Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1846)
- Date
- 1846-05-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567036--2018-3522016- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Alchadev, der Crisp, Abi SLmra, Alfandari, Masach, Israeli, Al' fakhar, Nachmias, Abulafia el Levi, Alnakwa und Abrn Schoschan. Die Beziehungen dieser Geschlechter werden auf gelehrte Weise erläutert, und über die Lebenszeit derselben viele Aufklärung gegeben. Einen kleinen Beitrag mögen folgende flüchtig gemachten Bemerkungen liefern. Ein Abraham b. Zosef Nachmias übersetzte den Commentar des Thomas von Aquino zur aristotelischen Metaphysik aus dem Lateinischen ins Hebräische. Die Metaphysik selbst besaß Derselbe in einer aus dem Lateinischen ange. fertigten Uebersetzung des Baruch, die wohl identisch ist mit der von Wolf im b. h. IN Nr. 430 c. p. 164 angeführten und als in Paris befindlich angegebenen ist. Ob Baruch noch zur Zeit unseres Nachmias gelebt, ist zweifelhaft, da dieser dessen Namen , blos die Euphemie K"’ nachsetzt und diese ebensowohl für einen i Lebenden (vrgl. S. 311 u. 455) wie für einen Tvdten (S. 335 und 456) gebraucht werden konnte. Abgeschrieben ist jedoch das Eremplar des übersetzten Comm. welches ich gesehen, i. I. 1491, und zwar bei Lebzeiten des Uebersetzers Nachmias; ob dieser nun einer von den beiden Abraham Nachmias ist, welche als um 1520 und 1529 lebend angeführt werden (S. 430)* kann ich bei dem Mangel der Quellen nicht untersuchen.«— Zehudah b. Isaak Aden Schoschan (S. 439) hat nicht blos einen Cynm. zu Ruth, sondern auch zum hohen Liede geschrieben, und.j«uch dieser wird von Isaak Ja'bez b. Salomo benützt (vrgl. Borr. zu Thorath Chcßed.) Die sechste Abhandlung enthält die ^Geschichte der Juden in Sicilien" (S. 484 — 534), zunächst au^GrundKrge des Werkes von dem Canonicus Giovanni di Giovgfihi: l’ebcaismo della' Sicilia, welches in Sicilien i. I. 1748 Fr'druckt worden, aber mit Hinzufügung aller Beiträge aus jüdischen Werken. Die siebente gibt unter der Aufschrift: Münzkunde (— 564) in. 18 Paragraphen Ausschluß über Münzen, welche in jüdischen Schriften Vorkommen, mit ausgebreiteter Gelehrsamkeit, gründlichem Fleiße und glücklichem Scharfsinne. Einige „Berichtigungen und Nachträge" , (— 571), ein „Berzeichniß der benutzten handschriftlichen hebräischen Werke" ( — 574) und ein von vr. D. Cassel angefertigtes „Register der Personennamen (— 607) bilden den Schluß dieses inhaltreichen Werkes. Möge es anregend und fördernd wirken, und möchten wir bald mit einem zweiten Bande solcher gelehrten Forschungen von dem Hrn. Verf. beschenkt werden; mag immerhin eine Meinungsverschiedenheit über Zeit und Bedeutung der Literaturgeschichte, über Behandlung und Fruchtbarmachung des Stoffes gegen den Vers, begründet werden, seine Werke bleiben doch stets eine Zierde unserer Literatur, und neben der Belehrung kann auch die aus ihnen hervorgehcnde Frucht für höheres Leben nicht ausbleiben. Habe ich mich nicht gescheut, meine innerd Urberzeugung s dm hier niedergelegteu Ansichten oft mit aller Schärfe entgegenzustellen, so trage ich um so weniger Bedenken, mich mit aller Freudigkeit als Zunz treu aufhorchenden und begierig lauschenden Schüler zu bekennen. Breslau, 12. Januar 1846. Litararifch - kritische Briefe aus Galizien*). I. Die Bedeutung der hebräischen Sprache für den Israeliten Polens ist bekannt genug. Man kann es bedauernswerth finden, und kann sich darüber freuen, es ist in der Betrachtung darüber Raum genug für Beides. Denn die hebr. Sprache in ihrer ausschließlichen Pflege Seitens unsrer hierseitigen Israeliten ist eben sowohl das Meer ihrer geistigen Bewegung, als der Abgrund europäischer Lebensanschauung und Nationalisirung. Wenn der erstaunliche Fond von Begeisterung, Talent und Fleiß, der hier von unfern Glaubensbrüdern jahraus jahrein auf das Studium der hebräischen neuern und ältern Literatur, die meistens theologischen Inhaltes ist, verwendet wird, der Landessprache und der Wissenschaft nach allen Verzweigungen hin, dienstbar gemacht würde, wahrlich, dann würde es mit uns im Himmel und auf der Erve besser stehen. Ganz Galizien wäre eine Akademie, und wie einst Rom in dem rübenkochenden Dentatus einen Staatsmann und Felvherrn erster Größe anerkannte, würde man in manchem Trödler mit Bart und Kaftan eine wissenschaftliche Riesen - Capacität finden. Indessen es ist nicht so. Unsere Frommen bauen ihre Begeisterung, ihren Feuereifer für riDDn und min in die engen Gränzen der h. Schrift, und was damit in Verbindung gebracht worden ist. Für die fortschreitende Philosophie, für Naturkunde und für alle höher» oder nredern Disciplinen des Wissens, steht noch Alles unter dem Gefrierpunkte. Unter diesen Umständen sei uns die Pflege der hebräischen Sprache und das Vorurtheil für Alles, was im Gewände dieser Sprache austritt, gesegnet. Was wären die polnischen Israeliten ohne die hebr. Sprache, was, ohne die hebr. Literatur! Sie wanderten in der grausenvollsten Geistesöde; es wäre ihr Geistestod, sie sänken noch tief unter das Niveau des polnischen Bauern, und das will viel heißen. So sehen wir den Trödler, den Handwerksmann, den großartigen Commerziellen, wie den gelehrten Rabbinen mit wahrem Heißhunger das Gebiet der hebr. Literatur ausbeuten. Das ist ihre Erholung nach der sauren Tagsarbeit; das ihr Genuß an Sabbat-und Fest- *) Freie Uebersetzung des hebräischen Originals. Die Redaction.