er schon unzähligemal ausgelassen, die aber erweislich noch gar nicht eristiren - sondern D'DJ ,mb IW^an "ISO. Es scheint nun fteilich von dieser Seite her der Wind anders zu blasen. Bodek hat, wie er erzählt (S. 15), bei Rappoport gespeist. Ihr Grimm hat sich aber nun gegen die Rabbinerversammlung zu Frankfurt gekehrt. — Wird ein Mohr sich weiß waschen? 'Dl 'SPD *]Drpn — Nun ihr Rabbinen Deutschlands, habt ein Auge auf den sich bildenden Landsturm! Sie wiegeln ganz Posen gegen Euch auf. Die Häupter Chazos, Christianopeler, Zausmer, Oettinger und Nathanson find aufgerufen, sich ihnen und den HH. Rappoport, Sachs, Mannheimer, Frankel undConsorten anzuschließen, um gegen Euch zu Felde zu ziehen. Und Ihr schweigt? Wollt Ihr sie kennen lernen, diese Stürmer — ich behalte mir die Porträtirung derselben für ein andres Mal vor und gehe für jetzt wieder an unfern „Jeruschelaim". HI. Lieferung. D^n Reigen eröffnet Horwitz aus Wien mit der Quintessenz einer Derascha, die er aus Anlaß der Geburtsftier des Kaisers gehalten,^zanz in dem Style der weiland herumziehenden bettelnden Magidim. Da lernt man eine Eregese kennen, daß einem die Augen übergehen. Da wird dem Volke noch aufgetischt, der Aussatz komme als Straft für verleumderisches Reden, und mit der Thora — also auch mit der Derascha des Redners — könne man den Aussatz wieder vertreiben. Nachdem er im Verlaufe seines Vortrags dem Volke seine Pflichten gegen den Kaiser ans Herz legt, fordert er es wiederum auf, sich so viel als möglich von den andern Völkern zu separiren, indem sie vorzüglich als Priestervolk, als heiliges Volk bevorzugt seien, und tröstet sie endlich, daß rvfc?2 bald ihren Leiden ein Ende machen und sie aus allen Weltgegenden zusammenführen werde. Zch bin weit entfernt, den Glauben an einen Messias und an die Vorzüglichkeit seines Religionsbekenntnisses mit dem wahren Patriotismus als unvereinbar zu halten; sowie das Familien- und das Freundschaftsband kein Hinderniß abgibt, dennoch ein guter Staatsbürger zu sein.