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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-05-03 · Heft 18 (3.5.1846) · page 11

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 18 (3.5.1846)
Date
1846-05-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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S3 lagen. Wer nun den Einfluß der Lektüre auf die Sinvesweise ganzer Menfchenklaffen zu würdigen weiß, zumal wenn diese, wie hier der Fall, in einer Sprache dargeboten wird, die als heiliges Gefäß auch den Inhalt heiligt, die in den Augen des Volkes an sich schon mehr Achtung verdient, als die höchste Weisheit in einer profanen Sprache, der wird das Interesse zu würdigen wissen, mit welchem der menschenfreundliche Glaubensbruder jedes neue literarische Produkt in dieser Sprache begrüßt. Er hofft, daß es ein Bote ver Erleuchtung und Veredlung sein werde für seine armen verblendeten Brüder; daß es eine Sendung habe in der großen Ausgabe der religiösen und sittlichen Stärkung einer in der einseitigen Richtung des Werkheiligkeitsstudiums für die großen Zwecke der menschlichen Gesellschaft fast verlorenen herrlichen Kraft. Jedoch rin so freudiger Empfang kann nur den hebr. Werken werden, deren Verfasser durch ihre Namen für die wahrhaft fromme sittliche, zeitgemäße Richtung bürgen, wie etwa den Werken rmn n*up minn u. s. w. Wenn aber eiende Scribenten, charakterlose, heuchlerische Bolksverderber im Solde des Mammons, des Ehrgeizes, der Gunst des Pöbels, des Beifalls des Gesindels solche Werke auf den jüdischen Markt bringen, dann ist es für jeden Bessergesinnten Pflicht, gegen solche schlechte Waare zu warnen, und dieselbe ohne Rücksicht in ihrer Blöße und Gemeinschädlichkeit hinzustellen. Wenn nun, geehrtester Hr. Redacteur, Ihr heiliges Streben für die sittliche Hebung Ihrer Glaubensbrüder vor den polnischen Gränzsteinen nicht zurückbebt, wenn Sie den Segen allmähliger Aufklärung, woran ich nicht zweifle, auch den Polen gerne gönnen, so werden Sie Ihren wachen Blick auch über den hebräischen Theil des literarischen Marktes schweifen lassen und den Mäanern, die dazu den Beruf in sich fühlen, gestatten, in Ihrem Blatte Über solche Erscheinungen sich auszusprechen, damit eine wohlmeinende, unbefangene Kritik auch hier den Werken der Wahrheit, des erkennenden Wissens und der ächten Religiosität die gebührende Anerkennung und Verbreitung verschaffe; den Werken der Lüge, dem Geiste der Heuchelei, des Betrugs und der Finsterniß hingegen (nwn ptQ ''12Q nrO die verdiente Schmach bereitet werde.— Ich, meines Theils, bin gem bereit, von Zeit zu Zeit zu diesem Zwecke Berichte einzusenden, die ich Ihrer gütigen Berücksichtigung empfehle. Ich mache gleich den Anfang mit einer Besprechung der hebr. Zeitschrift: „Jeruschelaim". Prag, bei M. I. Landauer. Obwohl erst Ein Jahr ins Leben getreten, hat sie doch schon 3 Metempspchosen erfahren. Die erste Lieferung erblickte das Licht der Welt in Solkew, die zweite erstand in Lemberg, die dritte Lieferung, die, Welcher unsere Betrachtung vorzüglich zugewandt werden /oll, taucht nun wieder in Prag auf. Es ist vorauszusehen, daß diese Zeitschrift noch eiaen vielgliedrigen Cyclus solcher Wanderungen durchzumachen haben werde, bis ihr Geist gereinigt und geläutert, ins Reich der Wahrheit gelangen, und des Lichtes gewürdigt werde, das ewig leuchtet. Mit Recht konnte man von den Herausgebern fordern, daß sie nicht mit der Thüre ins Haus fallen, daß sie nicht ihr Geisteskind in die Wett schicken, ohne eine Ansprache ans Publikum, in welcher sie die Tendenz und den Zweck desselben darlegen, voranzufchicken, ohne es offen und ftei auszusprechen, welcher Partei sie angehören, ob sie der Partei des Fortschrittes oder der des Stillstanves huldigen, oder ob sie sich über den Parteien halten und das Amt der Vermittelung übernehmen wollen; von dem allen jedoch kein Wort! Das war schon kein gutes Omen. Ich suchte nun nach einem Verzeichniß der Mitarbeiter und diese wären mir, dem fast alle namhafte Gelehrten Galiziens persönlich bekannt sind ein hinlänglicher Fingerzeig über die muthmaßliche Richtung gewesen. Vergebens! Ich las die Vorrede und da gerieth ich in eine wahre Gedankenöde. Da-ist, so weit der Horizont geht, kein Gedanke, an dem man sich erquicken könnte. Lauter fades, seichtes Geschwätz. Ich ließ nun,*• ehe ich mich auf eine genaue Prüfung des Inhalts einließdie einzelnen Piecen an mir vorüberziehen. Da fanden sich süße-und saure hebr. Gedichte, Fetzen Eregese über einige arme Verse der 'h. Schrift in der alten gliederverrenkenden witzigen Manier, Kabbala, eitle Dispute 02.1 hw us. w., ohne Ordnung und ohne Plan. In der heillosesten Verworrenheit drängte eine'-Piece die andere. Erstaunt und versteinert sehe ich das wilde Heer an mir vorüberziehen. Was wollen die Herausgeber damit? Wollen sie Measfim's und Bikure- -haitim's spielen? Allen Respekt vor den Measfim und den Bikurehaittim. Sie haben ihre Aufgabe nach dem Bedürfniß ihrer Zeit wacker erfüllt. Lächerlich wirds aber, wenn man sie > kopiren will; lächerlich wirds, wenn man die harmlosen Spielereien und Zeitvertreibe jener friedlichen, naiven, so genügsamen Zeit in unfern Tagen wieder aufführen will, in unfern Tagen wo es schwerlich noch ein Dorf, vielweniger eine Stadt giebt, in der nicht der Kampf um die höchsten Güter der Menschheit, Freiheit und Erkenntniß zuckt, oder gar schon offen ausgebrochen ist, nicht blos auf dem Gebiete des Judenthums, sondern auf allen Religionsgebieten, auf welchen der freie Geist des Jahrhunderts nicht als Vagabund ausgewiesen wird. Inmitten eines so bedeutungsvollen, inhaltschweren Schlachtgewühls, in welchem Bruder gegen Bruder und Freund gegen Freund das Schwert zieht, in welchen die besten und edelsten Kräfte des Volkes nicht um Einzelnes, um eine Observanz, um dieses oder jenes Reli-

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